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Versteigerung von Poveglia: Venedigs Dämoneninsel kommt unter den Hammer

Düstere Legenden umranken die Insel Poveglia vor Venedig, nun soll sie verscherbelt werden. Den Bürgern passt das aber überhaupt nicht: Mehr als die Geister fürchten sie weitere Luxushotels.

Von Daniel Bakir

Auf Poveglia steht ein verlassenes Krankenhaus, in dem die Geister der Verstorbenen umherspuken sollen

Auf Poveglia steht ein verlassenes Krankenhaus, in dem die Geister der Verstorbenen umherspuken sollen

Es sind gruselige Geschichten, die sich um die verlassene Insel Poveglia ranken. Das 72.000 Quadratmeter große Eiland vor Venedig gilt als verflucht. Geister sollen dort ihr Unwesen treiben, Menschen ist der Zutritt verboten. Die Insel wird als "der verfluchteste Ort der Welt" bezeichnet oder als "Island of Madness". Weil der italienische Staat Poveglia nun meistbietend verkaufen will, ist ein Streit um die Zukunft der Insel entbrannt. Denn trotz der schrecklichen Vergangenheit ist die Hölleninsel auf einmal begehrt.

Im 18. Jahrhundert diente Poveglia als Quarantänestation für Menschen mit ansteckenden Krankheiten. Seitdem sollen die Geister der elendig zugrunde Gegangenen die Insel heimsuchen. Wenig dienlich für den Ruf der Insel war auch das Krankenhaus für Geistesgestörte, das von 1922 bis 1968 dort betrieben wurde. Es gibt Geschichten von geheimen Experimenten, die ein irrer Direktor dort mit den Patienten durchgeführt haben soll, bevor der sich - natürlich von Geistern besessen - schließlich selbst vom Krankenhausturm stürzte. Seit den 70ern ist die Insel unbewohnt und man könnte meinen, dass es auch niemand so schnell dort hinzieht.

Die Betten in der einstigen psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses rotten vor sich hin

Die Betten in der einstigen psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses rotten vor sich hin

Doch wie verflucht die Insel auch sein mag, rational betrachtet handelt es sich wegen der Nähe zu Venedig um eine äußerst attraktive Immobilie. Die will der klamme italienische Staat nun zu Geld machen. Bei einer großen Online-Auktion am 6. Mai kommt die Geisterinsel unter den Hammer - ebenso wie Dutzende andere Besitztümer des Staates, darunter eine Burg aus dem 15. Jahrhundert an der slowenischen Grenze und ein historisches Kloster in Puglia.

Das wiederum gefällt vielen Bürgern überhaupt nicht. Denn wenn es eins gibt, was die Venezianer noch mehr fürchten als spukende Unholde, dann sind es weitere Luxushotels, die die Gegend verschandeln. Ein solches könnte dort entstehen, wenn bei der Versteigerung ein potenter Investor zum Zuge kommt. Einige Venezianer haben daher den Verein "Poveglia per tutti" gegründet, um die Insel selbst zu ersteigern. Mit 99 Euro kann man sich an dem Projekt beteiligen. Mit dem Geld sollen die 99-jährigen Pachtrechte der Insel erworben werden. Der Verein möchte die Grünflächen Poveglias in öffentliche Parks und Stadtgärten umwidmen und frei zugänglich machen. Damit die Insel nicht nur Geistern und reichen Hotelgästen zur Verfügung steht, sondern allen Menschen.

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