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NS-Hetzschrift: Amazon verbannt Hitlers "Mein Kampf" aus dem Sortiment

Wer eine Ausgabe von Adolf Hitlers "Mein Kampf" haben will, kann diese im Internet bekommen – auch über Amazon. Doch damit soll nun Schluss sein. Der Online-Versender hat die Hetzschrift aus dem Sortiment verbannt.

Mein Kampf

Es hat mehr als 20 Jahre gedauert, doch nun haben es Holocaust-Bildungseinrichtungen und jüdische Organisationen geschafft: Amazon nimmt "Mein Kampf", die autobiografische Hetzschrift des früheren Nazi-Führers Adolf Hitler, aus dem Sortiment. Was in Deutschland ohnehin schon galt, soll nun auch auf den internationalen Seiten des Internetriesen gelten – und für alle Händler, die Amazon Market Place als ihre Verkaufsplattform nutzen.

Wie der britische "Guardian" berichtet, sind alle Fremdanbieter informiert worden, dass sie die antiquarischen Ausgaben von "Mein Kampf" nicht weiter anbieten dürften. Der Bann beinhaltet laut dem Bericht auch die zahlreichen E-Book-Ausgaben der Hetzschrift sowie neben anderen die Version des indischen Verlags Jaico, der damit einen in dieser Form unerwartet großen Erfolg feierte. Zudem ist eine englischsprachige Autorenseite über Hitler auf Amazon nicht mehr erreichbar. Die Händler seien von Amazon per E-Mail informiert worden, dass es gegen den Verhaltenscodex verstoße, "Mein Kampf" zu verkaufen.

Kritische Ausgabe von "Mein Kampf" bleibt im Sortiment

Neben Hitlers Buch wurde vor einiger Zeit offenbar bereits der Verkauf weiterer Nazi-Hetzschriften untersagt. Der "Guardian"-Bericht nennt als Beispiel vor allem das antisemitische Kinderbuch "Der Giftpilz", das im Original und in Übersetzungen angeboten worden sei. Es erschien 1938 im Stürmer-Verlag von Julius Streicher, dem Herausgeber der NS-Wochenzeitung "Der Stürmer". Streicher wurde in den Nürnberger Prozessen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt.

Die Verbannung solcher Hetzschriften und auch von "Mein Kampf" aus dem Amazon-Sortiment war immer wieder mit dem Hinweis auf die Freiheit von Information und Wissenschaft abgelehnt worden. Doch nun hat sich offensichtlich die Einsicht durchgesetzt, dass "Mein Kampf" für wissenschaftliche Zwecke in Fachbibliotheken eingesehen werden kann und die 2016 erschienene kritisch-kommentierte Ausgabe der Hitler-Schrift ohnehin für Lern- und Informationszwecke besser geeignet ist. Diese kritische Ausgabe ist auch weiterhin via Amazon erhältlich.

Hitler-Biografien weiter erhältlich

Das gilt auch für etliche Hitler-Biografien. Hier kann oder will der Online-Versender allerdings nur schwer unterscheiden zwischen seriösen Ausgaben und solchen, die Propaganda-Zwecken dienen. So findet sich unter den Angeboten auch die Hitler-Biografie des britischen Holocaust-Leugners David Irving.

Quellen: "Guardian", "Newsweek""Mic.com"

dho