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Berufsalltag: Teams sind "in"

Wie gerne arbeiten die Deutschen mit anderen? Die Akademie für Führungskräfte testete den vielbeschworenen "Mythos Teamarbeit". Ergebnis: Sie ist beliebter, als viele denken.

Team, das ist neudeutsch für "Toll, Ein Anderer Macht's". So dachten wohl auch die Experten der Bad Harzburger Akademie für Führungskräfte vor ihrer Studie. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Nur 7,5 Prozent der befragten 376 Führungskräfte stimmen dieser Aussage zu. Die Studie belegt: Teamarbeit ist nicht nur weit verbreitet, sondern auch sehr beliebt. 95 Prozent der Befragten arbeitet in kurzfristig zusammengesetzten Teams, achtzig Prozent in langfristigen. Das Institut fragte nach Zielen, Planung und Motivation der Teilnehmer. Fest steht: Je mehr Zeit die Befragten im Team verbringen, desto wohler fühlen sie sich. Und das gilt für immerhin 97 Prozent der Teilnehmer.

Doch trotz aller Euphorie sind sich nur wenige bewusst, welche Chancen Teamarbeit auch für die persönliche Entwicklung bietet. Die Hälfte der Befragten sieht den Hauptvorteil darin, "mit anderen gemeinsam mehr zu erreichen als allein". Nur 14,8 Prozent freuen sich darüber, ihre "persönlichen Fähigkeiten besser einbringen" zu können.

Sind Sie ein guter Teamarbeiter?

Einstimmung auf Visionen und Ziele

Daniel F. Pinnow, Geschäftsführer der Akademie für Führungskräfte, hält das jedoch für einen zentralen Punkt: "Teams können nur dann optimal zusammenarbeiten und beste Ergebnisse erzielen, wenn sie auf Visionen und Ziele eingestimmt sind. Nur wer weiß, dass seine persönlichen Ziele und die Ziele des Unternehmens im Einklang stehen, bringt sich voll ein."

Außerdem kritisiert der Experte den Missbrauch des Wortes "Team": "'Wir arbeiten alle in einem Team' - diese Aussage dient oft als harmonischer Deckmantel und Ausrede, die tatsächlichen Probleme offen anzusprechen." Tatsächlich bemängeln auch die Befragten eine Reihe von Faktoren, die ein scheinbar gut funktionierendes Team zum Scheitern bringen können. Für 97 Prozent stehen "Kommunikationsschwierigkeiten" an oberster Stelle. 94 Prozent sehen eine "unklare Auftragsvergabe an das Team" als Hindernis für eine gute Zusammenarbeit und 91 Prozent vermissen eine "Kultur der Zusammenarbeit" gänzlich.

Ohne Vertrauen zueinander geht gar nichts

Fehlen Offenheit und Vertrauen, kann ein Team nicht arbeiten. "Was im Organigramm nach friedlichem Miteinander aussieht, ist in Wahrheit ein unausgesprochener Kampf der Individuen", erklärt Pinnow. Die Arbeitsgruppe läuft regelrecht in die "Teamfalle". Den befragten Führungskräften ist dies durchaus bewusst. 90 Prozent von ihnen geben unausgesprochenen Konflikten als häufige Ursache dafür an, dass Teamarbeit scheitert. Nur die Hälfte der Befragten glaubt, dass offen ausgetragene Konflikte die Arbeit behindern.

Soll Teamarbeit gelingen, spielt "die richtige Mischung" eine wichtige Rolle. Treffen zu viele ähnliche Charaktere aufeinander, kann Arbeit in einer Sackgasse enden. Pinnow empfiehlt: "Ausgleichende Moderatoren sind ebenso gefragt wie tatkräftige Macher und akribische Perfektionisten." Nach ihrer Selbsteinschätzung gefragt, beurteilten sich 22 Prozent der Teilnehmer als ruhige, selbstsichere "Chairmen", die Gruppenziele definieren und Termine setzen. Immerhin 18,7 Prozent sahen ihre Rolle im Team als Macher und halten sich laut Studiendefinition für "stark angespannte und dynamische" Menschen, die keine Trägheit oder Selbsttäuschung dulden. Nur 6,7 Prozent gaben zu, Perfektionisten zu sein. Der Experte rät, auch auf das Geschlechterverhältnis zu achten. Macher- und Umsetzer-Typen sind eher unter Männern zu finden, Wegbereiter und Perfektionisten schreiben sich die weiblichen Teilnehmer auf die Fahne.

Arbeitgeber müssen Potential auch nutzen

Doch nützen kritische Selbsteinschätzung und Motivation nichts, wenn die Arbeitgeber die positive Einstellung ihrer Mitarbeiter nicht nutzen. Laut den Befragten ist dies eher selten der Fall. Nur 34 Prozent von Ihnen erhielten die Möglichkeit ein Teamtraining zu besuchen.

"Wenn Teams nicht langfristig entwickelt werden und den notwendigen Raum erhalten, um sich ihren eigenen Weg des Miteinanders zu suchen, können unausgesprochene Konflikte und unübersehbare Missstimmungen schnell das Gesamtergebnis torpedieren", weiss Daniel F. Pinnow. Sein Fazit lautet: "Ein Team ist erst dann eine Lösung, wenn es selbst zu eigenen Lösungen kommt."

Maike Dugaro
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