AMD & ATI A und A gesellt sich gern


Der Prozessorhersteller AMD übernimmt den kanadischen Grafikchipentwickler ATI und stärkt sich so gegen den Riesenkonkurrenten Intel. AMD will nicht nur im PC-Bereich, sondern auch in den Wohnzimmern Land gewinnen.

Hochzeit im Land der Computerchips. Der amerikanische Mikroprozessor-Hersteller Advanced Micro Devices (AMD) übernimmt den kanadischen Grafikchip-Spezialisten ATI. Das Geschäft habe ein Volumen von 5,4 Milliarden Dollar (4,3 Milliarden Euro), teilte AMD mit. Das Unternehmen aus dem kalifornischen Sunnyvale werde alle ATI-Anteile für 4,2 Milliarden Dollar in bar und in Aktien übernehmen. Dafür sollen 57 Millionen AMD-Aktien den Besitzer wechseln. Die ATI-Aktionäre müssen noch zustimmen.

Durch die Fusion will AMD, der Hauptkonkurrent des Chipgiganten Intel, seinen Geschäftsbereich ausweiten. AMD ist vor allem bekannt als Hersteller von Hauptprozessoren ("Athlon") für Personal Computer und Notebooks, aber auch für Server. ATI entwickelt vor allem schnelle Grafikchips für PC-Grafikkarten (die "Radeon"-Reihe). Die Spezialchips sind besonders bei Computerspielen und Videospielkonsolen (Xbox 360) leistungsentscheidend. ATI baut auch Chips für Unterhaltungselektronik und Mobiltelefone.

Abseits des PC Land zu gewinnen, das ist es, was der Konzern ins Auge gefasst hat. AMD könnte bald auch bei Handys, Persönlichen Digitalen Assistenten und dem Multimedia-Bereich für Zuhause verstärkt mitmischen. Jochen Polster, Geschäftsführer von AMD Deutschland, sagt gegenüber stern.de: "ATI bringt Erfahrungen aus dem Bereich der Consumer Electronic mit ins Unternehmen, über die wir bisher nicht verfügen. Diese sind wichtig, da Unterhaltungselektronik und Computertechnik immer mehr zusammenwachsen. Wir hoffen, dass beide Firmen gemeinsam eine höhere Geschwindigkeit in der Entwicklung erreichen können." Der Zusammenschluss werde nach Darstellung von AMD-Konzernchef Hector Ruiz Wachstum und Innovationen für die gesamte Branche vorantreiben. AMD will durch den Zukauf auch der verstärkten Nachfrage nach "integrierten" Lösungen nachkommen. Die bisher getrennten Haupt- und Grafikprozessoren sollen irgendwann zu einem Bauteil zusammenwachsen.

Kann der Kunde weiter wählen?

Die Fusion verringert die Anzahl der Mitspieler in einem Markt, indem es sowieso schon vergleichsweise übersichtlich zuging. Auf der Seite der Hersteller von Hauptprozessoren für PC gibt es neben AMD nur Intel, den allerdings um ein vielfaches größeren Konkurrenten. Bei den Grafikprozessoren sieht es ähnlich aus, ATI hat nur einen großen Konkurrenten: Nvidia aus den USA. Bisher haben sich alle Firmen gegenseitig mit Komponenten beliefert. Nvidia und ATI stellen auch so genannte Chipssets für Hauptplatinen von PC her, die den Datenfluss zwischen den einzelnen Komponenten steuern. Diese Chips sind sowohl für Intel- als auch AMD-Hauptprozessoren im Angebot. Wird das in Zukunft auch der Fall sein? Oder wird AMD Fremdhersteller aussperren? AMD-Geschäftsführer Polster verneint. "Wir wollen weitere Partner haben. Wir stehen zu offenen Systemen, für die verschiedene Anbieter etwas entwickeln können." Der Kunde müsse die Wahl haben.

AMD wird nach dem ATI-Kauf zu einem Unternehmen mit rund 7,3 Milliarden Dollar Umsatz und 15.000 Beschäftigten. (Zum Vergleich: Intel verfügt über fast 100.000 Mitarbeiter) ATI hatte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 2,2 Milliarden US-Dollar und hat rund 4000 Mitarbeiter in Nord- und Südamerika, Europa und Asien. Für den AMD-Standort in Dresden habe die Fusion keine Folgen, versichert Polster. Der Name des Unternehmens wird AMD lauten, ob ATI als Marke weitergeführt werde, sei laut Polster noch unbekannt.

Ralf Sander mit Material von Reuters und DPA


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