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T-Online: Von Telekom-Angebot abgeraten

Das Angebot der Telekom an die Aktionäre von T-Online von 8,99 Euro je Anteilsschein ist aus Sicht von Aktionärsschützern unzureichend. Meist verlieren diejenigen Geld, die das erste Angebot annehmen.

Das am Wochenende verkündete Angebot von 8,99 Euro je Aktie sei "ein neuer Schlag gegen die Aktienkultur in Deutschland", meinte am Montag Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Die Sdk und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) empfahlen den T-Online-Aktionären übereinstimmend, das Angebot der Telekom nicht übereilt zu akzeptieren. "Meine Erfahrung ist, dass meist diejenigen Aktionäre Geld verloren haben, die das erste Angebot angenommen haben. Dies ist ein Angebot und ein weiteres - ob in Aktien oder Geld - wird kommen", sagte der DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker im ZDF-Morgenmagazin.

In Ruhe abwarten

Auch Frau Keitel meinte, die T-Online-Aktionäre könnten in Ruhe abwarten, welches Umtauschverhältnis die Telekom letztlich wirklich anbiete. Und danach bleibe noch die Möglichkeit, diese Offerte gerichtlich auf ihre Angemessenheit überprüfen zu lassen. Wer jetzt auf das Telekom-Angebot eingehe, könne nicht mehr von späteren Nachbesserungen profitieren. Tatsächlich stieg die T-Online-Aktie bereits am Montagvormittag über den von der Telekom angebotenen Kurs und wurde für 9,10 Euro gehandelt. Die Telekom-Aktie büßte dagegen leicht an Wert ein.

Aktionärsschützer Hocker appellierte an die Telekom, man solle "die Aktionäre nicht so schofel abfinden." Er habe "ein unangenehmes Gefühl, dass gerade die große Telekom hier die Aktionäre ihrer Tochter T-Online schlecht behandelt." Frau Keitel sagte: "So kann man mit Aktionären nicht umgehen." Die Anleger seien mit dem Versprechen langfristiger Perspektiven gelockt worden, und sollten nun für ein Drittel des Ausgabepreises die Aktien zurückgeben. Sie finde eine gewisse Prämie auf den aktuellen Börsenkurs angemessen, meinte Frau Keitel. "So gewinnt man keine Aktionäre in Deutschland."

20,4 Prozent der Aktien im Streubesitz

Die Deutsche Telekom hatte am Wochenende angekündigt, ihre Internet-Tochter nach nur vier Jahren wieder von der Börse nehmen zu wollen. Die Aktionäre von T-Online sollen im Tausch Telekom-Aktien erhalten. Alternativ bietet die Telekom den T-Online-Anteilseignern an, Aktien zum Kurs von 8,99 Euro zurückzukaufen.

Über eine Wiedervereinigung von T-Online mit der Muttergesellschaft Telekom war schon seit Wochen spekuliert worden, nachdem Ricke die Zuständigkeiten für Festnetz- und Online-Geschäft im Telekom-Vorstand gebündelt hatte. Die Telekom besitzt derzeit fast 74 Prozent der T-Online-Aktien. 5,7 Prozent hält der französische Luftfahrt- und Medienkonzern Lagardere, 20,4 Prozent sind im Streubesitz.

Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke erklärte, das Geschäftsmodell des alleinigen Internet-Anbieters habe sich überlebt. Künftig will die Telekom auch ihr Internet-Angebot unter dem Bereich Breitband/Festnetz (T-Com) zusammenfassen, um die "immensen Wachstumspotenziale" in diesem Sektor besser zu nutzen. Ziel sei, die Zahl der schnellen Internetzugänge per DSL-Technik bis 2007 von fünf auf zehn Millionen zu verdoppeln. (AP)