Jobsuche online Auf den Spuren der Personalchefs


Wir verraten, warum Einblick in die Stellenbörsen-Vorlieben der Unternehmer hilfreich und der Blick auf die Firmenhomepage wichtig ist.

Jobsuche übers Internet ist keine Geheimwissenschaft mehr, sondern die nächstliegende Möglichkeit. Dabei führen verschiedene Wege zum Ziel: Online-Jobbörsen bieten Zugriff auf viele Daten, konfrontieren den Bewerber aber auch mit mehr veralteten Angeboten oder von vornherein uninteressanten Massenpostings. Sich durch eine Unternehmenswebseite nach der anderen zu klicken, kostet Zeit und damit Geld. Manchmal stößt der eifrig Suchende auf nicht mehr als eine allgemeine E-Mail-Adresse. Und Online-Formulare für Bewerber bringen zwar hoffentlich gleich nach Absenden den Stein ins Rollen, erfordern aber ein bisschen Geduld beim Ausfüllen. Was für die Jobsuchenden gilt, ist auch bei den Unternehmen an der Tagesordnung. E-Recruiting, die Personalbeschaffung via Internet, erfreut sich bei den Unternehmen zunehmender Beliebtheit, sagt Prof. Dr. Wolfgang König von der Uni Frankfurt und führt dies auf den vereinfachten Umgang mit dem Medium zurück. Die Einfachheit und die Schnelligkeit von Bewerbungsverfahren über das Internet führen auf der Seite der Firmen zu deutlichen Aufwands- und Kostenersparnissen. 67 Prozent der Personalchefs sind von den niedrigeren Kosten bei einer Online-Ausschreibung begeistert, für jeden zweiten ist sie zukunftsweisend. So lautet zumindest das Ergebnis einer Befragung von 156 Unternehmen durch die Online-Jobbörse StepStone im März.

Wie Personalchefs wählen gehen

Dank einer aktuellen europaweiten Studie in sieben Ländern hat StepStone auch herausgefunden, nach welchen Kriterien Unternehmer die Onlinebörse ihres Vertrauens wählen. Dieses Wissen ist für Jobsuchende interessant - wer weiß, wo sich die Personalchefs gerne aufhalten, weiß auch, wo er sich umschauen oder seinen Lebenslauf hinterlegen sollte. 66 Prozent der deutschen Personalchefs beispielsweise halten die Besucherzahlen einer Jobbörse für eine zentrale Entscheidungsgrundlage, wenn sie über das Schalten einer Anzeige nachdenken. Ihre europäischen Kollegen interessiert das nur am Rande. Noch ein deutsches Phänomen: Mehr als 80 Prozent der deutschen Unternehmen entscheiden sich primär nach der Qualität der eingehenden Bewerbungen. Für Arbeitgeber in Nachbarländern ist das mit Bewertungen zwischen 35 (Italien) bis 63 (Dänemark) Prozent nicht der ausschlaggebende Punkt – statt ein oder zwei herausragende Kriterien hervorzuheben, bewerten sie viele Aspekte als ungefähr gleich wichtig.

In-Projekt Bewerbungsformular

Vor diesem Hintergrund wird nachvollziehbar, warum deutsche Firmen in Stellenanzeigen lieber auf ihre Homepage verweisen als eine E-Mail-Adresse zu nennen. Denn per E-Mail, so die Erfahrung der Unternehmen, kommt vieles herein, was stark nach Massenbewerbung aussieht: keine individuelle Ansprache, unvollständige Angaben, kein Hang zur Rechtschreibung. Viel Sortierungsaufwand, wenn man bedenkt, dass E-Mails rund 60 Prozent aller Online-Bewerbungen ausmachen. Auf der Homepage dagegen findet der Bewerber ein Online-Bewerbungsformular, welches er so komplett wie möglich ausfüllen muss. Das dürfen ruhig mehr Angaben als diejenigen in den Pflichtfelder sein, denn eine solche Bewerbung bietet nicht viele Chancen, sich aus der Masse abzuheben. Das erwünschte Ergebnis sind weniger Bewerbungen, die mehr Engagement vom Bewerber gefordert haben und leichter auszuwerten sind. Eine andere Möglichkeit: Man tut sich zusammen und gründet seine eigene Börse, um die Zielgruppe von vornherein besser abzugrenzen. Diesen Weg haben Anfang April gleich 27 namhafte Unternehmen mit ihrem Portal 'Jobstairs' eingeschlagen.

Benutzerfreundlichkeit für alle

Die Benutzerfreundlichkeit einer Onlinebörse spielt für Arbeitgeber und Arbeitsuchende in gleicher Weise eine große Rolle - übersichtliches Menü, ein schneller Überblick über das Angebot, klare Suchfunktionen und Geschwindigkeit. Von den Unternehmen in Deutschland wurde dieser Punkt mit 78 Prozent an Platz zwei eingestuft, und auch die europäischen Nachbarn legen darauf zu rund 65 Prozent besonderen Wert. Zusätzlich spielt für Arbeitgeber ein gutes Preis-Leistungsverhältnis eine sehr wichtige Rolle. Für die Deutschen etwas mehr (65 Prozent), für die Skandinavier schon deutlich weniger (45 Prozent). Komplette Einigkeit gab es in einem Punkt: Zusatzinformationen wie Nachrichten, Reportagen oder Gehaltsübersichten interessieren Arbeitgeber wenig und locken sie zu keiner Stellenbörse. Obwohl sich die potenziellen Bewerber gerade wegen dieser Art von Informationen gerne dort tummeln.

Suche, so sollst du finden ...

Wie also findet der Suchende den optimalen Weg für seine Bewerbung? Eine oder mehrere Stellenbörsen, die den obigen Wünschen der Arbeitgeber entsprechen, sind ein guter Ausgangspunkt. Ein regelmäßiger Blick darauf kostet nicht allzu viel Zeit, oft kann man einen Lebenslauf hinterlegen. Verweist ein Unternehmen dort auf seine Homepage, sollte man sich gleich einmal umschauen, ob es dort neben den Unternehmensinformationen auch ein Online-Bewerbungsformular gibt. Das kann schon ein Hinweis darauf sein, dass die Personalabteilung das Formular vorziehen würde. Nutzen Sie die genauen Erfassungsmöglichkeiten der Formulare - so können Sie sicher gehen, dass Sie nur solche Fragen beantworten, die das Unternehmen auch interessieren. Manchmal entfallen auf diesem Weg auch die von vielen als unangenehm empfundenen Anschreiben. Unterlagen wie Zeugnisse und Bescheinigungen kann man oft hochladen und in die Bewerbung einfügen.

Das Mail-Motto

Kein Fragebogen zu finden? Dann ist eine E-Mail immer dann legitim, wenn in der Ausschreibung auch eine entsprechende E-Mail-Adresse angegeben war. Defizite rächen sich auch bei einer E-Mail-Bewerbung - ein persönliches Anschreiben, verständliche Sprache und eine gute äußere Form sind unverzichtbar. Denn eines muss man in der Computerwelt bedenken: Der Klick auf die Löschtaste im Mailprogramm ist noch leichter als das Aussortieren einer Bewerbungsmappe.

Claudia Fudeus

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