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Cal-Nev-Ari in Nevada: Abgelegenens Wüstendorf steht zum Verkauf

Wer träumt nicht manchmal davon, irgendwo ganz neu anzufangen? Ein Wüstendorf in Nevada könnte die perfekte Gelegenheit dafür sein - wenn man das nötige Kleingeld hat. Dafür bekommt man ein Casino, ein Motel und sogar eine eigene Landebahn.

Nevada

Cal-Nev-Ari wurde nach seiner Lage im Dreieck der Staaten Kalifornien, Nevada und Arizona benannt

Nancy Kidwell hat eine Ortschaft in der Wüste zu verkaufen - komplett mit Casino, Start- und Landebahn, Restaurant, Bar und Motel. Vor rund 50 Jahren hatte die heute 78-Jährige die Siedlung im Südwesten der USA zusammen mit ihrem damaligen Mann hochgezogen, jetzt will sie ein neues Leben anfangen. Das staubige Dorf im Bundesstaat Nevada heißt Cal-Nev-Ari, zählt 350 Einwohner und verfügt auch über einen Gemischtwarenladen sowie Parks für Wohnwagen und Wohnmobile. Der Kaufpreis: acht Millionen Dollar (7,15 Millionen Euro).

Kidwell ist Bürgermeisterin und Polizeichefin in Personalunion und auch die einzige Arbeitgeberin von Cal-Nev-Ari. Die rüstige Witwe ist ihre Sieben-Tage-Wochen aber schon seit Jahren leid. Ein erster Versuch, den 120 Kilometer südlich von Las Vegas gelegenen Ort zu verkaufen, scheiterte vor einigen Jahren, als der Immobilien- und Grundstücksmarkt in seine schwere Krise geriet.

Lebensprojekt Wüstendorf: Diese Kleinstadt steht zum Verkauf - doch das Angebot hat einen Haken


"Die ganze Sache hat sich verbreitet wie ein Lauffeuer"

Doch diesmal ist die gertenschlanke Seniorin optimistisch, dass der Verkauf klappt: "Mein Makler sagt mir, die ganze Sache hat sich verbreitet wie ein Lauffeuer" und finde im Internet ein rapide wachsendes Interesse. Sollte Cal-Nev-Ari einen neuen Besitzer finden, so wird dies für Kidwell allerdings ein bittersüßes Geschäft - zwar freut sie sich darauf, nicht mehr zu arbeiten und endlich reisen zu können, doch schwingt auch Wehmut mit.

Cal-Nev-Ari

Die Start- und Landebahn von Cal-Nev-Ari im US-Bundesstaat Nevada


Ihr erster Mann hatte seinerzeit als Pilot das Terrain an der Südspitze von Nevada mit einer von der Armee aufgegebenen Start- und Landebahn zufällig entdeckt, als er von seiner Flugroute abgekommen war. Begeistert von der Schönheit der Wüstenlandschaft beschloss das Paar, sich mitten im Nichts eine neue Existenz aufzubauen.

Die Aussteiger lebten anfangs in einem heruntergekommenen Wohnwagen, der von Cowboys zurückgelassen worden war, transportierten ihr Wasser in großen Tonnen heran und arrangierten sich so gut wie möglich mit ihren zahlreichen "Nachbarn" - Ratten, Hasen, Kojoten und frei herumlaufenden Rindviechern.

Viele Glücksspieler reisten in Privatflugzeugen an

Die Kidwells gruben Brunnen, sorgten für Strom, bauten den Wohnwagenpark und eine Tankstelle. Später kamen Casino, Hangars und das Motel hinzu. Andere Menschen zogen her. Die Behörden richteten eine Post und eine Feuerwache ein.

Cal-Nev-Ari

Der Weg nach Cal-Nev-Ari: Das Dorf in der Wüste steht für 7,15 Millionen Euro zum Verkauf.


Cal-Nev-Ari, das nach seiner Lage im Dreieck der Staaten Kalifornien, Nevada und Arizona benannt ist, wurde zwar nicht zu einer solch gigantischen Erfolgsgeschichte wie die Glücksspiel- und Vergnügungsmetropolen Las Vegas und Reno. Aber der Ort war durchaus eine Attraktion. Viele Glücksspieler reisten in Privatflugzeugen an - ein Großteil traf nachmittags ein und flog schon am selben Abend wieder ab. "Sieben Stunden Spaß" lautete damals der Werbeslogan des Ortes.

Heute sind die besten Zeiten von Cal-Nav-Ari vorbei, wenn auch weiterhin so manche Besucher im Flugzeug eintreffen. Nancy Kidwell weiß nicht, was aus dem Ort wird, wenn er einmal verkauft ist. Die bisherigen Interessenten hätten unter anderem von erneuerbaren Energien, einem Wassersportpark, einer Ferienranch oder einer Schule für Überlebenstraining gesprochen.

Kidwells Ehemänner in Cal-Nev-Ari begraben

Sie selber werde nach dem Verkauf erfahren, wie es sei, "wenn du plötzlich nicht mehr jeden Tag um fünf Uhr aufstehen musst, um die Arbeit zu schaffen", sagt Seniorin. In ihrem neuen Leben will sie durch die USA reisen, aber ihren Wohnsitz in Cal-Nev-Ari behalten.

Nancy Kidwell mit Stammkunden: Einst gründete sie Cal-Nev-Ari mit ihrem verstorbenen Mann. Nun will sie verkaufen.

Nancy Kidwell mit Stammkunden: Einst gründete sie Cal-Nev-Ari mit ihrem verstorbenen Mann. Nun will sie verkaufen.


An dem Ort hängt sie auch deshalb, weil hier ihre beiden Ehemänner begraben sind. Ihr erster, 34 Jahre älterer Mann verstarb 1983. Später heiratete sie dessen Sohn aus früherer Ehe, der hergezogen war, um sich um seinen kranken Vater zu kümmern. Ihr zweiter Mann starb vor fünf Jahren. Wenn auch sie einmal stirbt, will Nancy Kidwell mitten in der Wüste an der Seite ihrer beiden Männer beerdigt werden.

amt / AFP
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