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Rekordmarke: Studenten-Schulden - wie 1500 Milliarden Dollar eine Generation erdrücken

In den USA finanzieren immer mehr junge Menschen ihr Studium mit einem Kredit. Wer nach dem Abschluss kein Spitzengehalt bezieht, landet in einer Schuldenfalle und muss bis zum Lebensende abzahlen.

Der Lohn der Uni-Mühen sind häufig lebenslange Schulden

Der Lohn der Uni-Mühen sind häufig lebenslange Schulden.

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Akademiker erzielen hohe Gehälter am Arbeitsmarkt und sind kaum arbeitslos. Was spricht also dagegen, das Studium mit einem Kredit zu finanzieren, den man später mit seinem Top-Gehalt locker abbezahlen kann? 

So in etwa lauteten die Versprechen, die junge US-Bürger zum Studium auf Pump überredet haben. Seit den 90er-Jahren finanzieren immer mehr Studenten ihre Ausbildung per Kredit. Inzwischen weiß man aber, dass die Sache mit dem mühelosen Abbezahlen häufig nicht so klappt, wie sie es geplant haben.

Neuer Negativ-Rekord

In diesem Monat hat die Verschuldung der US-Studenten beinahe die magische Grenze von 1,5 Billionen US-Dollar erreicht. Das sind 1500 Milliarden oder 1500.000 Millionen. Eine gigantische Summe. In der Schuldenstatistik der USA stehen die Studenten-Schulden nun an zweiter Stelle nach Immobilienhypotheken und den Ausständen in den Bereichen Auto und Kreditkarte. Doch bei den Hypotheken stehen den Schulden reale Werte gegenüber. 

Mit 1,5 Billionen Schulden steckt eine ganze Generation in der Falle. Die Gründe sind vielfältig. Zunächst sind die Ausbildungskosten geradezu explodiert, während der Arbeitsmarkt seit 2008 eher angespannt ist. Hinzu kommt, dass häufig Studiengänge finanziert werden, die nicht unbedingt ein gutes Einkommen garantieren.

Schulden wachsen unaufhörlich

Kommen noch persönliche Probleme während oder nach dem Studium hinzu, werden die Ex-Studenten von der Schuldenlast schnell erdrückt. Denn wer mit Zahlungen in Verzug gerät, wird wie bei einem Kredithai ausgepresst. "Die Höhe dieser Kredite kann sich verdoppeln, verdreifachen, sogar vervierfachen. Das passiert die ganze Zeit", sagte Persis Yu, Direktor des Student Loan Borrower Assistance Project am National Consumer Law Center dem TV Sender NBC

Dafür sorgen eigentlich gut gemeinte Regeln. Um staatliche Unterstützung zu erhalten, müssen die Universitäten für gutes Zahlungsverhalten ihrer Studenten nach dem Abschluss sorgen. Haben diese Schwierigkeiten, wird angeraten, die Rückzahlung einfach offiziell aufzuschieben.

Für die Uni ist das Problem damit gelöst, für die Studenten fangen die Sorgen allerdings erst richtig an. Sie bekommen zwar ein paar Jahre Luft, danach müssten sie aber noch weit mehr zurückzahlen.

Niedrige Gehälter

Debbie Baker nahm einen Kredit über 35.000 Dollar auf, um Musiklehrer zu werden. In den USA ein schlecht bezahlter Beruf. "Ich machte den Abschluss und bekam eine Rechnung über monatlich 500 Dollar, aber ich verdiente nur 27.000 Dollar im Jahr", sagte Baker dem Sender. Also fror sie ihre Zahlungen drei Jahre lang ein. Das war eine unüberlegte Entscheidung, denn ihr Gehalt war auch drei Jahre später nicht gestiegen. Doch nun sollte sie 700 Dollar im Monat zurückzahlen. Geld, das sie nun genauso wenig hatte, wie die 500 Dollar zuvor. 

Ein unstetes Arbeitsleben ruiniert jeden Rückzahlungsplan. Wird zwei, drei Jahre nicht getilgt, schwillt die Summe enorm an. Obwohl diese Ex-Studenten in jeder Arbeitsphase das Möglichste zurückzahlen, wächst ihre Schuld unaufhörlich. Rick Tallini ist inzwischen über 60. Seine ursprüngliche Schuldenlast von 55.000 Dollar hat inzwischen die 300.000-Dollar-Marke geknackt. Schon vor Jahren hatte er den Punkt erreicht, an dem klar war, dass er seine Schulden nie wird zurückzahlen können.

Lebenslang Wohngemeinschaft 

Doch auch über junge Menschen legt sich die Schuldenlast wie ein Schatten über ihre Lebensplanung. Rebecca Wills ist erst 28 und hat bereits über 30.000 Dollar seit ihrem Abschluss zurückgezahlt. Um das zu erreichen, konnte sie sich selbst kaum etwas leisten, geschweige denn Rücklagen bilden, sagte sie der "New York Times". Der Traum von einem eigenen Haus wird für die meisten Ex-Studenten ihrer Generation nicht in Erfüllung gehen, fürchtet die "New York Times". Die Eigentumsquote junger Amerikaner geht kontinuierlich zurück. Angesichts von 1500 Milliarden Dollar Uni-Schulden wird sich das auch kaum ändern. Der Schuldendruck der Jungen hat inzwischen in breiter Front sogar Senioren erreicht, die einst für die Schulden junger Verwandter gebürgt hatten. 

Lesen Sie hierzu: "Verbraucherschützer in den USA sind alarmiert: Immer mehr Senioren werden von Studienkrediten erdrückt"

An Menschen wie Adrienne Naylor erkennt man die Ausweglosigkeit, in der sich die Generation befindet. Naylor hat sich – etwas blauäugig – für ein Geschichtsstudium entschieden. Danach machte sie einen Master mit dem Schwerpunkt Archiv- und Aktenmanagement. Mit 34 hat sie nun 300.000 Dollar Schulden angesammelt. Die erträumte Stelle als Archivarin hat sie nie bekommen. Nach dem Studium musste sie sich durchschlagen. Nun arbeitet sie zumindest an einer Universität. Aber mit ihrem Gehalt und 300.000 Dollar Schulden kann sie sich nur ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft leisten. Und obwohl sie ständig Geld überweist, wird ihre Schuldenlast weiter wachsen. Naylors Freundin arbeitet an einer Vorschule. Von einer gemeinsamen Eigentumswohnung können sie nur träumen. Die Aussichten des Paares sieht Naylor illusionslos so: "Auch sie wird immer arm bleiben."

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