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Urlaubsausfall wegen Irankrieg? So halten die Reiseanbieter Kunden im Ungewissen

Wegen der andauernden Angriffe im Iran und in anderen Golfstaaten bleiben viele Flugzeuge am Boden – und an Flughäfen wie Dubai warten die Passagiere
Wegen der andauernden Angriffe im Iran und in anderen Golfstaaten bleiben viele Flugzeuge am Boden – und an Flughäfen wie Dubai warten die Passagiere
© Johannes P. Christo / REUTERS
Die Emirate wurden mit Abu Dhabi in den vergangenen Jahren zum wichtigen Reise-Drehkreuz. Jetzt steht es wegen des Irankriegs still. Was bedeutet das für Touristen?

Darf man in den Urlaub fahren, wenn Krieg herrscht? Dieses moralische Dilemma wird für viele Deutsche gerade zur ganz praktischen Frage. Nach dem Beginn der Kampfhandlungen im Iran sind Teile des Luftraumes in der Golfregion gesperrt, wichtige Umsteigedestinationen wie Dubai fallen auf unbestimmte Zeit aus – auch für schon gebuchte Reisen. Die Veranstalter und Airlines fliegen nur auf Sicht.

Der Krieg bringt nicht nur den Flugverkehr in der Region aus dem Takt: Die Flughäfen in den Vereinigten Arabischen Emiraten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten als beliebtes Drehkreuz für Langstreckenflüge etabliert. So steigerte sich die Zahl der jährlich abgefertigten Passagiere von knapp 18 Millionen im Jahr 2003 auf über 90 Millionen im Jahr 2024 – eine Verfünffachung. Auch die Zahl der abgefertigten Flugzeuge verdreifachte sich seitdem. Die Folgen des Ausfalls sind entsprechend groß.

Hoffnung auf schnelle Lösung im Iran

„Die Lage bleibt dynamisch und wird kontinuierlich bewertet“, antwortet etwa die Airline Emirates auf die Frage, wie lange die Passagiere mit Ausfällen rechnen müssen. Alle angefragten Reiseveranstalter und Fluggesellschaften erwarten, dass mindestens bis einschließlich 3. März alle Flüge in die Golfregion ausfallen werden, nur wenige rechnen offenbar bislang mit Ausfällen über den 8. März hinaus. Das könnte deutlich zu optimistisch sein: US-Präsident Donald Trump sagte der „Daily Mail“, er rechne mit etwa vier Wochen, bis der Iran besiegt sei. Selbst das wird von vielen Experten für unwahrscheinlich gehalten.

Ganz konkret betroffen sind Passagiere, die sich gerade auf ihren kurz bevorstehenden Urlaub gefreut haben. „Aufgrund der aktuellen Entwicklungen sagen wir alle Reisen in die oben genannten Nahostgebiete mit einer Reisewarnung bis einschließlich Donnerstag,  den 5. März 2026, ab“, bestätigt etwa Veranstalter Dertour. Vor allem in Bezug auf die Vereinigten Arabischen Emirate wird aber offenbar eine schnelle Besserung der Sicherheitslage erwartet. „Aufgrund mehrerer Schließungen regionaler Lufträume hat Emirates alle Flüge nach und ab Dubai bis Dienstag, den 3. März, 15.00 Uhr (Ortszeit der VAE) vorübergehend ausgesetzt“, erklärte etwa Emirates auf Anfrage.

Auch bei der Lufthansa ist man vorsichtig optimistisch. „Aufgrund der aktuellen Situation im Nahen Osten, werden die Airlines der Lufthansa Group ihre Flüge nach Tel Aviv, Beirut, Amman, Erbil, Dammam und Teheran bis einschließlich 8. März aussetzen“, heißt es von einem Unternehmenssprecher. Der Luftraum über Israel, dem Libanon, Jordanien, dem Irak, Katar, Kuwait, Bahrain und dem Iran werde in dieser Zeit nicht genutzt. Für die Vereinigten Arabischen Emirate erwartet der Konzern offenbar früher eine Entspannung der Lage. „Die Airlines der Lufthansa Group werden ihre Flüge von und nach Dubai und Abu Dhabi bis einschließlich 4. März aussetzen“, heißt es. „Darüber hinaus wird der Luftraum der Vereinigten Arabischen Emirate ebenfalls bis einschließlich 4. März nicht genutzt.“

Stornierung erst bei bestätigtem Ausfall möglich

Dass die Veranstalter nicht noch weiter im Voraus planen, kann man ihnen nur bedingt vorwerfen – schließlich haben auch sie keine Glaskugel für einen Blick in die Zukunft. Würden sie die Zeiträume vorschnell erweitern, drohten auch mehr stornierende Kunden. Tatsächlich bemühen sich viele der Unternehmen, ihre Kundschaft möglichst transparent auf dem aktuellen Stand zu halten. Dertour bietet etwa eine 24-Stunden-Hotline für Betroffene an.

Die engen Zeiträume haben für Reisende allerdings einen klaren Nachteil: Nur für die bisher bestätigten Daten kann man seinen Flug aufgrund der Lage auch jetzt schon stornieren oder umbuchen. „Betroffene Fluggäste können kostenfrei auf ein späteres Reisedatum umbuchen oder erhalten alternativ den vollständigen Ticketpreis zurück“, heißt es etwa von der Lufthansa. Auch Dertour bestätigt: „Für Transit-Reisende, die aufgrund von Flugstreichungen nicht wie geplant anreisen können, suchen unsere Teams derzeit nach alternativen Flugverbindungen. In den Fällen, in denen wir keine neuen Flugverbindungen anbieten können, sind kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen möglich.“

Tui, der in Deutschland mit Abstand wichtigste Reiseanbieter, reagiert leider nicht auf Anfragen des stern. „Aufgrund der weiterhin dynamischen Lage in der Region sowie eingeschränkter Flugverbindungen sind wir derzeit auf die Informationen der Airlines angewiesen, um zu klären, ob und wann Rückflüge stattfinden können“, heißt es auf der Webseite des Anbieters in Bezug auf Reisende, die sich aktuell in der Region befinden. So liegen etwa die Kreuzfahrtschiffe „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“ aktuell im Persischen Golf. Allerdings scheint Tui auf eine schnelle Lösung zu hoffen: Vorstandschef Sebastian Ebel sagte „ntv“, dass man für Dienstag mit ersten Rückflügen rechne. Auf der Internetseite sind weiter Buchungen für Hotels in den Vereinigten Arabischen Emiraten möglich – mit Abflug zum 9. März.

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