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Modernisierung: Neue Heizungen braucht das Land

Millionen alter Heizungen müssen demnächst zwangsmodernisiert werden. Auch Immobilieneigentümer, die gesetzlich gar nicht müssten, können mit moderenen Anlagen bares Geld sparen.

Millionen alte Heizungen müssen in den kommenden Jahren zwangsmodernisiert werden. Das Problem: Zu hohe Abgase, zu geringe Wirtschaftlichkeit. Aber auch Immobilieneigentümer, die gesetzlich gar nicht müssten, können mit moderenen Anlagen bares Geld sparen.

1. Brauche ich eine neue Heizung?

Die Energiesparverordnung schreibt vor, dass Heizanlagen, die vor dem 1. Oktober 1978 installiert worden sind oder mehr als elf Prozent Abgasverlust (für Ein- bis Zweifamilienhäuser) haben, bis Ende 2006 ausgetauscht werden müssen. Wer nach Oktober 1996 einen neuen Brenner an den alten Heizkessel schrauben ließ, hat mit dem Austausch bis Ende 2008 Zeit. Ob eine Anlage die Abgasauflagen erfüllt oder nicht, misst und bescheingt der Schornsteinfeger.

Wichtig:

Der Modernisierungszwang gilt nicht für Immobilieneigentümer, die ihr Ein- oder Zweifamilienhaus ab dem 1. Februar 2002 selbst bewohnen. Bei diesen ist der Wechsel erst zwei Jahre nach Verkauf oder Vererbung des Hauses vorgeschrieben.

2. Welche Heizung ist die sparsamste?

Nah- und Fernwärme-Nutzung ist die kostengünstigste Heizungsart. Die dazu nötige Anzapfstation braucht keinen separaten Raum, Schornsteinfegergebühren sind passé. Nachteil: Entsprechende Netze sind noch nicht flächendeckend verfügbar. Die zweitsparsamste Lösung ist die Erdwärmepumpe. Die benötigt jedoch Platz im Keller und einen geeigneten Hausuntergrund. Zudem entwickelt sie ihren vollen Einspareffekt erst im Zusammenspiel mit einer Fußbodenheizung – daher nur ein relativ teures Vergnügen für Öko-Fans.

Brennwertheizungen sind dagegen für die allermeisten Gebäude geeignet, unkompliziert einbaubar und fast genauso sparsam. Gegenüber der so genannten Niedertemperaturtechnik (NT) sparen sie immerhin rund zehn, gegenüber Altanlagen (vor 1978) sogar rund 30 Prozent Brennstoff. Denn stets nutzen die Geräte dabei nicht nur die Energie, die bei der Verbrennung entsteht, sondern wandeln zusätzlich noch Teile der Abgase in Wärme um. Noch verbrauchsärmer und damit umweltfreundlicher wird es, wenn das Brauchwasser nicht allein von einer Gas-Brennnwert-Heizung, sondern zusätzlich durch eine kleine Solaranlage aufgewärmt wird. "Generell holt die Brennwerttechnik aus der Gasverbrennung rund fünf Prozent mehr Leistung heraus als bei Ölverfeuerung", sagt Ingenieur Helmut Thümmler, Chef der Brennwert-Pionier-Firma Therma-Tec.

3. Welche Heizung ist die richtige für mich?

Ganz einfach lässt sich die Frage nicht beantworten. Selbst die Experten streiten. "Die meiste Zeit des Jahres greift der Brennwert-Vorteil in Ein- und Zweifamilienhäusern nicht", behauptet beispielsweise Alfred Eisenschink. Begründung des Ingenieurs und mehrfachen Buchautors: "Anlagen mit herkömmlichen Heizkörpern durchlaufen den Brennwert-Betrieb erst bei Außentemperaturen über fünf Grad Celsius sowie in der ersten Phase der Warmwasserbereitung." Rechne man die Umstellung etwa auf Fußbodenheizung oder neu ausgelegte Heizkörper zum Kauf einer Brennwertanlage hinzu, rentiere sich die Variante zumindest bei Ölfeuerung bestenfalls nach Jahrzehnten, so der Kritiker.

"Stimmt nicht," hält Markus Niedermayer dagegen. "Moderne Geräte schaffen mittlerweile beinahe ganzjährig den Brennwertbetrieb. Außerdem fallen im Gegensatz zu NT-Anlagen so gut wie keine Wartungskosten an, die Kaminkehr-Gebühr entfällt und eine Schornsteinsanierung kommt billiger", so der Vertriebsleiter bei MAN Heiztechnik. Wird der Brennwertbreich zeitweise nicht erreicht, arbeitet das Gerät schlicht wie eine NT-Anlage. Fazit: Wer mit seiner Heizung technisch Up-to-date sein will und mit unkompliziertem Nachrüsten von Solar, modernsten Heizkörper und Isolierungen liebäugelt, kommt um Brennwert-Technik nicht herum.

4. Wie teuer sind Brennwert-Heizungen?

Im Schnitt sind moderne Brennwert-Apparate rund 600 bis 800 Euro teurer als konventionelle NT-Anlagen. Dafür haben sie aber auch niedrigere Warungskosten und eine höhere Effizienz. Viele Monteure verkaufen trotzdem lieber die alte Technik. Der Grund: "Die Monteurrabatte auf die alten NT-Geräte sind um mehr als 20 Prozent höher", verrät ein Branchenkenner. So bleibt trotz des niedrigeren Verbraucher-Endpreises mehr Marge in der Kasse der Installateure. Die wittern nach zuletzt eher flauem Geschäft ohnehin Morgenluft: "Der Modernisierungszwang wird die Preise insgesamt nach oben treiben", glaubt ein Heizungsbau-Meister aus Hamburg. Verbraucherfreundlicher Tipp oder bloß Panikmache, um mit kurzentschlossenen Neukunden die aktuelle Flaute besser zu meistern? Vermutlich von beidem etwas. Klar ist aber: Für Eigentümer, die modernisieren müssen oder dies ohnehin geplant haben, bringt allzu langes Abwarten keine ersichtlichen Vorteile. Denn die aktuellen Finanzierungsbedigungen könnten kaum günstiger sein.

5. Wie wird die neue Heizung finanziert?

Für den Einbau von Brennwert- und Niedertemperaturheizungen vergibt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zinsgünstige Kredite im Rahmen des CO2-Minderungsprogramms. Beispiel: Ein Darlehen über 5.000 Euro kostet bei einem KfW-Zins von 3,15 Prozent und einer Laufzeit von fünf Jahren vierteljährlich 333,83 Euro (individueller Zinsrechner unter www.kfw.de). Vorteil: Das Darlehen kann jederzeit vorzeitig zurückgezahlt werden. Noch günstigere Konditionen für Modernisierer verspricht das neue KfW-Kreditprogramm, das als Teil ihrer so genannten "Agenda 2010" von der Bundesregierung initiiert worden ist. Hier soll der Anfangszins unter drei Prozent liegen.

Frank Donovitz
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