Die vergangene Woche hat perfekt gezeigt, wie sich Anleger am besten aus der Fassung bringen lassen. Man nehme also ein paar längerfristige Gewissheiten, oder das, was viele Privatanleger zuletzt dafür hielten, etwa: „Der MSCI World ist das einzig Richtige fürs Depot.“ Oder: „Gold ist die ultimative Krisenwährung und schützt vor Einbrüchen am Aktienmarkt.“ Oder: „Die Künstliche Intelligenz löst die nächste industrielle Revolution aus, deswegen sind Technologieaktien Renditetreiber.“ Oder: „Zehn Prozent Rendite jährlich sind mit ETFs locker drin.“ Man warte eine Weile ab, bis solche Glaubenssätze genügend Anleger angelockt haben, die so die Kurse kräftig getrieben haben. Und dann sieht man sich an, was passiert, sobald die Märkte nicht so reagieren wie zuvor gedacht.
Zuletzt fielen in vielen Bereichen die Kurse. Beim Gold passierte das ziemlich abrupt, Auslöser war der neue Notenbankchef, den die USA bekommen werden. Und die kreditgetriebenen Wetten auf den Goldpreis rund um die Welt. Die Technologieaktien rauschten diese Woche auch ab, als klar wurde: Die KI produziert nicht nur Gewinner, sondern bringt auch Softwareanbieter um ihr Geschäft. Der MSCI World knickte daraufhin auch etwas ein. Dann fiel auch noch der Bitcoin enorm. Er markiert nun einen neuen Tiefstand.
Zuvor hielten manche den Bitcoin für das neue Gold. Inzwischen ist Gold eher der neue Bitcoin. Beide legen absurde Kurssprünge hin und brechen dann wieder ein. Momentan befinden sich beide Anlagen im Abwärtsstrudel. Was also sollen ganz normale Privatanleger mit all diesen Entwicklungen nun anfangen?
Nachhaltige Geldanlage ist keine Spekulation
Vor allem eines: Sie sollten endlich wieder anfangen mit dem Investieren, statt weiter zu spekulieren. Beides haben nämlich zuletzt viele miteinander verwechselt: Börsianer, Anleger und sogar Indexfondssparer. All jene, die geglaubt haben, zehn Prozent Kursplus pro Jahr wären völlig normal und alle Anlageklassen, die das nicht erwirtschafteten, gehörten gar nicht erst ins Depot. Auch all jene, die zu 100 Prozent auf den MSCI World setzen und dachten, damit seien sie sicher. Und besonders jene, die ihr Depot trotz Weltindex breiter aufstellen wollten, ihm dafür aber die volle Ladung KI-Aktien beimischten, vielleicht noch einen Wasserstoff-ETF, auf jeden Fall noch Gold-Indexfonds und vielleicht ein paar Bitcoin.
Kurzum: All das ist keine ausgewogene Geldanlage im Sinne der guten Vermögensverwaltung. Es ist eher ein Hinterherhecheln von Trendthemen. Eine Ansammlung vom Klumpenrisiken, wenn man so will, denn es streut nicht das Risiko, sondern bündelt nur mehrere riskante Anlagen. Man erkennt es auch daran, dass Anleger solche Produkte nicht auswählen, um sie dauerhaft im Depot zu lassen. Sondern sie springen genau dann auf, wenn die Kurse vorübergehend Rekorde jagen – also schon viel zu hoch sind. Und sie steigen meist hektisch aus, wenn sich ihre großen Hoffnungen nicht erfüllen. Oder sich der Trend längst ins Negative gekehrt hat. Wenn die Finanzwissenschaft aber eines weiß, dann: Am Timing sollten sich Anleger gar nicht erst versuchen, denn es gelingt ihnen so gut wie nie. Profianlegern übrigens genauso selten, viele Fondsmanager können davon ein Lied singen.
