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Verbraucher-Insolvenz: Immer mehr Menschen in der Schuldenfalle

Erstmals wird es in diesem Jahr wohl mehr Verbraucher- als Unternehmenspleiten geben. Vor allem Jugendliche, die den vielen Verlockungen nicht widerstehen können, verschulden sich enorm.

Immer mehr Verbraucher geraten in die Schuldenfalle. Der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) rechnet in diesem Jahr mit deutlich mehr als 40.000 Verbraucherinsolvenzen, die in gerichtlichen Verfahren geregelt werden müssen. Nach 33.609 Fällen in 2003 zeichne sich ein Rekord ab, teilte der Verband mit. "Jetzt werden erstmals mehr Menschen in die Verbraucherinsolvenz gehen, als es gleichzeitig Unternehmenspleiten gibt." Bei den Firmenpleiten erwartet der Verband eine Trendwende.

Von Überschuldung sind laut BDIU rund 2,8 Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Auch immer mehr Jugendliche, die den Verlockungen nach neuer Bekleidung, Handys und Freizeitvergnügen nicht widerstehen, stünden in der Kreide - zunächst bei Freunden und Verwandten, dann bei Banken und Kreditinstituten. Zwölf Prozent der 13- bis 24-Jährigen haben demnach Schulden von durchschnittlich 1800 Euro. Oft liefere das Elternhaus ein schlechtes Vorbild für die Kinder. "Das Nicht-Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge ist eine wesentliche Ursache für den Weg in eine Verschuldung", sagte BDIU- Sprecherin Marion Kremer. Der Verband fordert daher, den Umgang mit Geld und Schulden in die Lehrpläne der Schulen zu integrieren.

Frühes Gespräch mit dem Gläubiger

In Überschuldung und Arbeitslosigkeit sieht das Gros der 495 BDIU- Mitgliedsfirmen die Gründe, warum private Schuldner Rechnungen nicht begleichen. Sie sollten möglichst früh das Gespräch mit dem Gläubiger suchen, um außergerichtlich zu einer Einigung zu kommen, empfahl Jender. Seit Einführung der Verbraucherinsolvenz 1999 habe sich die Zahl der Verfahren mehr als verzehnfacht. Dabei wird im Rahmen einer sechsjährigen Wohlverhaltensperiode das pfändbare Einkommen nach einem Entschuldungsplan auf die Gläubiger verteilt. Danach ist der Schuldner schuldenfrei. Der BDIU schätzt, dass weniger als 5,0 Prozent der Forderungen dabei bedient werden.

Bei den Firmen und Betrieben rechnet der Verband in 2004 mit 37 800 Insolvenzen, etwa 4,0 Prozent weniger als im Vorjahr. Dennoch könne keine Entwarnung gegeben werden, sagte Verbandspräsident Stephan Jender. Die seit Herbst 2003 rückläufige Entwicklung hänge "am seidenen Faden der Konjunktur". Nun seien auch lange noch erfolgreiche Unternehmen von Insolvenz bedroht.

Schlechte Zahlungsmoral

Rund 590.000 Arbeitsplätze sieht der Verband durch die Pleiten gefährdet und schätzt den volkswirtschaftlichen Schaden auf rund 40 Milliarden Euro. Vor allem die schlechte Zahlungsmoral der Kunden mache den Unternehmen zu schaffen. Mehr als ein Fünftel aller Unternehmensinsolvenzen wird laut BDIU auf die konjunkturell besonders gebeutelte Baubranche entfallen. Sie bekommt überdies die schlechter gewordene Zahlungsmoral der gegen leere Kassen kämpfenden Städte und Gemeinden zu spüren. Der BDUI-Präsident forderte die selbst auch unter schleppendem Zahlungseingang leidende öffentliche Hand auf, das Forderungsmanagement auf Dienstleister auszulagern.

DPA / DPA