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Winterschlussverkauf: Kühles Wetter, lauwarme Schnäppchenjagd

Mit großen Erwartungen des Handels hat der letzte Schlussverkauf nach altem Muster begonnen. Die Kunden blieben zunächst noch ruhig und ließen sich von Einzelstücken und allem, was warm hält, locken.

Der Einzelhandel ist am Montag bei zum Teil eisigen Temperaturen relativ ruhig in den wohl letzten klassischen Winterschlussverkauf gestartet. Gekauft wurden vor allem warme Mäntel, Mützen, Schals und Handschuhe sowie Wintersportartikel. Der Branchenverband HDE sprach von einem gelungenen Auftakt. Hilfreich sei dabei das Wetter gewesen - große Teile Deutschlands sind im Kältegriff, so dass das Interesse gerade an hochwertiger und günstiger Winterbekleidung noch einmal steigt. Aber auch die Steuerreform und eine leichte Aufhellung der Konsumstimmung sei zu spüren. Der Handel gewährt bis zum 7. Februar Rabatte von bis 70 Prozent.

Wenigstens leere Lager erwartet

Auch in Berlin ließen die Schnäppchenjäger den Start in den WSV eher ruhig angehen. "Das ist ein typisches Großstadtverhalten", sagte der Chef des Berliner Einzelhandelsverbands, Nils Busch-Petersen. Viele Kunden hätte es bereits am Samstag in die Geschäfte gelockt. Sehr zufrieden mit dem Auftakt war das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in Berlin. Renner seien vor allem hochwertige Damentaschen sowie teure Einzelstücke gewesen, sagte ein Sprecher von Deutschlands größtem Kaufhaus. Der Berliner Einzelhandel erwartet vom WSV "keine Rendite, aber leere Lager".

Winterurlauber greifen zu

In Stuttgart lief der Schlussverkauf gut an. Nach Angaben des Branchenverbands in Baden-Württemberg hätten sich vor einigen Kaufhäusern noch vor Ladenöffnung kleinere Warteschlangen gebildet. In Mecklenburg-Vorpommern ließen verschneite Straßen viele Schnäppchenjäger zunächst zu Hause bleiben. Der Handelsverband Sachsen freute sich hingegen über das Wetter. "Kälte und Schnee lassen die Kunden bei der reduzierten Winterbekleidung zugreifen, besonders wenn noch ein Winterurlaub bevorsteht", sagte ein Verbandssprecher.

Preise vergleichen

Verbraucherschützer raten bei der Schnäppchenjagd zur Vorsicht. Es werde immer wieder beobachtet, dass Preise vor der Rabattierung hochgesetzt würden, um dann anschließend mit dem entsprechenden Rabatt werben zu können, sagte Roland Stuhr, Handelsexperte bei der Verbraucherzentrale dem dpa/Rufa-Audiodienst.

Der Einzelhandel dringt auf eine gesetzliche Regelung künftiger gemeinsamer Verkaufsaktionen. "Wir wollen das Rad nicht zurück drehen und die Rabattfreiheit wieder einschränken, aber wir sind für eine rechtliche Klarstellung", sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr der dpa. Er wies auch darauf hin, dass die Verbraucher nach Abschaffung der klassischen Ausverkäufe stärker die Preise vergleichen müssten. Trotz der monatelangen Rabattschlachten hofft der Einzelhandel auf eine intensive Nutzung des letzten WSV.

Verbände wollen selbst Sammeltermin organisieren

Der Textilhandel will Schlussverkäufe künftig notfalls selbst organisieren. "Wir werden alles versuchen, um künftig eine Abstimmung auf einen Termin hinzubekommen", sagte Jürgen Dax vom Bundesverband des Deutschen Textilhandels BTE. Die gemeinsamen Aktionen zum Ende einer Saison seien vor allem für den Mittelstand wichtig - der ist auf die Räumung seiner Lager sowie ein konzentriertes Kundeninteresse am meisten angewiesen.

Seit fast 100 Jahren gibt es die gemeinsamen Schlussverkäufe des Einzelhandels. Im Frühjahr soll die Novelle des Gesetzes gegen Unlauteren Wettbewerb in Kraft treten. Danach können Händler höchstwahrscheinlich künftig selber bestimmen, wann sie ihre Lager räumen.

DPA / DPA