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Analysten: Deutscher Aufschwung endet 2007

Wirtschaftsforscher und Politik sind sich einig: In Deutschland geht es wirtschaftlich wieder aufwärts. Doch eine regelmäßige Umfrage unter 300 Analysten kommt zu einem anderen Ergebnis.

Hat der Wirtschaftsaufschwung seinen Höhepunkt schon überschritten? Glaubt man den Analysten, dann lautet die Antwort ja. Denn nach Einschätzung der Finanzmärkte steuert die Konjunktur im kommenden Jahr wegen der Mehrwertsteuererhöhung und der Abkühlung der Weltwirtschaft in schwieriges Fahrwasser. Die Erwartungen der monatlich vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten rund 300 Analysten und institutionellen Anleger auf Sicht von sechs Monaten trübten sich deutlich ein, wie das ZEW jetzt mitteilte.

Das Erwartungsbarometer sank auf minus 5,6 von plus 15,1 Punkten. Der Index fiel damit den siebten Monat in Folge und erreichte den niedrigsten Stand seit Juni 2001. "Die Entwicklung des Indikators signalisiert eine deutliche Abkühlung der konjunkturellen Entwicklung", so das ZEW. Grund dafür sei, dass sich Export, Konsum und Investitionen abschwächen könnten.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten nur mit einem Rückgang des ZEW-Indikators auf 12 Punkte gerechnet. Die aktuelle Lage beurteilten die Experten erneut besser als im Vormonat: Der Indikator stieg auf 33,6 von 23,3 Zählern. Die Erwartungen für die Euro-Zone fielen auf 1,3 von 18,1 Punkten.

Die deutsche Wirtschaft war im Frühjahr um 0,9 Prozent gewachsen und damit so stark wie seit rund fünf Jahren nicht mehr. Viele Experten gehen davon aus, dass der Aufschwung seinen Höhepunkt bereits überschritten hat. Diese Ansicht bekräftigte Ulrike Kastens von der Investmentbank Sal. Oppenheim. "Die Lage ist aber weiter sehr gut, die Inlandsnachfrage ist angesprungen."

Die Unternehmen dürften deshalb nicht ganz so pessimistisch sein, erwartet sie mit Blick auf das nun anstehende Ifo-Geschäftsklima. "Die Diskrepanz zwischen Ifo und ZEW wird anhalten." Ähnlich äußerte sich Gerd Haßel von der BHF-Bank. Viele Volkswirte und das ZEW selbst begründeten den Rückgang mit der 2007 anstehenden Mehrwertsteuererhöhung: "Viele Leute ziehen wegen der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung ihren Konsum vor", sagte ZEW-Experte Matthias Köhler. "Es ist für die Wirtschaft immens wichtig, dass der Konsum seine tragende Rolle behält", so Köhler. Die Aussichten für die weltweite Wachstumslokomotive USA trübten sich weiter ein. Der ZEW-Erwartungsindikator fiel hier um 5,4 auf minus 55,7 Zähler.

Reuters / Reuters