Alternative Energien Ein Geschenk der Natur


Günstiges Öl oder Gas wird es nie mehr geben. Für Eigenheimer und Vermieter ist es daher klug, auf alternative Energien zu setzen. Fünf Fälle und die Rechnung dazu.

Sonne: Wärmt sogar bei Schnee

Die Sonne schickt keine Rechnung. Ist die Kollektorfläche genügend groß, reicht das erhitzte Wasser aus, um auch im Winter heizen und warm duschen zu können.

Martin Friedl, 37 (Lehrer), und Ehefrau Sabine, 32 (Bankkauffrau), drei Kinder, zapfen in ihrem 2002 errichteten Eigenheim 80 Prozent ihrer häuslichen Energieversorgung von der Sonne ab. 80 Quadratmeter Kollektoren auf dem Süddach des Einfamilienhauses im bayerischen Lindberg sorgen für warmes Wasser und genügend Energie zum Heizen. Die restliche Wärme liefert ein Holzofen in der Küche. Zudem erzeugen 25 Quadratmeter Solarzellen 2250 Kilowattstunden Strom - fast den kompletten Bedarf der Familie. Mit dieser Kombination spart Familie Friedl etwa 1200 Euro Heizkosten und 400 Euro für Strom pro Jahr.

Die Erfahrung:

"Das Raumklima ist toll, alle Räume sind warm."

Die Investition:

rund 15.000 Euro für die Solarzellen, 30.000 Euro für die Kollektoren abzüglich 10.000 Euro Zuschuss vom Staat - insgesamt etwa 35.000 Euro.

Die laufenden Kosten:

pro Jahr 100 Euro für Strom (Betrieb der Solarpumpe) und 50 Euro für Holz.

Ausblick:

teure Anfangsinvestition, deshalb amortisiert sich die Anlage beim derzeitigen Ölpreis erst in 20 Jahren. Steigt der Ölpreis, rentiert sich die Öko-Heizung früher.

Biomasse: Wie Mist zu Strom wird

Gülle galt für die Bauern bislang nur als Dünger für die Felder. Vergoren liefert sie jedoch wertvolle Energie.

Albert Eberhart, 43 (Landwirt), und Ehefrau Susanne, 41 (Hauswirtschafterin), fünf Kinder, errichteten 1999 auf ihrem Hof in Geislingen (Baden-Württemberg) eine Biogasanlage. Die Anlage liefert 75 Kilowatt elektrische und 130 Kilowatt thermische Energie (Heizwärme) - genug für ihren Hof und zwei Nachbarhöfe.

Die Erfahrung:

"Die Stromproduktion spart jeden Tag etwa 150 Liter Öl, die Wärmeerzeugung 260 Liter. Pflegeleicht ist die Anlage allerdings nicht. Zwei Stunden am Tag muss jemand da sein, um etwa Maissilage und Gülle einzufüllen."

Die Investition:

fast eine halbe Million Euro, zwei Nachbarn machten mit. Zehn Prozent gab es als Zuschuss vom Landwirtschaftsamt, dazu einen günstigen Kredit. 8000 Stunden Eigenleistung für den Bau waren nötig.

Die laufenden Kosten:

Die Anlage arbeitet kostenneutral, da auf dem Hof genug Gülle und Maissilage als Energiestoff anfallen. Ausblick: Eberhart baut mit seinen Nachbarn jetzt eine größere Anlage. Sie ist für 500 Kilowattstunden Strom und ebenso viel Wärme ausgelegt. Die Wärme nimmt ein Brennholzproduzent in der Nachbarschaft ab, der damit sein Holz trocknet. Die Investition von 1,5 Millionen Euro soll sich in sechs Jahren rechnen.

Erdreich: Energie aus der Tiefe

Hier schlummert die Wärme unterm Haus

Christian Kleen, 33 (Polizist), und Ehefrau Maria, 32 (Hausfrau), ein Kind, heizen seit zweieinhalb Jahren ihr Haus in Geeste (Niedersachsen) mit Erdwärme. Eine Spezialfirma übernahm die Bohrung, die Wärme wird nun aus 90 Meter Tiefe ins Haus gepumpt. Mit der Anlage (Leistung: 19 Kilowatt) werden 200 Quadratmeter Wohnfläche beheizt.

Die Erfahrung:

"Wir haben nie gefroren. Ich bin von dem System überzeugt. Bloß im Herbst muss man früher daran denken, die Heizungen einzuschalten, damit das Haus nicht auskühlt."

Die Investition:

15 000 Euro - rund 7000 Euro mehr als eine Gasheizung. Die laufenden Kosten: 50 Euro pro Monat für Strom, mit dem ein Wärmetauscher betrieben wird.

Ausblick:

In zehn Jahren hat sich die Investition amortisiert.

Altbauisolierung : Vom Keller bis zum Dach

Wer sein Haus warm einpackt, spart bis zu 80 Prozent

Frank Legge, 40 (Industriemeister), und Ehefrau Michaela, 39 (Informatikerin), zwei Kinder, haben ihr 1978 erbautes Fertighaus in Warstein (Nordrhein-Westfalen) im Herbst 2004 generalsaniert. Sie packten die Fassade mit zehn Zentimeter dicken Styroporplatten ein, tauschten die Fenster aus und ließen eine solarunterstützte Pellet-Heizung einbauen. Durch die Isolierung haben sich die Kosten von 720 Euro pro Jahr für die elektrische Fußbodenheizung halbiert. Zudem konnten sie den CO2-Ausstoß, der vor der Sanierung 130,6 Kilogramm pro Quadratmeter und Jahr betrug, auf ein Zehntel reduzieren.

Die Erfahrung:

"Unsere Heizkosten sind viel geringer als vorher, und mit der neuen Fassade sieht unser Haus auch schöner aus."

Die Investition:

66 000 Euro, davon rund 33000 für die Heizanlage, für die es jedoch 6900 Euro Zuschuss vom Land NRW gab und im Zuge von CO2-Sanierungsprogrammen der Kreditanstalt für Wiederaufbau vergünstigte Kredite. Die laufenden Kosten: 400 Euro für Pellets.

Ausblick:

Die Investition wird sich erst in vielen Jahrzehnten amortisieren. Familie Legge wollte vor allem ein modernes und ökologisches Haus.

Holz: Auch Abfall macht warm

Ein Holzofen im Keller versorgt das Haus

Susanne Binner, 38 (Lehrerin), und Ehemann Clemens, 38 (Softwareentwickler), gewinnen die Wärme für ihr Haus in Berlin seit über zwei Jahren durch das Verbrennen von Holzschnipseln, so genannten Pellets. Diese Technik gehörte zu ihrem Fertighaus. Die Anlage (26 Kilowatt) heizt Wasser und 200 Quadratmeter Wohnfläche. Im Sommer wird der Pellet-Ofen abgeschaltet, dann sorgen zwei Solarkollektoren auf dem Dach fürs warme Duschwasser.

Die Erfahrung:

"Wir sind sehr zufrieden. Die Wartung ist einfach. Asche muss nur einmal pro Winter aus dem Aschekasten weggeräumt werden."

Die Investition:

rund 10 000 Euro plus 4000 Euro für Solar- kollektoren - rund 6000 Euro mehr als eine Gasheizung.

Die laufenden Kosten:

700 Euro für Pellets pro Winter.

Ausblick:

Beim jetzigen Ölpreis amortisiert sich die Anlage in fünf bis sieben Jahren.

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