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Billigflieger: Trickserei beim Ticketpreis

Gerade Billigflieger werben gerne mit besonders niedrigen Ticketpreisen. Diese sind meist keine Inklusivpreise, Steuern und Gebühren werden extra angegen. Einige Fluggesellschaften sollen es mit diesen Angaben nicht so genau nehmen.

Die Wettbewerbszentrale hat mehrere deutsche Fluggesellschaften wegen falscher Angaben über Steuern und Gebühren für Flugtickets verwarnt. Dies teilte die Zentrale am Donnerstag in Bad Homburg bei Frankfurt mit. Dabei beruft sie sich auf Recherchen des ZDF-Magazins Wiso und des SWR 3, wonach die angegebenen Beträge nicht den tatsächlichen Kosten entsprächen. Namentlich waren LTU, Germanwings und die zum TUI-Konzern gehörende Hapag Lloyd Express genannt worden. Germanwings wies die Vorwürfe in einer ersten Stellungnahme zurück. Auch die TUI-Billigflugtochter Hapag-Lloyd Express (HLX) und die Düsseldorfer LTU reagierten mit Unverständnis.

Ticketpreise sind keine Inklusivpreise

Das ZDF-Ratgebermagazin Wiso hatte sich dabei zu Verlgeichszwecken die Ticketpreise auf der Strecke Köln/Bonn-Antalya für den Zeitraum der ersten Juniwoche 2006 angesehen, die von sechs Fluglinien am Tag bedient wird. Dabei interessierte die Wiso-Redakteure besonders der Unterschied zwischen Brutto- und Nettopreis des Flugtickets. Denn bei den Fluggesellschaften ist ist es laut Angaben der Wettbewerbszentrale gängige Praxis, keine Inklusivpreise anzugeben, sondern Kosten für Steuern oder Flughafengebühren separat auszuweisen.

Achten Sie beim Ticketkauf auf Steuern und Gebühren?

Hintergrund ist die aggressive Werbung der Billigairlines, die regelmäßig mit Kampfpreisen ("Europa für 19 Euro", "Fliegen zum Taxipreis") auf Kundenfang gehen. Dabei wissen die Airlines aber auch, dass die beworbenen Preise eine gewisse Schwelle nicht überschreiten dürfen. Diese liegt bei innereuropäischen Zielen derzeit bei 49 Euro, alles darüber lässt sich nur noch schlecht als "billig" verkaufen. Die Wettbewerbszentrale vermutet nun, dass die wahren Kosten den Reisenden nun über die Rechnungsposition "Steuern und Gebühren" untergejubelt wird.

Trickserei bei Steuern, Gebühren und Kerosinzuschlag

Eigentlich, so Hans Frieder Schönheit, Vizedirektor der Wettbewerbszentrale, müssten die in Rechnung gestellten Steuern und Gebühren ja bei jeder Fluglinie identisch sein. Denn für die Flughafenabfertigung von Passagieren und Gepäck, für Zoll und Bundesgrenzschutz, für Lotsendienste und Überfluggebühren zahlen alle Airlines dasselbe. Wiso stellte allerdings Preisunterschiede von bis zu 180 Prozent fest. Und das rief die Wettbewerbszentrale auf den Plan: Egal wie hoch der tatsächliche Preis ist, solche Unterschiede dürfte es nicht geben. "Wir werden die Recherchen des ZDF aufnehmen und die Airlines gegebenenfalls abmahnen", so Schönheit.

Außerdem erwartet laut Schönheit der Verbraucher, dass ein Betrag, der ausdrücklich als Steuer bezeichnet wird, dann auch komplett ans Finanzamt geht. Die inkorrekte Angabe von nicht in dieser Höhe anfallenden Steuern und Gebühren sei unzulässig.

Stellungnahme bis zum 6. März

Die Fluggesellschaften hätten nun bis zum 6. März Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern und zu versprechen, die Praxis zu ändern, um eine gerichtliche Klärung zu vermeiden. Germanwings-Chef Joachim Klein erklärte, sein Unternehmen habe ein transparentes Preissystem und führe die Kunden nicht in die Irre. Die Abmahnung der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs e.V. sei bei der Gesellschaft noch nicht eingetroffen. Auch LTU und HLX erklärten, sie hätten noch keine entsprechenden Schreiben erhalten.

LTU-Pressesprecher Marco Dadomo sagte in Düsseldorf, "wir stehen einer möglichen Ermahnung gelassen gegenüber, denn wir haben ein transparentes Preissystem". Die LTU gebe nur die Steuern und Gebühren für Flugtickets an ihre Kunden weiter, die sie auch selbst zahlen müsse. Von einem HLX-Sprecher hieß es am Donnerstag in Hannover zu den Vorwürfen, er gehe davon aus, dass es vor allem eine Frage der Terminologie sei. HLX fasse unter der Bezeichnung Steuern und Gebühren verschiedene Posten zusammen. Dabei könne man darüber streiten, ob das Geld, das die Fluggesellschaft etwa an den Flughafen für das Check-in zahle, Gebühr oder Entgelt genannt werde.

Übrigens fehlt Ryanair nur deshalb im Preisverlgleich der Wiso-Redaktion, weil die Fluggesellschaft nicht von Köln/Bonn aus startet. Ansonsten ist gerade Ryanair immer wieder durch besonders kreative Gebührengestaltung aufgefallen. Als weltweit einzige Airline stellt Ryanair jedem ihrer Passagiere eine Rollstuhlgebühr in Rechnung - von 50 Cent pro Passagier und Strecke.

spi mit DPA

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