Wie aber geht es besser? Das ist gar nicht so schwer. Zuerst einmal eine Klarstellung zum MSCI World: Er ist eine gute Anlage und taugt grundsätzlich als Basisanlage für fast jedes Depot. So ist es und so bleibt es. Anleger sollten aber wissen, dass sie damit lediglich auf Industrieländer setzen, davon augenblicklich zu 70 Prozent auf US-Aktien setzen und zu mehr als 30 Prozent auf Technologiewerte. Das kann man machen, aber wirklich ausgewogen ist es nicht, wenn der MSCI World der einzige ETF im Depot bleibt. Es ist daher gut, ab einer bestimmten Depotgröße (sagen wir ab 30.000 spätestens aber 50.000 Euro), noch andere Indexfonds beizumischen.
Was machen, wenn man nur in den MSCI World investiert hat?
Dazu muss man keine Anteile verkaufen. Man behält die jetzigen ETFs einfach, lenkt aber die neuen Sparraten in andere ETFs. Solange, bis ein Gegengewicht aufgebaut ist.
Europäische Aktien sind aktuell eine gute Idee in Form des MSCI Europe etwa, sie sind erstens recht unterbewertet im Vergleich zu amerikanischen. Zweitens decken sie mehr Branchen ab, so investiert man nicht noch stärker in Techwerte. Industriewerte, Lebensmittelhersteller, Luxusgüterkonzerne, Pharmafirmen, Banken und Versorger sind in den europäischen Indizes stark. Wer gern defensiver unterwegs ist, der sollte auch über Substanzaktien nachdenken, Value-ETFs bündeln solche Papiere, weltweit, europaweit oder in anderen Regionen. Oder man setzt auf kleinere Firmen über Mid- und Small-Cap-Indizes. Ihre Kurse reagieren häufig losgelöster von denen der Großkonzerne. Soweit der Aktienanteil. Wie groß er sein darf, hängt vom persönlichen Risikoempfinden ab. Als ausgewogene Mischung – mit den besten Aussichten auf Ertrag – empfehlen Anlageexperten und Finanzmarktforscher rund 60 Prozent Aktien. Gemessen am flüssigen Vermögen.
Unbedingt gehören aber auch Anleihen ins Depot, am besten in Form von Staatsanleihen kreditstarker Länder. Man kann sie ebenfalls als ETFs kaufen, auf den Bloomberg Euro Aggregate Bond Index etwa. Die Kurse der Anleihen-ETFs bewegen sich üblicherweise wenig und wachsen kaum. Den Ertrag machen die Anleger dabei über die Zinsausschüttungen, denn die Anleihen werfen jährlich Zinsen ab. Wer solche Anleihen-ETFs scheut, der kann auch über zwei andere Anlageformen mehr Sicherheit fürs eigene Vermögen schaffen: Auch Tagesgeld zählt zum sicheren Anteil, wirft aber derzeit wenig Zinsen ab. Zudem kann man auch Kapitallebens- und Rentenversicherungen zu diesem sicheren Teil zählen, weil sie weit überwiegend in Anleihen investieren. Als Faustregel gilt: Rund 40 Prozent können gut in Anleihen stecken. Wer mehr Risiko verträgt, wählt weniger.
Nicht zu viel in Gold
Wer dann noch will, kann natürlich auch Rohstoffe ins Depot packen – dafür am besten den Anleiheteil entsprechend reduzieren. Sogar ein Gold-ETF kann es sein, wenn man vorhat, ihn länger zu halten. Doch mehr als 10 Prozent des flüssigen Vermögens sollten eher nicht in Rohstoffe fließen, weil sie üblicherweise zu kleine Erträge abwerfen. Das gilt seit über 120 Jahren. Und warum sollten daran nun ausgerechnet die letzten paar Jahre grundsätzlich etwas ändern? Die jüngsten Ereignisse zeigen ja gerade, wie stark selbst das vermeintlich sichere Edelmetall schwanken kann, weil viele Spekulanten den Markt mittreiben.
Wer sein Geld wirklich derart breit streut, und Produkte wählt, denen er zutraut auch in 30 Jahren noch zu überzeugen – und sie auch genauso lange halten will – der kann von sich behaupten, dass er wirklich investiert. Und nicht bloß darauf spekuliert, dass der nächste Hype den Wert seines Depots schon heben wird.