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Studie: Mittelschicht droht Verarmung

Der deutschen Mittelschicht droht ein deutlicher Wohlstandsverlust. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie einer Unternehmensberatung. Doch mit einigen Maßnahmen können Politik und Unternehmen diese Entwicklung noch abwenden.

Ohne gewaltige wirtschaftliche und soziale Anstrengungen droht der Mittelschicht in Deutschland nach Einschätzung der Unternehmensberatung McKinsey ein empfindlicher Wohlstandsverlust. Sollte das Wirtschaftswachstum nicht über die derzeit prognostizierten 1,7 Prozent hinausreichen, würden bis 2020 zehn Millionen Menschen weniger zur Mitte zählen als noch Anfang der 90er Jahre, meldete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf die McKinsey-Studie "Deutschland 2020". Weniger als die Hälfte der Deutschen bezögen dann ein Einkommen im mittleren Bereich - derzeit seien es 54 Prozent.

Zur Einkommensmittelschicht gehören nach dieser Definition alle, die 70 bis 150 Prozent des Durchschnittseinkommens verdienen. 2006 entsprach dies einem Jahreseinkommen von 25.000 Euro. Um wieder in die Riege der erfolgreichsten Länder aufzusteigen, müsste Deutschland nach Einschätzung der McKinsey-Berater ein Wachstum von jährlich drei Prozent erreichen. In einem solchen Szenario könnte sich den Berechnungen zufolge das mittlere Einkommen in Deutschland gegenüber dem Jahr 2006 um über 40 Prozent auf rund 36.000 Euro erhöhen.

Unternehmen sollen Trends nutzen

Die Unternehmensberater fordern zur Stärkung des Wirtschaftswachstums einen "Paradigmenwechsel" - "weg von Investitionen in bestehende Strukturen hin zu Wachstum durch Innovation", wie es in der Studie heißt. Unternehmen müssten die Chancen aus weltwirtschaftlichen Trends nutzen. Gleichzeitig seien bessere Rahmenbedingungen notwendig: etwa eine Stärkung des Unternehmertums, ein verbesserter Zugang zum Kapitalmarkt, Strukturreformen an den Universitäten, ein Schließen von Qualifikationslücken am Arbeitsmarkt und die Sicherung von Chancengleichheit in der Bildung sowie gezielte Investitionen in die Infrastruktur.

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte jüngst Alarm geschlagen. Die Mitte verliert und die Extreme entfernen sich weiter voneinander, hieß es in einer Anfang März veröffentlichten Studie. Während der Anteil der Bezieher mittlerer Einkommen bis 2000 acht Jahre lang stabil bei 62 Prozent der Bevölkerung lag, sackte er bis 2006 auf 54 Prozent ab, errechneten auch die Wirtschaftsforscher. Das entspreche einem Rückgang von 49 Millionen auf 44 Millionen Personen.

DPA / DPA