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Mietrecht: Wandfarbe ist Mietersache

Der Bundesgerichtshof hat eine weitere Renovierungsklausel in Mietverträgen gekippt: Demnach können Mieter nicht dazu verpflichtet werden, ihre Wände in "hellen und neutralen Farben" zu streichen. Die ungültige Klausel führt sogar dazu, dass die gesamte Pflicht des Mieters zu Schönheitsreparaturen entfällt.

Rot, braun, blau, Blümchen oder sogar gestreift? Bis zum Auszug bestimmt allein der Mieter, welche Farbe seine Wände haben

Rot, braun, blau, Blümchen oder sogar gestreift? Bis zum Auszug bestimmt allein der Mieter, welche Farbe seine Wände haben

Vermieter dürfen ihren Mietern keine bestimmte Farbe für ihre Wohnung vorschreiben. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am Mittwoch entschieden. Nach dem Urteil sind alle Klauseln unwirksam, die für Renovierungen während der Mietzeit bestimmte Farben vorgeben - im konkreten Fall ging es um "neutrale, deckende, helle Farben".

Geblümt oder bunt - der Mieter entscheidet

Zwar habe der Vermieter ein "berechtigtes Interesse" daran, die Wohnung nach dem Auszug mit einem zur Weitervermietung tauglichen Anstrich zurückzugekommen, befand der BGH. Dies rechtfertige jedoch keine Renovierungspflicht, die schon davor eine bestimmte Farbwahl vorschreibe. "Es besteht kein anerkennenswertes Interesse des Vermieters daran, dass der Mieter bereits während laufender Mietzeit auf andere Gestaltungen, seien sie farbig oder nicht deckend, verzichten muss", heißt es in der Entscheidung.

Damit gab das Karlsruher Gericht einer Mieterin aus Berlin recht, die nach ihrem Mietvertrag zu regelmäßigen "Schönheitsreparaturen" verpflichtet war und sich dabei laut Vertrag auf einen möglichst neutralen Anstrich beschränken sollte. Sie kann nach dem Urteil nun nicht nur die Farbe frei wählen - der BGH erklärte zudem die komplette Renovierungsklausel für unwirksam, weil der Mieter dadurch "unangemessen benachteiligt" werde.

Nur beim Auszug Vermieterwünsche berücksichtigen

Nach Ansicht des Deutschen Mieterbunds macht das Urteil eindeutig klar, dass Vermieter keine Vorschriften machen können, wenn es um Einrichtung und Dekoration der Wohnung geht. "Die Fragen, ob Tapete oder nicht, ob Raufaser oder Blümchen, ob weiß gestrichen oder orange, darf nur der Mieter entscheiden", sagte Präsident Franz-Georg Rips. Er wies darauf hin, dass der BGH vergangenes Jahr eine Klausel gekippt habe, wonach der Mieter "nur mit Zustimmung des Wohnungsunternehmens von der bisherigen Ausführungsart abweichen" durfte.

In der Verhandlung hatte der Senatsvorsitzende Wolfgang Ball am Mittwoch deutlich gemacht, dass der BGH hier einen schwierigen Interessenkonflikt zu lösen habe. Einerseits solle der Mieter seine Wohnung nach seinem eigenen Geschmack gestalten dürfen - auch wenn er Blümchentapeten oder einen hellblauen Anstrich bevorzuge. Andererseits müsse auch das Interesse der Vermieter an einer Weitervermietung berücksichtigt werden.

Farbgebung muss der Wiedervermietung dienen

In seinem Urteil deutet das Gericht nun an, dass auch den Vermieterinteressen Rechnung getragen werden kann. Eine Klausel, die lediglich beim Auszug einen neutralen Anstrich vorschreibt, dürfte danach zulässig sein. Dem Vermieter sei ein berechtigtes Interesse nicht abzusprechen, die Wohnung nach dem Ende des Mietverhältnisses mit einer Farbgebung zurückzubekommen, "die von möglichst vielen Mietinteressenten akzeptiert wird", so der BGH.

Aktenzeichen: VIII ZR 224/07 vom 18. Juni 2008

DPA/AP / AP / DPA
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