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Technologie: Ruhe in Frieden, Dash-Button - denn Amazon verdient jetzt auf lukrativerem Weg Geld

Der Dash-Button von Amazon hat sich nicht durchgesetzt und wird eingestellt. Kein Grund zur Panik im Hause Amazon - denn längst gibt es bequemere Methoden, um Geld zu machen. Ohne, dass die Kunden es wissen.

Dash Button wird abgeschafft

Amazon zieht seinem Dash-Button den Stecker. 

Picture Alliance

Es hätte auch ein Aprilscherz sein können. Und einige Experten hielten es wohl für genau das: einen schlechten Scherz. Am 1. April 2015 startete Amazon seinen Dash-Button, einen kleinen Knopf, mit dem Kunden Waschmittel, Katzenfutter oder Kapselkaffee mit einem Drücker nachordern konnten. Ein Knöpfchen, verbunden mit dem Internet und dem Amazon-Kundenkonto, sollte den Einkauf erleichtern. Einmal drücken - und schon ist die Lieferung unterwegs. Das Waschmittel wird knapp? Kein Problem, bitte einmal drücken. Die Katze hat Hunger? Dann schnell den Knopf betätigen.

Nun stellt Amazon diesen Dienst wieder ein. Denn er hatte Kinderkrankheiten: Die Preisgestaltung war nicht transparent, Kunden bekamen bei diesem Verfahren nicht immer die besten Preise. Über die Gründe für das Aus schweigt Amazon. Doch offenbar waren es nicht genug Kunden, die das Knöpfchen drückten. Täglich wurden nur einige Tausend Artikel über den Knopf verkauft. Bei weltweit rund 100 Millionen Prime-Kunden erschreckend wenig. Doch viel wichtiger: Amazon braucht den Drücker nicht mehr. Längst hat der Handelsriese Wege gefunden, um Produkte zu verkaufen - ohne, dass sich Kunden anmelden müssen. Oder einen Kaufvorgang bewusst starten.

Der Replenishment Service von Amazon greift viel schneller als es ein Dash Button je konnte. Denn beim Knopf mussten die Kunden erkennen, dass das Waschmittel ausgeht oder das Katzenfutter knapp wird und aktiv werden. Und zwischen der leeren Schachtel mit Kaffeepads und der Nachlieferung vergingen ein paar Tage. Das neue Angebot (übersetzt: Nachschub-Service) überspringt diesen Moment der leeren Box und ordert für die Kunden selbstständig. Dafür muss der Amazon-Nutzer seine Haushaltsgeräte wie Drucker oder Waschmaschinen mit dem Service verbinden. Damit sind die Maschinen online und haben einen direkten Zugang zum Amazon-Konto samt Bezahlfreigabe. Geht die Druckerpatrone zu Neige, bestellt sich der Drucker eine neue. Der Kunde braucht nichts mehr machen. 

Kaffeepads, Zahnbürstenköpfe, Spülmaschinentabs: Der Dienst wird wohl gut angenommen. Laut Amazon habe sich die Zahl der Käufe über diesen Service von 2017 auf 2018 verdoppelt. 

Abo-Modell von Amazon

Kaufen, ohne bewusst zu kaufen und zu bezahlen - das scheint ein wichtiger Hebel für Amazon zu sein. Ganz ähnlich funktionieren die kleinen Läden Amazon Go. Dort registrieren Kameras und Sensoren, was ein Kunde in seinen Einkaufskorb legt. Und statt mit Geldscheinen oder Kreditkarten hantieren zu müssen, geht der Kunde einfach mit den Einkäufen aus dem Laden. Bezahlt wird vollautomatisch. 

Amazon selbst schrieb über das Ende des Dash-Buttons: "Mit Dash Replenishment haben wir weltweit Hunderte von Geräte auf den Markt gebracht, die das Wesentliche automatisch nachbestellen, so dass die Kunden sich gar keine Gedanken darüber machen müssen."

Amazons automatischer Nachfüllservice birgt Gefahren

Doch diese Bequemlichkeit ist gefährlich. Denn der Kunde verliert seine Käufe aus dem Blick. Laut einer US-Untersuchung unterschätzen 84 Prozent der Amerikaner, wie viel Geld sie für digitale Angebote ausgeben. Für die Studie wurden Menschen gebeten, ihre monatlichen Ausgaben für Abos, Nachfüllservices, Streamingdienste und Co. einzuschätzen. Die Probanden glaubten, dass sie rund 111 Dollar dafür ausgeben würden - doch tatsächlich sind es mehr als 237 Dollar pro Monat. Also mehr als doppelt so viel, wie die Menschen geschätzt haben.

Wer bar bezahlt, sieht wie das Geld aus dem Portemonnaie verschwindet. Wer erst einen Bestellvorgang abschließen muss, sieht den Betrag, der abgebucht wird. Unsichtbare Abomodelle können da schneller zur finanziellen Falle werden. Der Dash-Button war zwar ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einem solchen Modell - doch da musste der Kunde zumindest noch einen Knopf drücken. 

Amazon wird ein bisschen zur Bank
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