HOME

Ausgenutzt statt ausgebildet?

Akademiker haben auf dem Arbeitsmarkt deutlich bessere Chancen als Bewerber ohne Examen. Dennoch schaffen viele den Sprung vom Hörsaal in einen Job nicht ohne ein Praktikum - und dort sind schlechte Arbeitsbedingungen die Regel.

Zwischen Studium und Job liegt neuerdings ein - meist ungeliebter - Zwischenschritt: das Praktikum. Immerhin 37 Prozent der Uni-Absolventen machen nach dem Examen ein Praktikum, elf Prozent auch zwei, wie aus einer Studie der Düsseldorfer Hans-Böckler-Stiftung hervor geht. Die Existenz der viel zitierten "Generation Praktikum", die trotz bester Voraussetzungen keine bezahlte Beschäftigung finde, belegen diese Zahlen aber nicht.

Die Hälfte der Praktika ist unbezahlt

Praktikanten, die sich als schlecht oder gar nicht bezahlte Arbeitskraft eher ausgenutzt als ausgebildet fühlen, dürfen sich allerdings durch die Studienergebnisse bestätigt sehen. Knapp die Hälfte der Praktika ist unbezahlt, für die übrigen gibt es im Durchschnitt eine monatliche Aufwandsentschädigung von 600 Euro. Dabei dauern die bezahlten Praktika in der Regel sechs Monate, die unbezahlten sind im Durchschnitt nur einen Monat kürzer.

Wer sich auf ein unbezahltes Praktikum einlässt oder einlassen muss, sollte darauf achten, dass wenigstens die übrigen Bedingungen stimmen. An erster Stelle steht dabei ein Praktikumsvertrag, in dem Dauer des Praktikums, Arbeitszeiten, Regelungen bei Krankheit und der Anspruch auf ein qualifiziertes Praktikumszeugnis fest gelegt sind.

Datenbank mit Erfahrungsberichten

Außerdem muss das Verhältnis von eigener Arbeitsleistung und Ausbildungsleistung des Arbeitgebers stimmen. Vorsicht ist dann geboten, wenn der Arbeitgeber einen hohen Arbeitseinsatz einfordert und dafür eine Festanstellung in Aussicht stellt. Häufig stellt sich das vermeintliche Angebot als leeres Versprechen heraus und der desillusionierte Praktikant wird nach zahlreichen Überstunden, Nacht- und Wochenendeinsätzen einfach gegen den nächsten Bewerber ausgetauscht.

Um Praktikanten vor derartigen Enttäuschungen zu bewahren, hat die Initiative Fairwork im Internet eine Datenbank aufgebaut (fairwork-verein.de), die einen Überblick über die Arbeitsbedingungen in mittlerweile rund 100 erfassten Unternehmen gibt. Dabei enthalten die Erfahrungsberichte der Ex-Praktikanten neben geldwerten Informationen auch echtes Insiderwissen ("...das Arbeitsklima war gut, so lange die Chefin nicht da war"), das für künftige Praktikanten wertvoll sein kann.

Hendrik Roggenkamp/DDP/DDP
Weitere Themen

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren