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Verbraucher: Deutsche beschäftigen sich nicht gern mit Geld

Die meisten Bundesbürger haben Hemmungen sich mit dem Thema Geld zu befassen - auch, weil ihm ein negatives Image anhaftet. Vor allem junge Leute oder Hausfrauen verlassen sich in Finanzfragen zu sehr auf andere.

Die meisten Bundesbürger haben erhebliche Hemmungen sich mit dem Thema Geld zu befassen. Das ist eines der Ergebnisse einer am Donnerstag in Hamburg vorgestellten Commerzbank-Studie des Instituts Sinus Sociovision. Tabuisierung des Geldes und andere psychische Hemmschwellen sorgen demnach dafür, dass die Bevölkerung sich aus Sicht der Bank zu wenig für die eigenen Finanzen interessiert. Geldthemen hafte ein negatives Image an und: Vor allem junge Leute oder Hausfrauen verlassen sich in Finanzfragen zu sehr auf andere.

Es gibt acht verschiedene Geld-Typen

Weil die Beschäftigung mit privater Vorsorge immer wichtiger wird, sind diese Hemmschwellen "für den Einzelnen eine mittlere Katastrophe", erklärte der Mainzer Soziologe Stefan Hradil. Wer sich nicht um seine Finanzen kümmert, hat "ein erheblich größeres Risiko des sozialen Abstiegs als vor 20 Jahren", betonte er. Die qualitative Studie auf Basis von 50 Einzelinterviews ergab die Unterteilung der Bevölkerung in acht verschiedene "Geld-Typen": Vom 'Resignierten', der abwehrend und frustriert auf Finanzthemen reagiert, bis zum 'Ambitionierten', für den Geld einen zentralen Stellenwert einnimmt und ein Mittel zur Selbstbestätigung ist.

Welcher Geld-Typ sind Sie?

"Jede dieser Gruppen steht für Millionen Menschen", ist Hradil sicher. "Außer den 'Ambitionierten' und 'Souveränen' haben alle ermittelten Typen erhebliche Probleme mit dem Thema Geld." Ziel müsse deshalb sein, das Thema Finanzen aus dem gesellschaftlichen Schattendasein herauszuführen. "Es muss in Zukunft zum selbstverständlichen Bestandteil der Alltagskultur werden, über Geld zu reden - auch über das eigene."

Häufige Einstellung: "Über Geld spricht man nicht"

In den Interviews hatten die Befragten unter anderem angeben, ihre persönlichen Finanzen seien Teil der Intimsphäre und sollten deshalb nicht thematisiert werden. Menschen, die ihr Leben nach Geld ausrichten, gelten der Studie zufolge als oberflächlich, zudem gibt es offenbar ein erhebliches Misstrauen gegenüber Finanzexperten. Vielen Menschen, die nicht gern über Finanzielles reden, fürchten außerdem die angebliche Komplexität des Themas.

Weitere Typen, die in der Studie festgestellt wurden, sind der 'Sorglose', für den Geld nur zum Ausgeben da ist, der 'Delegierer', der die Verantwortung an andere abgibt, der 'Pragmatiker', für den Geld nur Mittel zum Zweck ist, der 'Bescheidene' mit einer klassischen Sparermentalität, der gut informierte 'Sicherheitsorientierte' und der sehr aktive und aufgeklärte 'Souveräne'.

DPA
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