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Interview

Weihnachts-Shopping: "Wenn Sie Geld sparen wollen, kaufen Sie lieber nach Weihnachten"

Gibt es zu Weihnachten wirklich so viele Schnäppchen, wie die Händler uns weismachen? Marketingprofessor Martin Fassnacht verrät, welche Produkte vor Weihnachten günstiger sind und welche man lieber hinterher kaufen sollte.

In den Fußgängerzonen herrscht kurz vor Weihnachten Ausnahmezustand

In den Fußgängerzonen herrscht kurz vor Weihnachten Ausnahmezustand

Herr Fassnacht, im Weihnachtsgeschäft locken die Händler an jeder Ecke mit vermeintlichen Sonderangeboten. Aber gibt es vor Weihnachten wirklich so viele Schnäppchen - oder ist in Wahrheit das meiste nach Weihnachten viel günstiger?

Natürlich gibt es gerade viele Sonderangebote, aber nicht alles ist so günstig wie es angepriesen wird. Wie stark die Rabatte sind, unterscheidet sich nach Produktkategorien. Einige Klassiker wie hochwertige Kaffeemaschinen oder Schmuck sind vor Weihnachten nicht günstiger als sonst.

Professor Martin Fassnacht ist Inhaber des Lehrstuhls für Marketing und Handel an der WHU Vallendar/Koblenz. Seine Forschungsschwerpunkte sind Preismanagement, Handelsmarketing und Luxusgütermarketing.

Professor Martin Fassnacht ist Inhaber des Lehrstuhls für Marketing und Handel an der WHU Vallendar/Koblenz. Seine Forschungsschwerpunkte sind Preismanagement, Handelsmarketing und Luxusgütermarketing.

Welche Produkte sind denn aktuell wirklich günstiger?

Fernseher und andere Elektronikprodukte fallen Richtung Weihnachten im Preis, werden danach aber nochmal günstiger. Bei Beauty- und Kosmetikprodukten gibt es die besten Schnäppchen oft schon im November. Spielzeug wird Richtung Weihnachten eher teurer. Bei Haushaltsgeräten wie Trocknern, Backöfen, Waschmaschinen fallen die Preise erst zum Jahresanfang.

Bei welchen Produkten gibt es nach Weihnachten die größten Preisstürze?

Neben den Haushaltsgeräten sind das Mode, Elektronik und Kosmetik. Die Preise sinken vor allem aufgrund des Saison- oder Modellwechsels. Wenn Sie Geld sparen wollen, kaufen Sie lieber erst nach Weihnachten. Der große Preisverfall setzt allerdings erst nach dem Jahreswechsel ein. Direkt nach den Weihnachtsfeiertagen kaufen die Leute sowieso noch ganz gerne ein, lösen Gutscheine ein, die sie geschenkt bekommen haben. Da müssen die Händler noch nicht mit Rabatten locken.

Also wäre es am schlauesten, Gutscheine zu verschenken und diese erst im neuen Jahr einzulösen.

Wenn ich nur den Preis betrachte, sollte ich mit dem Einlösen sogar bis Ende Januar/Anfang Februar warten, denn dann kommt der Winterschlussverkauf. Aber Konsumenten handeln ja nun mal nicht rein rational, selbst wir Deutsche nicht. Unser Einkaufsverhalten ist irrational und das ist ja auch okay.

Mit welchen Tricks versuchen die Händler uns zu Weihnachten zum Geld ausgeben zu verleiten?

Zum Beispiel mit schönen Verpackungen. Wenn Pralinen schön verpackt sind, können sie leicht ein Vielfaches pro Gramm kosten. Die Händler setzen auf alles, was Emotionen weckt: rote Farben, eine schöne Ladengestaltung, angenehme Düfte und Weihnachtsmusik. Wenn wir in emotionaler Stimmung sind, kaufen wir eher. 

Gibt es einen Last-Minute-Effekt kurz vor Heiligabend? Fallen da bestimmte Produkte im Preis oder steigen an?

Bei Onlineshops steigen kurz vor Heiligabend bei Parfüms, Spielekonsolen und Spielwaren die Preise relativ deutlich an - zwischen sechs und zehn Prozent. Da sind die Leute unter Zeitdruck, weil die Ware ja auch noch geliefert werden muss, und nehmen was sie kriegen können, ohne so stark auf den Preis zu achten.

Wie handhaben Sie das Thema denn persönlich: Haben Sie Ihre Weihnachtsgeschenke schon gekauft?

Ich bin kein Last-Minute-Käufer. Ich kaufe Weihnachtsgeschenke relativ frühzeitig, die meisten schon im November. Allerdings nicht wegen der Preise, sondern weil dann die Auswahl größer ist.