Airbus A 400 M Militärtransporter bleibt am Boden

Schon wieder Probleme beim europäischen Flugzeugbauer Airbus. Nach Verzögerungen beim neuen Passagierjet A 380 kommt es jetzt auch bei der Entwicklung des Militärtransporters A 400 M zu Verspätungen. Der Jungfernflug, der für dieses Jahr geplant war, wurde jetzt gestrichen. Schuld sind offenbar Probleme bei der Triebwerkentwicklung.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat die Entwicklung seines neuen Militärtransporters nach wie vor nicht im Griff. Wie die Airbus-Muttergesellschaft EADS am Donnerstag einräumte, wird der A 400 M nicht wie zuletzt geplant noch in diesem Jahr zu seinem ersten Flug abheben. Das Triebwerk sei noch nicht einsatzbereit, hieß es zur Begründung.

Vorerst keinen neuen Termin für Jungfernflug

Einen neuen Termin für den Jungfernflug nannte EADS nicht. Auch die finanziellen Auswirkungen der erneuten Verschiebung seien noch nicht bezifferbar, hieß es. An der Prognose für 2008 hielt der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern fest. Allerdings drohen im Falle von Verschiebungen - wie schon beim Super-Airbus A 380 - hohe Strafzahlungen.

Ursprünglich sollte der A 400 M bereits im Januar zum ersten Mal abheben. Doch der Erstflug wurde immer wieder verschoben, stets begleitet von der Einschränkung, dass die Einhaltung des neuen Termins eine "Herausforderung" sei. Verantwortlich für die Verzögerung machte EADS die Entwicklung der riesigen Propellertriebwerke - die größten ihrer Art. Entwickelt wird das Triebwerk vom Konsortium Europrop International (EPI), zu dem neben Rolls Royce und der französischen Safran auch der Münchener Hersteller MTU Aero Engines gehört.

EPI hatte sich 2003 mit seiner kompletten Neuentwicklung auch auf politischen Druck gegen das Konkurrenzprodukt der kanadischen Firma Pratt & Whitney durchgesetzt. "Es ist ein Schlamassel. Es wurden im frühen Stadium zu viele politische Entscheidungen getroffen", sagte eine mit dem Projekt vertraute Person. Die Triebwerkshersteller haben sich bislang gegen den Vorwurf gewehrt, alleine für die Verzögerungen verantwortlich zu sein. Das Test-Triebwerk sei pünktlich geliefert worden, hieß es aus dem Umfeld des Konsortiums.

Ein neues Datum für den Erstflug macht EADS von den Testreihen am fliegenden Prüfstand abhängig. Dabei wird eines der Triebwerke an ein anderes Flugzeug angebracht und im Flug getestet.

Bestellungen über 192 Maschinen

Insgesamt haben neun Nationen 192 Maschinen bestellt, darunter Deutschland mit 60 Orders. Das Bundesverteidigungsministerium reagierte gelassen auf die neue Ankündigung. Das Haus gehe weiter von einer Lieferung der ersten Maschinen an die Bundeswehr Mitte 2011 aus, sagte ein Sprecher. Zugleich beharrte das Ministerium auf den Vereinbarungen mit EADS. "Wir gehen von der Gültigkeit der Verträge aus", sagte der Sprecher. Die Verträge sehen Strafzahlungen und eine Stornierungsklausel vor, wenn Leistungen nicht zeitgerecht erbracht werden. In Medienberichten ist davon die Rede, dass die Besteller bei mehr als zehnmonatiger Verzögerung ihre Order stornieren können.

Manager beklagen sich über 20-Milliarden-Euro-Festpreis

Mehrfach haben sich Airbus- und EADS-Manager über den vereinbarten Festpreis des 20 Milliarden Euro schweren Projekts beklagt. Dies sei ein Fehler gewesen, hieß es. Nun drohen mit der Verzögerung weitere hohe Strafzahlungen. EADS-Chef Louis Gallois hatte einem "Spiegel"-Bericht zufolge zuletzt sogar mit einem Aus für das komplette Projekt gedroht, wenn die Abnehmer ihren Anspruch auf Strafzahlungen nicht aufgeben. Der A 400 M sei ohnehin schon ein hochgradig negatives Geschäft, zitierte das Magazin aus dem Brief.

Reuters Reuters

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