HOME

Billigflüge: EU will Ticket-Trickserei stoppen

Brüssel will gegen irreführende Preise für Flugtickets vorgehen und so den Kunden Vergleiche erleichtern. Der Preis für ein Flugticket soll künftig alle Steuern, Gebühren und sonstige Nebenkosten umfassen.

Fluggesellschaften sollen in der Europäischen Union künftig nicht mehr mit irreführenden Lockangeboten werben dürfen. Die EU-Kommission hat in Brüssel neue Regeln für mehr Preistransparenz vorgeschlagen. Danach werden die Fluggesellschaften verpflichtet, in ihrer Werbung die vollen Endpreise einschließlich aller Steuern, Gebühren und Zuschläge zu nennen. "Die Bürger müssen Flugpreise leicht vergleichen können", verlangte Verkehrskommissar Jacques Barrot. Verboten werden sollen zudem Preisunterschiede, die sich lediglich durch den Wohnsitz des Fluggastes ergeben.

Aufschläge zu intransparent

Vor allem Billigflieger werben oftmals mit einem äußerst günstigen Nettopreis, hinzu kommen danach aber zahlreiche Aufschläge - beispielsweise der Kerosinzuschlag auf Grund der hohen Ölpreise -, die den Ticketendpreis um ein Vielfaches verteuern. Verboten werden soll auch die Praxis mancher Fluggesellschaften, Passagieren je nach Wohnsitz in der EU unterschiedliche Preise für den gleichen Flug zu berechnen. Das Europäische Parlament und die EU-Staaten im Ministerrat müssen dem Kommissionsvorschlag noch zustimmen, damit die Verordnung in Kraft treten kann.

Sind Sie schon einmal auf ein Ticket-Lockangebot hereingefallen?

Die neuen Vorschläge gehen über bereits beschlossene Regeln zur Preistransparenz hinaus. Im Dezember kommenden Jahres tritt eine EU-Richtlinie in Kraft, wonach auch Steuern in jedem Fall in Preisen eingeschlossen sein müssen. Barrot schlug nun vor, auch alle anderen Gebühren einzurechnen.

Der Verband der Fluggesellschaften BARIG (Board of Airline Representatives in Germany) begrüßte den Vorstoß. In Deutschland sei die Informationspolitik der Fluglinien allerdings unproblematisch, da Einrichtungen wie die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs den Anbietern auf die Finger schauen würden, betonte Generalsekretär Martin Gaebges in Frankfurt. Der Verbraucher solle wissen, dass er zum Beispiel in Frankreich seit dem 1. Juli einen Zuschlag bezahlen muss, der für Entwicklungshilfe verwendet wird und nicht den Airlines zu Gute kommt.

Viele Tricks bei Billigfliegern

Nach Darstellung von Branchenbeobachtern in London zielt der Vorschlag vor allem auf Ryanair und Easyjet, die Nummer eins und Nummer zwei auf dem europäischen Billigfliegermarkt. Ryanair sorgte auf dem britischen Markt beispielsweise mit Angeboten von 99 Pence für Schlagzeilen. Die Airline hieß den EU-Vorschlag jedoch willkommen. Eine Ryanair-Sprecherin erklärte, eine Vereinheitlichung wäre positiv. In Deutschland sei bereits vorgeschrieben, dass die Gebühren und Steuern in der Werbung enthalten sein müssen. "Unsere Kunden erhalten bereits eine detaillierte Auflistung von Steuern, Gebühren und sonstigen Nebenkosten, bevor sie buchen."

Eine Probebuchung der Nachrichtenagentur am Dienstag zeigte jedoch, dass ein ursprünglich für einen Penny (1,45 Cent) angebotener Flug von London nach Berlin am 20. September am Ende einschließlich Steuern, Gebühren, Kreditkartengebühr und Gepäckzuschlag für eine Tasche 20,04 Pfund (rund 30 Euro) kostete. Kommissionsexperten sagten, eine Ryanair-Anzeige für vier Millionen Sitze für 19 Pence ohne Steuern und Gebühren wäre nach den neuen Regeln nicht zulässig.

Nebenkosten sollten aufgelistet werden

Die Lufthansa erklärte: "Wir kommunizieren stets die Endpreise." Auch würden Kunden seit einigen Jahren unabhängig von ihrem Wohnsitz innerhalb der EU bei paralleler Buchung für den gleichen Flug auch den gleichen Preis bezahlen. Allerdings weisen Branchenkenner darauf hin, dass die Lufthansa bei ihren Preisen zusätzlich eine Vertriebsgebühr erhebt. So wirbt die Lufthansa im Internet mit Flugpreisen, in denen Steuern und Zuschläge bereits eingerechnet sind. Doch während der Buchung wird noch eine Ticket-Gebühr von mindestens zehn Euro aufgeschlagen. Aus dem beworbenen 99-Euro-Ticket wird dann bei der LUfthansa ein 109-Euro-Ticket.

Die Zahl der Flugverbindungen innerhalb der erweiterten EU hat sich nach Kommissionsangaben binnen 15 Jahren mehr als verdoppelt: 1992 habe sie bei 692 gelegen, inzwischen seien es mehr als 1500. Immer mehr Strecken würden zudem von mehr als zwei Gesellschaften bedient: Ihre Zahl habe im Jahr 2004 bei knapp 550 gelegen. Die Zahl der Fluggesellschaften stieg laut Kommission seit 1990 um 25 Prozent, was vor allem auf neue Billigairlines zurückzuführen sei. Die zehn größten Anbieter in diesem Sektor hätten 2005 fast 90 Millionen Fluggäste befördert. Das größte Angebot von Billigairlines hatten demnach im vergangenen Jahr Großbritannien und Irland mit mehr als 40 Prozent aller angebotenen Sitze. Deutschland lag mit rund 22 Prozent etwas unter dem EU-Durchschnitt, der bei 24 Prozent lag.

Bürger sollen "Nutzwert" der EU erkennen

Der Europa-Abgeordnete Udo Bullmann (SPD) lobte den Vorschlag der Kommission für mehr Preistransparenz bei Flugtickets. "Der Preis aus der Werbung stimmt oftmals nicht mit dem Preis überein, der tatsächlich gezahlt werden muss." Bullmann: "Mit dieser Augenwischerei ist nun hoffentlich bald Schluss." EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot bezeichnete die Öffnung des Luftfahrtmarktes in Europa als Erfolgsgeschichte: "Die Bürger genießen mehr Reisemöglichkeiten und niedrigere Tarife als je zuvor." Seit der völligen Liberalisierung im Jahr 1997 sei die Zahl der angebotenen Verbindungen um 60 Prozent gestiegen. Die Kommission wolle diese Entwicklung absichern, indem sie für einen fairen Wettbewerb der Airlines sorge.

Der Vorstoß ist ein weiterer Versuch der Kommission, den Bürgern den Nutzwert der EU deutlich zu machen. Erst kürzlich hatte die Kommission Pläne für eine Begrenzung der Aufschläge für Handy-Gespräche im Ausland beschlossen. Sie geht zudem gegen angeblich zu hohe Gebühren der großen Kreditkartenanbieter vor. Die Kommission will außerdem einheitliche Regeln für die Vergabe von Lizenzen an Fluglinien durchsetzen. Erleichtert werden soll das Leasen von Flugzeugen aus anderen EU-Staaten. Erschweren will die Kommission dagegen das Leasen von Maschinen aus Ländern, die nicht der Union angehören. Dies soll besonders dann gelten, wenn die Flugzeuge einschließlich Mannschaft geleast werden.

DPA/Reuters / DPA / Reuters

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.