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Geldanlage: Immobilienfonds entdecken Pflegeheime

Die stetig wachsende Zahl von älteren Menschen und Pflegefällen bereitet Staat und Sozialversicherernseit längerem große Sorgen - andere sehen darin eine Chance: Fondsanbieter und Investoren entdecken Pflegeheime als Geldanlage.

"Angesichts des starken Nachfrageanstiegs werden sich Pflegeimmobilien in den nächsten Jahren als Immobilienanlage etablieren", heißt es in einer aktuellen Studie der Deutschen Bank. Die Statistik gibt der Bankenstudie recht: Der Bedarf an Pflegeplätzen wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Seit 2001 ist der Studie zufolge die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland um fast zwei Prozent gewachsen - Tendenz weiter steigend: "Bis 2050 wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen auf 4,3 Millionen mehr als verdoppeln". Derzeit seien rund 30 Prozent der Pflegefälle in Heimen untergebracht. Daher handele es sich bei den Pflegeimmobilien um einen jungen Markt "mit Wachstumspotenzial". "In den nächsten Jahren wird das Interesse von Investoren zunehmen", prognostiziert die Studie.

Pflegeimmobilien sind eine junger Markt

Die Entwicklung ist zwar seit Jahren kein Geheimnis mehr. Dennoch hat sich die Immobilienwirtschaft nur langsam auf die neuen Anforderungen eingestellt. "Erst seit kurzer Zeit ist die Tragweite der demographischen Entwicklung in den Köpfen der Immobilienwelt angekommen", meint Lutz Michel, Partner beim Deutschen Institut für ServiceImmobilien (DIS). Waren bislang nur wenige, kleinere Fonds auf dem Markt, gebe es inzwischen "eine Hand voll" großer Anbieter von Fonds für Pflegeimmobilien. Einige andere überlegten ebenfalls, in das Geschäft einzusteigen.

Eine ganz gewöhnliche Immobilienanlage wie Hotels sind Pflegeheim nicht. "Sie brauchen ein geeignetes Objekt", sagt der Autor der Studie und Senior Economist bei der Deutsche Bank Research, Tobias Just. Barrierefreiheit - also die Tauglichkeit für Behinderte - sei ein absolutes Muss. Darüber hinaus gebe es spezielle Anforderungen an sanitäre Anlagen oder dem Zuschnitt der Zimmer, so dass etwa die Privatsphäre der Heimbewohner gewahrt werde.

Trend zu mehr Wirtschaftlichkeit

Für den Betreiber spiele keine Rolle, wer der Investor sei, sagt der Geschäftsführer des Pflegeheimbetreibers SenVital, Helmut Müller. Grundsätzlich gebe es in der Branche schon jetzt "eine Entwicklung zu mehr Wirtschaftlichkeit". Der Markt der Pflegeimmobilien sei im Wachstum begriffen, betont aber auch Müller. SenVital wolle in den kommenden fünf Jahren die Zahl der Pflegebetten auf 2000 verdoppeln. 2004 setzte das Unternehmen mehr als zehn Millionen Euro um.

Auch wenn künftig mehr Heimplätze in der Pflege gebraucht werden, ist diese Form der Geldanlage auch nicht ohne Risiko. "Freilich gilt auch für diese vergleichsweise junge Immobilienklasse, dass nicht jedes Angebot automatisch Erfolg hat", warnt die Deutsche Bank in ihrer Studie. Dem stimmt auch Lutz Michel vom DIS zu: "Als Investor muss man sich den Betrieb sehr gut angucken." Als unbedingte Voraussetzungen sieht Michel etwa die langjährige Erfahrung im Pflegesektor und die Finanzkraft des Betreibers.

Politische Entscheidungen bleiben Restrisiko

Und schließlich könnten Staat und Pflegeversicherung ein unkalkulierbares Risiko für Investoren darstellen. "Hier kann ein einziges Gesetz über Wertzuwächse und Wertverluste einer Immobilie entscheiden", betont die Deutsche Bank.

Jan Brinkhus/DPA / DPA