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Low-Fare-Report: Welche Fluglinie deutschlandweit am billigsten fliegt

Seit Jahren stänkern deutsche Billigflieger gegen die Bahn an und versuchen Passagiere von den Schienen in die Lüfte zu locken. Doch was ein Flugticket am Ende wirklich kostet, lässt sich häufig erst im letzten Moment erkennen - und unterscheidet sich massiv von Fluglinie zu Fluglinie, wie eine neue Studie nun belegt.

Von Claudia Pientka

Mehrere Fluggesellschaften konkurrieren auf dem innerdeutschen Markt um die Passagiere - und das nicht nur untereinander, sondern auch mit der Bahn

Mehrere Fluggesellschaften konkurrieren auf dem innerdeutschen Markt um die Passagiere - und das nicht nur untereinander, sondern auch mit der Bahn

Super-Sonderangebote für 99 Cent, europaweite Flüge für 19 Euro, Hamburg-Dresden und zurück für schlappe 99 Euro - wer kennt sie nicht, die Lockangebote der Fluggesellschaften. Doch leider entpuppen sich die Offerten oft nach kurzer Internetrecherche als Seifenblasen, die klickweise zerplatzen. Erst bei der Buchung erkennt der Kunde, was ein Flugticket wirklich kostet - und das ist nicht nur von Fluggesellschaft zu Fluggesellschaft verschieden, sondern hängt auch enorm vom Zeitpunkt der Buchung und sogar vom Abflughafen ab. Welche Airline innerdeutsch am billigsten fliegt, hat nun der Low Fare Report der Fachzeitschrift "Touristik Report" ermittelt - und brandmarkt den Marktführer Lufthansa als größten Abzocker, zumindest bei kurzfristigen Buchern.

Verglichen wurden insgesamt vier deutsche Fluggesellschaften ausschließlich auf ihren innerdeutschen Strecken. Dafür scannte der Bremer IT-Spezialist Partners Software den gesamten Februar über täglich alle im Internet veröffentlichten Flugtarife von Air Berlin, Germanwings, Lufthansa und Tuifly. Die Ergebnisse der ermittelten Preise werden im Durchschnitt angegeben und verstehen sich inklusive Steuern und Gebühren. Außerdem wurden nur Flüge beachtet, die auch verfügbar waren und auf denen man nicht umsteigen musste.

Billigflieger, der seinen Namen verdient

Der klare Spar-Sieger ist demnach Tuifly. Das Hannoveraner Unternehmen, das sich im Januar aus Hapagfly und HLX bildete, bietet die durchschnittlich günstigsten Ticketpreise auf einfachen, innerdeutschen Flügen an - und zwar sowohl einen Monat vor Abflug für 50 Euro, eine Woche vorher für 64 Euro als auch einen Tag vor Abflug für 106 Euro. Im Schnitt liegt Tuifly damit 11,5 Prozent unter dem Preis des Zweitplatzierten Germanwings. Auf Platz drei rangiert der Billigflieger Air Berlin, die überproportional teurer werden als Tuifly und Germanwings, je näher das Abflugdatum rückt.

Besonders die Tickets der Lufthansa werden mit näher rückendem Abflugdatum immer teurer

Besonders die Tickets der Lufthansa werden mit näher rückendem Abflugdatum immer teurer

Doch keine Fluggesellschaft greift ihren spät buchenden Kunden so tief in die Tasche wie der Marktführer Lufthansa. Zwar werben die Kraniche massiv mit ihren Better-Fly-Tarifen, die Passagiere für nur 99 Euro an ihren Zielort und zurück befördern sollen. Doch wer diese günstigen Tickets wirklich buchen möchte, muss lange, mindestens aber vier Wochen, im Voraus planen. Denn je näher das Abflugdatum rückt, desto schneller schrauben sich die Preise der Flüge in die Höhe. Wer am Vortag einen blau-gelben Sitz bucht, muss dafür durchschnittlich 297 Euro berappen und zahlt damit fast dreimal soviel wie beim günstigsten Konkurrenten Tuifly. Und selbst mit einem Monat Planung beträgt die Differenz zwischen den beiden noch immer fast als 36 Euro, 86 Euro zahlt der Lufthansa-Kunde für seinen innerdeutschen One-Way-Flug.

Der Hauptgrund für den im Vergleich zu den anderen Fluggesellschaften überproportionalen Preisanstieg mit anrückender Nähe des Abflugdatums sind die verschiedenen Tarifklassen der Lufthansa. "Es gibt ein gewisses Kontingent an günstigen Plätzen, zum Beispiel die 99 Euro-Flüge, die jedoch mehr Einschränkungen unterliegen als teurere", sagt Amelie Lorenz, Lufthansa-Pressesprecherin. "Wenn dieses Kontingent ausgebucht ist, bleiben eben die Plätze übrig, die unkonditionierter, also flexibler, weil umbuchbar oder stornierbar, dafür aber teurer sind." Je früher der Lufthansa-Passagier sich also festlege, desto günstiger könne er reisen; je flexibler er bis vor Antritt seiner Reise bleiben wolle, desto höher sei auch der Preis, den er zahle. Zudem biete die Lufthansa ihren Kunden aber auch ein Zusatzangebot, das viele der Billigflieger nicht vorweisen könnten, "angefangen bei Linienflügen mit vielen Abflugzeiten und Umsteigepunkten, Lounges oder Vielflieger-Programmen", sagt Lorenz.

Sparen im Schwabenland

Doch nicht nur die Nähe des Abflugdatums kann der Preis für den Passagier in die Höhe treiben, auch der Abflughafen verteuert oder verbilligt das Ticket. Während der umsichtige Hamburger Lufthansa-Passagier vier Wochen vor Abflug nur etwa 75 Euro für seinen Sitz bezahlt, muss der spät planende Hanseat einen Tag vor Abflug für denselben Platz 328 Euro aufwenden. Hätte er seine kurzfristige in Reise in Köln angetreten, würde ihn das höchstens 281 Euro kosten, am Rhein kann der Kranich nicht ganz so hohe Preise durchsetzen. Das mag auch an seinen Mitwerbern liegen: Germanwings, selbst eine LH-Tochter, konkurriert dort hart gegen Tuifly, selbst kurzfristigste Bucher zahlen dort nur 119 beziehungsweise 127 Euro für den kurzfristigen, einfachen Flug.

Ein anderes Bild zeigt sich in München: Während man aus der bayerischen Landeshauptstadt mit Tuifly extrem günstig abheben kann - der Durchschnittspreis für ein Rückflugticket liegt bei nur 110 Euro - zieht die deutsche Lufthansa ihren Passagieren durchschnittlich 356 Euro für dasselbe Ticket aus der Tasche. Besser haben es die süddeutschen Passagiere, die bei den sparsamen Schwaben abheben: Nirgendwo heben sie so kostengünstig ab wie aus Stuttgart, vor allem dank der drei Billigflieger Air Berlin, Germanwings und Tuifly. Doch dort - und in Frankfurt - verlangt nicht einmal die Lufthansa einen Tag vor Abflug mehr als 300 Euro.

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