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Tabakpreise: Schock für Raucher

Durch die höhere Tabaksteuer werden etliche Zigarettenmarken teurer, beim Tabakmulti Reemtsma sogar um 40 Cent. Besonders bitter: Es trifft auch bisher preisgünstige Marken.

Am 1. Dezember ist es soweit: Trotz heftiger Proteste der Zigarettenindustrie dreht der Finanzminister weiter an der Tabaksteuer. Wie bereits zum 1. März 2004 und dann wieder zum 1. September 2005 wird die preisliche Daumenschraube um 1,2 Cent angezogen. Die Regierung will dadurch drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Es wird erwartet, dass die hohen Zigarettenpreise aus vielen Rauchern Nichtraucher machen; Finanzminister Eichel braucht jeden Cent und Sozialministerin Ulla Schmid hofft verzweifelt, durch die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung die Kassenbeiträge weiter senken zu können.

Diese an sich fast moderate Steuererhöhung nutzt die Tabakindustrie dazu, ihre Preise deftig nach oben zu korrigieren. Bei Tabakmulti Reemtsma trifft das die Markenfamilie "West", die "Peter Stuyvesant" und "R1". Eine Schachtel "West" mit 19 Zigaretten kostet demnächst 3,80 Euro. Für die Marke "John Player Special" wird die Preiserhöhung mit 30 Cent je Schachtel geringer ausfallen, so dass sich ein Endverbraucher-Preis von 3,50 Euro ergibt, teilte ein Reemtsma-Sprecher in Hamburg mit. Auch die vorwiegend in Ostdeutschland vertriebene "Cabinet" verteuert sich nur um 30 Cent auf 3,60 Euro je Schachtel. Rund drei Viertel der Preiserhöhung ist auf die höheren Steuern zurückzuführen, seit dem Herbst 2000 sind die Steuern für eine Schachtel Zigaretten um 59 Prozent von 1,82 auf 2,90 Euro gestiegen. Dagegen hat sich der Anteil von Herstellern und Handel lediglich um elf Prozent von 81 Cent auf 90 Cent erhöht.

Allerdings sind die einkalkulierten Mehreinnahmen für den Bundeshaushalt bisher ausgeblieben, weil weniger versteuerte Zigaretten verkauft wurden. Zudem bezweifeln Experten, dass die zur Stützung des Gesundheitssystems vorgesehenen Summen von einer Milliarde Euro im Jahr 2004, 2,5 Milliarden 2005 und 4,2 Milliarden Euro 2006 auch nur annähernd durch diese Steuereinnahmen zustande kommen. Andererseits sieht die Bundesregierung in der Absatzverringerung einen gesundheitspolitischen Erfolg und führt ihn auf weniger Raucher zurück. Die Zigarettenindustrie erklärt dagegen, die Raucher seien lediglich auf legale und illegale Importe sowie billigere Produkte wie Drehtabak ausgewichen.

In Großbritannien, wo die Schachtel Zigaretten wegen drastischer Steuererhöhungen mittlerweile sieben Euro und mehr kostet, wurde parallel zur Preisanhebung der Schmuggel ein immer ernsteres Problem. Der britische Zoll stellt Jahr für Jahr über einer Milliarde geschmuggelter Glimmstängel sicher. Auch nach deutschen Zollangaben geht den Beamten nur ein Bruchteil der illegal ins Land geschleusten Zigaretten ins Netz. spi