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"Wickert trifft" CDU-Politiker Christoph Ploß über Steuergeschenke für Reiche und das Gendern

Christoph Ploß (CDU)
Christoph Ploß ist der Landesvorsitzender der CDU in Hamburg.
© Markus Scholz / DPA
Warum soll ich CDU wählen? Das möchte Moderator Ulrich Wickert von dem Bundestagsabgeordneten Christoph Ploß wissen. Es entwickelt sich eine lebhafte Diskussion - doch ausgerechnet beim Thema Gendern sind sich beide einig.

Wenige Tage vor der Bundestagswahl gibt der frühere "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert dem Hamburger Bundestagsabgeordneten Christoph Ploß die Chance zu erklären, weshalb Wähler ihr Kreuz bei der CDU machen sollen. 

Im Laufe der nun folgenden 60 Minuten durchstreifen die beiden Gesprächspartner eine Vielfalt an Themengebieten, und so ist diese Folge gut geeignet, um sich einen schnellen Überblick über das CDU-Programm zu verschaffen.

Gleich zu Beginn nimmt Wickert den mehr als 40 Jahre jüngeren Landesvorsitzenden aus Hamburg in der Steuerpolitik hart ran. Unter Berufung auf das Leibnitz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung hält Wickert dem CDU-Mann vor, die Union entlaste Besserverdiener deutlich stärker als Geringverdiener. Ob das denn gerecht sei?

Ploß nutzt diese Frage um seine Vorstellung von Leistungsgerechtigkeit zu erklären. Gerechtigkeit lasse sich nicht nur mit Umverteilung herstellen. Schon jetzt fließe ein Drittel der Volkswirtschaft in den Bereich Soziales. Noch mehr halte er nicht für sinnvoll. 

Christoph Ploß bekennt sich zur schwarzen Null

In der weiteren Diskussion plädiert Ploß für einen verantwortungsvollen Umgang des Staates mit seinem Geld. Er bekennt sich zur schwarzen Null und zur Schuldenbremse. Der Staat müsse priorisieren und zwischendurch auch mal überlegen, wo man sparen könne. Dazu zählt der konservative Politiker Subventionen. Auch im Sozialen will er sparen: Der Sozialstaat solle zielgenau sein, nicht nach dem Gießkannenprinzip Leistungen verteilen. Das Geld fehle dann nämlich für Bildung und Infrastruktur.

Beim Thema Tempolimit überrascht der CDU-Politiker zunächst mit dem Geständnis, selbst nie ein Auto besessen zu haben. Für eine generelle Regulierung der Geschwindigkeit auf deutschen Autobahnen ist er aber dennoch nicht zu haben. Stattdessen plädiert Ploß dafür, mittels moderner Technologien jeweils für den Streckenabschnitt und die Uhrzeit passende Richtgeschwindigkeiten zu ermitteln. Zumal, wie er behauptet, die CO2-Einsparungen eines Tempolimits minimal wären - was Wickert vehement bestreitet. 

Interessant sind hingegen die Vorschläge zur Beschleunigung von Planungsverfahren. Die CDU wolle bei Baugenehmigungen das Verfahren umdrehen: Wenn die Behörde nach zwei Monaten keine Rückmeldung gegeben habe, gelte der Antrag als genehmigt, so Ploß. Gleichzeitig fordert er eine stärkere Standardisierung von Genehmigungsprozessen, dazu den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Kein Freund von Quoten

In der Wohnungspolitik lehnt der CDU-Abgeordnete wenig überraschend eine Regulierung in Form des Mietendeckels ab. Lieber möchte er den Wohnungsbestand in Deutschland erhöhen, und zwar deutlich. Er spricht von 300.000 bis 400.000  neuen Wohnungen, die im Jahr gebaut werden müssen, darunter auch Sozialwohnungen. Eine Position, die sich auch im SPD-Programm findet. 

Eine klare Haltung hat Christoph Ploß zur Frauenquote: "Ich bin persönlich gegen Quoten jeglicher Art, weil Quoten sehr ungerecht sein können", sagt der 36-Jährige. Das führe in eine gesellschaftlich falsche Richtung. Sein Vorschlag: Gleichberechtigung, nicht Gleichstellung.

Gegen Ende spricht Ulrich Wickert noch das Thema an, mit dem Ploß überregional für Schlagzeilen gesorgt hat: seine Ablehnung des Genderns. Im Interview mit dem "Spiegel" brachte der Hamburger vor wenigen Wochen seine Meinung dazu deutlich zum Ausdruck. Offenbar kann sich der Moderator mit dieser Position anfreunden, er serviert dem CDU-Politiker das Thema auf dem Silbertablett: In Frankreich sei das Gendern an Schulen und in Ämtern verboten, so Wickert. "Sollten wir das auch machen?"

Ulrich Wickerts Steilvorlage

Ploß nimmt die Steilvorlage dankbar auf: Es müsse eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Rechtschreibregeln an Schulen gelehrt werden. "Privat kann jeder so schreiben und sprechen wie er möchte, aber an Schulen, Universitäten oder staatlichen Einrichtungen sollte die deutsche Grammatik und die deutsche Rechtschreibung gelten."

Beim abschließend erörterten Thema Einwanderungspolitik schlägt Ploß dann den Bogen zum Anfang: Die Wirtschaft benötige künftig mehrere hunderttausend Zuwanderer pro Jahr. Dabei stehe Deutschland im internationalen Wettbewerb: Es gehe um das kulturelle Angebot, Infrastruktur - aber eben auch um Steuern. Die zu Beginn geforderten Steuererleichterungen für Besserverdienende als aktive Anwerbungspolitik zum Wohle aller zu verkaufen - damit gelang dem CDU-Mann am Schluss dieses Gesprächs doch noch ein kleines Kunststück.

Die neue Folge des Podcasts "Wickert trifft" ist ab dem 23. September auf Audio Now und anderen bekannten Podcast-Plattformen abrufbar.

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