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Verbraucher: Lockangebote oft zu früh vergriffen

Der CD-Player für traumhafte 33,33 Euro oder ein Flug nach Mailand zum Nulltarif: Nicht selten müssen enttäuschte Kunden feststellen, dass die Angebote viel zu schnell vergriffen oder gar nicht verfügbar sind.

In Zeiten lahmer Konjunktur und klammer Geldbeutel locken Discounter, Möbelhäuser und sogar Billig-Airlines immer aggressiver mit Angeboten zu Tiefstpreisen. Doch nicht selten müssen enttäuschte Kunden feststellen, dass die Angebote viel zu schnell vergriffen oder gar nicht verfügbar sind.

Fälle bei Discountern häufen sich

"Die Lockvogelangebote sind ein Riesenproblem insbesondere bei Discountern im Nonfood-Bereich", betont Carel Mohn vom Bundesverband der Verbraucherschutzzentralen. Das Kalkül der Händler laute: Ist der Kunde erst mal im Laden, wird er statt dem nicht verfügbaren Angebot etwas anders kaufen. Zur Zeit droht dem Discounter Plus ein "spürbares Ordnungsgeld". Die zur Tengelmanngruppe gehörende Supermarktkette, die ihre Kunden mit "Billig will ich" in die Läden lockt, hatte im Juli bei mehr als 1.000 Artikeln mit Rabatten von bis zu 50 Prozent geworben. Die Waren waren aber vielfach schon unmittelbar nach der Öffnung der Geschäfte vergriffen.

Nach Ansicht der Verbraucherschützer hatte Plus damit erneut gegen ein Urteil der Oberlandesgerichts Düsseldorf von vor zwei Jahren verstoßen. "Sollte das Gericht nun ein Zwangsgeld verhängen, sehen wir das als Signal, auch gegen andere vorgehen zu können", betont Verbandssprecher Mohn. "Wir haben alle im Visier."

300 Verfahren jählich

Jedes Jahr gebe es rund 300 Verfahren wegen Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht. Doch angesichts von Millionen von Werbevorgängen sei das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. "Letztlich müssen wir immer wieder erkennen, dass die Ahndung von Verstößen die Unternehmen kaum schmerzt", räumt Mohn ein. Das im Juli dieses Jahres in Kraft getretene neue Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) schreibt Händlern vor, Sonderangebote mindestens zwei Tage verfügbar zu halten. Ist das Produkt nicht mehr im Laden zu kaufen, muss der Kunde es nachbestellen können.

"Wir kalkulieren unsere Sonderangebote auf Grundlage von Verkaufszahlen sehr genau und gewissenhaft", betont ein Sprecher des Rewe-Konzerns, zu dem auch bundesweit rund 2.000 Penny-Filialen gehören. Wenn ein Produkt ausverkauft sei, werde immer eine Lösung auf dem Kulanzweg gesucht. Auch nach Einschätzung des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) bevorraten sich die Discounter mittlerweile besser, so dass Angebote mehrere Tage zur Verfügung stehen oder nachbestellt werden können. "Den billigen Aldi-Computer, der nach eine Stunde ausverkauft ist, gibt es eigentlich nicht mehr", sagt Sprecher Hubertus Pellengahr.

Ärger für Ikea

Ärger bekam auch die schwedische Möbelkette Ikea, als sie vor einigen Wochen in Deutschland mit einer breitangelegten Werbekampagne ankündigte, vor allem Küchen- und Schlafzimmermöbel billiger zu verkaufen. Der Verband der Möbelindustrie warf dem mit 33 Filialen in Deutschland umsatzstärksten Möbelhaus Täuschung vor. Im neuen Katalog seien über 100 Artikel teurer angeboten wurden. Verbraucherschützer stellten fest, dass beispielsweise der Ikea-Klassiker, das Regal "Billy", für 49 statt wie vorher für 46 Euro angeboten wurde.

"Wir wollten keine Augenwischerei betreiben", weist ein Sprecher von Ikea-Deutschland die Vorwürfe zurück. Die Preise seien im Wert von insgesamt 130 Millionen Euro gesenkt worden, aber "wir haben nie behauptet, dass alles billiger wird".

Auch Billigflieger öfter im Visir

Mit Tickets zum Nulltarif wirbt gegenwärtig der irische Billigflieger Ryanair. Konkurrenten wie Air Berlin oder Easyjet halten der Fluglinie allerdings vor, dass sie es mit der Zahl der Freiflüge nicht so genau nehme. Verbraucherschützer kritisieren immer wieder, die Werbeaktionen der Billig-Airlines sollen die Kunden auf die Webseiten locken. Die Gratis-Flüge seien aber meist zu schnell ausgebucht, da nur ein sehr geringes Kontingent zur Verfügung stehe.

Maren Martell, dpa / DPA