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Sparerfreibetrag: Die Uhr tickt

Viele Anleger müssen für ihre Zinserträge und Aktiengewinne ab 2007 mehr Steuern zahlen. Der Grund: Der Sparerfreibetrag wird halbiert. Doch ganz hilflos sind kleine Sparer nicht - sie können gegensteuern.

Zum Jahreswechsel kommen auf Steuerzahler viele Veränderungen zu, die höhere Mehrwertsteuer und der Wegfall der Pendlerpauschale sind nur einige davon. Besonders für Aktienbesitzer und kleine Sparer schmerzhaft: auch der Sparerfreibetrag wird halbert. Ledige, die mehr als 750 Euro Zinsen pro Jahr erhalten, müssen diese künftig mit ihrem individuellen Steuersatz versteuern. Für Verheiratete liegt die Freigrenze ab 2007 bei 1500 Euro. Diese Freigrenze überspringen bereits Anleger, die mehr als 25.000 Euro zu einem Zinssatz von drei Prozent anlegen. Bis einschließlich 2006 sind Zinseinnahmen noch bis 1370 Euro für Ledige und 2740 Euro für Ehepaare steuerfrei.

Bei hohem Steuersatz umschichten

Der Bund der Steuerzahler kritisiert, dass mit der neuen Regelung gerade diejenigen Steuerzahler belastet werden, die Sparvermögen aus bereits versteuertem Einkommen gebildet haben und die diese Rücklagen dringend für ihre Altersversorgung benötigen. Betroffen sind viele Kleinanleger, die ihr Geld in klassische Produkte wie Sparbücher, Sparpläne, Tagesgeld oder Bundesschatzbriefe investieren. Bis zum Inkrafttreten des Gesetzes haben Anleger aber noch einen gewissen Spielraum, um zu reagieren und die steuerliche Belastung zu vermindern. Die Umschichtung des Portfolios unter steuerlichen Gesichtspunkten lohnt sich besonders für Anleger mit einem hohen persönlichen Steuersatz.

Es empfiehlt sich, vorwiegend Anlagen mit jährlicher Ausschüttung zu kaufen. Dann verteilt sich die Steuerschuld für längerfristige Investments auf mehrere Jahre. Papiere, bei denen die Zinsen über einen längeren Zeitraum angesammelt und erst am Ende der Laufzeit ausgeschüttet werden, sind dagegen steuerlich unattraktiv, erläutert der Steuerzahlerbund. Denn nach der mehrjährigen Laufzeit wird die Steuer für den gesamten Zinsbetrag auf einmal fällig. Dabei ist der Freibetrag von 750 Euro pro Jahr schnell erreicht. Beim Bundesschatzbrief Typ B kann das beispielsweise schon bei einem Anlagebetrag von 4000 Euro nach sieben Jahren Laufzeit der Fall sein.

Lieber auf die Dividende schauen

Bei längerfristigen Investments, zum Beispiel für die Altersvorsorge, sollten Anleger darauf achten, dass die Zinsen erst dann fällig werden, wenn die individuelle Steuerbelastung nicht mehr so hoch ist. Also im Zweifelsfall im Ruhestand statt in den letzten Jahren des Arbeitslebens. Statt nur auf Zinspapiere zu setzen, sind Anleger gut beraten, auch Aktien ins Blickfeld zu nehmen. Interessant sind vor allem Papiere, auf die hohe Dividenden entfallen. Diese Ausschüttungen werden, anders als Zinsen, im so genannten Halbeinkünfteverfahren nur zur Hälfte besteuert.

Wer Festgeld anlegen möchte, sollte das möglichst zunächst nur bis zum Ende dieses Jahres tun. Dann gilt noch der volle Sparerfreibetrag. Zu überlegen ist auch, längerfristig angelegte festverzinsliche Papiere und Rentenfonds bis Silvester vorübergehend zu verkaufen. Sie können dann im nächsten Jahr wieder neu erworben werden.

Reiner Fischer/DDP / DDP