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Das ändert sich bei der Steuererklärung

Die Regierung wird die alljährliche Steuererklärung vereinfachen. Außerdem wird es kleinere finanzielle Vorteile für manchen Steuerzahler geben. stern.de gibt einen Überblick über die wichtigsten Änderungen.

Wer kennt das nicht, das Grausen vor der alljährlichen Steuererklärung? Unendlich lange und komplizierte Formulare machen es dem gemeinen Steuerbürger ja auch nicht gerade einfach. Und oft verlangt das Finanzamt noch einen Berg an Nachweisen. Die Regierung hat jetzt reagiert und will das Prozedere zumindest in einigen Punkten vereinfachen. Und auch die Formulare sollen künftig computertauglich – und vor allem auch kürzer und verständlicher werden.

Nachdem Bundesrat und Bundestag das Steuervereinfachungsgesetz gebilligt haben, können die ersten Eckpunkte noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Der Plan, dass künftig nur noch alle zwei Jahre eine Steuererklärung fällig sein soll, ist aber vom Tisch. Die finanziellen Entlastungen für die Steuerzahler liegen bei etwa 590 Millionen Euro. Hier die wichtigsten Änderungen im Überblick:

Arbeitnehmer-Pauschbetrag: Der Arbeitnehmerpauschbetrag wird erhöht, mit dem Werbungskosten auch ohne Beleg von der Steuer abgesetzt werden können. Er steigt von 920 auf 1000 Euro pro Jahr. Weil die Arbeitgeber diese Änderung rückwirkend für das Jahr 2011 direkt bei der Gehaltsabrechnung für Dezember berücksichtigen, gibt es für viele also pünktlich zum Fest ein paar Euro mehr.

Kinderbetreuung

: Einfacher soll es auch für viele Familien mit Kindern werden. Bisher konnten Kinderbetreuungskosten entweder zu zwei Dritteln als Werbungskosten oder als Sonderausgaben abgesetzt werden - je nachdem, ob beide Elternteile arbeiten gingen. Künftig sollen die Betreuungskosten grundsätzlich Sonderausgaben sein, komplizierte Nachweise entfallen. Die "Anlage Kind" der Steuererklärung soll außerdem um eine Seite kürzer werden. "Für viele junge Familien wird diese Regelung zu Verbesserungen führen", sagte Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler im Gespräch mit stern.de.

Kindergeld: Eltern mit erwachsenen Kindern in Schul- oder Berufsausbildung sollen ab 2012 Kindergeld - oder die entsprechenden Freibeträge - unabhängig vom Einkommen der Kinder erhalten. Bisher wird das Kindergeld gestrichen, wenn das Kind mehr als 8004 Euro im Jahr verdient. Ganz unabhängig davon wird das Kindergeld aber auch weiterhin nur bis zur Vollendung des 25. Lebensjahrs gezahlt, bei Wehr- oder Zivildienstleistenden verlängert sich die Zahlung gegebenenfalls um die Zeitspanne, in der der Dienst absolviert wurde.

Pendlerpauschale

: Wer für den Weg zur Arbeit unterschiedliche Verkehrsmittel benutzt, muss bisher Tag für Tag nachweisen, wann er etwa Auto oder Bus gefahren ist. Künftig soll der Steuervorteil nicht mehr auf Tages-, sondern auf Jahresbasis errechnet werden. Dabei wird jahresbezogen überprüft, ob die Entfernungspauschale für den Steuerbürger günstiger ist oder die Berechnung der tatsächlich entstandenen Kosten. So soll ausuferndes Belegesammeln entfallen.

Abgeltungssteuer: Mit der Abgeltungsteuer werden Kapitalerträge von der Bank an den Fiskus gezahlt und sollen nicht mehr in der Steuererklärung auftauchen. Wer aber etwa außergewöhnliche Belastungen oder Spenden absetzen will, muss die Kapitalerträge bislang immer noch angeben. Dies entfällt künftig.

Veranlagungsarten

: Bisher können sich Ehepaare auf sieben verschiedene Arten zur Steuer veranlagen lassen. Künftig soll es nur noch vier Varianten geben. Das wären dann die Standardfälle der Zusammen- und Getrenntveranlagung sowie zwei Spezialfälle nach dem Tod eines Ehegatten und für getrennte, aber noch nicht geschiedene Ehepaare.

Gebühren

: Bisher waren für eine verbindliche Auskunft zu Steuerfragen - also eine schriftliche und einklagbare Information des Finanzamts - teils hohe Gebühren fällig. Künftig sollen bei allen Anfragen, bei denen es um einen Wert von weniger als 10.000 Euro geht, keine Gebühren mehr erhoben werden.

Elektronische Kommunikation

: Bis 2013 soll jeder Steuerzahler eine vorausgefüllte Steuererklärung im Internet abrufen und dann bearbeiten können. Insgesamt sollen die Formulare für die Steuererklärung verständlicher werden. Der Vereinfachung dient auch 2012 die Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte.

AFP/tav/AFP

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