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Geldanlage 2007: Nichts bleibt zum Spekulieren

Der Staat greift Sparern, Anlegern und auch Immobilienerben 2007 tief in die Tasche, alle müssen deutlich mehr Steuern zahlen: Langjährige Steuervorteile werden ersatzlos gestrichen. Geldanlagen verlieren an Attraktivität. Die Liste der Schrecken.

Ab Januar 2007 wird der Sparerfreibetrag automatisch auf 56,37 Prozent abgesenkt. Nur gut die Hälfte der Zinserträge etwa aus Sparguthaben, Geldmarktkonten, vermögenswirksamen Leistungen oder Wertpapieranlagen darf noch steuerfrei behalten werden. Alleinstehende können statt bisher 1370 Euro nur noch 750 Euro Zinsen steuerfrei kassieren. Für Ehepaare sinkt der Freibetrag von 2740 auf 1500 Euro. Nur die Werbungskostenpauschale von 51 Euro (Ehepaare 102 Euro) für Zins- und Dividendenerträge ändert sich nicht. Das heißt unterm Strich: Für Singles liegt der maximale Betrag bei 801 Euro, für Eheleute bei gemeinsamer steuerlicher Veranlagung bei 1602 Euro im Jahr. Wer über die neuen Limits kommt, zahlt 30 Prozent Zinsabschlagsteuer.

Unterschiedliche Besteuerung

Immobilienerben müssen sich darauf einstellen, 2007 sehr viel stärker als bisher zur Kasse gebeten zu werden. Das Bundesverfassungsgericht prüft zurzeit folgende Ungleichbehandlung: Erben eines Objekts müssen spürbar weniger Steuern zahlen als jemand, der dieselben Werte beispielsweise in Bargeld hinterlassen bekommt. Geld, Wertpapiere oder Aktien müssen zu 100 Prozent versteuert werden, Immobilien meist nur mit etwa 50, 60 Prozent ihres Verkehrswertes. Ein Urteil wird im nächsten Frühjahr erwartet. Kippt die großzügige Steuerregelung, wie von Fachleuten erwartet, ist mit einer drastisch verschärften Gesetzeslage fürs Vererben und Schenken von Immobilien zu rechnen.

Beim Rückkauf wird zugelangt

Wer 2007 seine Rentenversicherung vorzeitig kündigen und zurückkaufen möchte, kann dem Fiskus nicht mehr entgehen. Hat die Police kein Kapitalwahlrecht, muss der gesamte Ertrag voll versteuert werden. Bislang wurde ein Rückkauf steuerlich nicht erfasst. All die, die nächstes Jahr eine private Renten- oder eine Kapital-Lebensversicherung neu abschließen, müssen sich mit einem kleineren Garantiezins bescheiden. Ab Januar sank die Verzinsung, die die Versicherer für den Sparanteil der Prämie garantieren, von vorher 2,75 auf 2,25 Prozent ab.

Mehrwertsteuer stieg auf 19 Prozent

Zum finanziellen Kraftakt für die Privathaushalte wurde auch die größte Steueranhebung in der Geschichte der Bundesrepublik werden, die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent. Waren und Dienstleistungen kosten durch die Bank mehr Geld. Nur für bestimmte Waren des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Kinokarten oder auch Bücher gilt weiterhin der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent. Mieten oder Baukredite sind gar nicht betroffen. Gezahlt werden muss 2007 auch eine höhere Versicherungssteuer, die ebenfalls um drei Prozentpunkte auf 19 Prozent klettert.

Kein Arbeitszimmer mehr

Und Spitzenverdiener müssen noch an eine Extra-Abgabe berappen, die so genannte Reichensteuer. Der Steuersatz für Einkommen von mehr als 250.000 Euro im Jahr (Ehepaare 500.000) steigt nächstes Jahr von 42 auf 45 Prozent. Gleichzeitig kommt das Aus für eine ganze Reihe bisheriger Steuervorteile. Teurer wird vor allem der Weg zur Arbeit. Berufstätige können künftig erst ab dem 21. Kilometer 30 Cents pro Entfernungskilometer absetzen. Steuerlich bringt die Entfernungspauschale erst dann eine Entlastung, wenn man mehr als 34 Kilometer zur Arbeit fährt. Bis dahin ist der Pauschbetrag von 920 Euro pro Jahr günstiger. Auch wer mit Bus und Bahn zur Arbeit kommt, fährt 2007 teurer. Vorbei war es 2007 auch mit dem Absetzen des häuslichen Arbeitszimmers. Bis zu 1.250 Euro im Jahr gibt es nur noch dann, wenn man den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit im Büro daheim hat. Arbeitsmittel wie Computer oder Büromöbel dürfen aber weiter abgesetzt werden.

Berrit Gräber/AP / AP