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"Markus Lanz" Laschet bei Putin? SPD-Chef Walter-Borjans poltert: "Da würde ich nicht ruhig schlafen"

Moderator Markus Lanz (l.) und SPD-Co-Parteichef Norbert Walter-Borjans
Moderator Markus Lanz (l.) und SPD-Co-Parteichef Norbert Walter-Borjans
© Screenshot: ZDF / "Markus Lanz"
Walter-Borjans nennt Laschet "ein Risiko für Deutschland". Doch was gibt's über Olaf Scholz' Finanzskandale zu sagen? Dazu äußert sich der SPD-Co-Chef nicht. Warum? Lanz befragt ihn gar nicht erst dazu.
Von Sylvie-Sophie Schindler

Angstthema Migration? Scheint so. Im Bundestagswahlkampf wird es möglichst vermieden. Immerhin packte Markus Lanz es vorgestern auf die Agenda seiner Sendung. Doch warum wird in diesen hochpolitischen Wochen plötzlich so getan, als ginge uns die Corona-Pandemie kaum mehr etwas an? Denn das betrifft unser aller Alltag wesentlich: Auf welchen Kurs setzt die zukünftige Regierung? Dass ausgerechnet Corona-Talk-Papst Lanz in den Endspurt-Wochen hier mit einem Mal so leise ist – was hat es zu bedeuten?

Auch am Donnerstagabend, in der letzten Sendung vor dem Wahl-Sonntag, ließ er Brisantes lieber weg, obwohl er zugleich den Anschein gab, als würde er besonders hart rangehen. Doch Norbert Walter-Borjans wurde nicht etwa wegen der Finanzskandale "seines" Kanzlerkandidaten in Bedrängnis gebracht – die wurden gar nicht erst thematisiert –, sondern musste erstmal minutenlang Rechenschaft darüber ablegen, warum er die Lanz-Einladung vor zwei Wochen kurzfristig abgesagt hatte. Mehr Nebenschauplatz geht nicht. 

Es diskutierten:

  • Robin Alexander, Journalist
  • Lucia Puttrich, CDU-Politikerin
  • Julius van de Laar, Strategieberater
  • Norbert Walter-Borjans, SPD-Co-Vorsitzender

SPD-Co-Chef Walter-Borjans: "Ich wünsche mir nicht dringend eine Koalition mit der Linken"

Herr Walter-Borjans, wir sind überrascht, Sie hier zu sehen, Sie haben ja spektakulär abgesagt, und heute, Sie bleiben doch bis zum Ende der Sendung? Oder sollen wir Ralf Stegner anrufen, wenn wir über die Linkspartei reden? So also begrüßte Lanz den SPD-Co-Chef. Der wiederum machte dem Moderator klar, dass er aufgrund der damaligen Gästezusammensetzung – mit Linke-Politikerin Katja Kipping und Publizist Wolfram Weimer – den Braten gerochen hat: "Ich hatte wenig Lust, mich einem Tribunal auszusetzen." Es sei doch offensichtlich gewesen, "uns als Vertreter eines Linksrutsches darzustellen." Bartsch oder Lindner – wer steht Ihnen näher? Fragte Lanz. Das seien politisch beides Personen, mit denen er sich an einen Tisch setzen würde. Aha, Sie machen es also politisch mit jedem?

Mache er nicht. Die Linke hätte eine "Dosierung" vor, mit der "hätte ich Probleme". Aber er schließe nichts aus, man müsse die Punkte mit den Linken abklopfen. Allein: "Ich wünsche mir nicht dringend eine Koalition mit der Linken." Journalist Robin Alexander nahm ihm das nicht ab. Er sei doch eh einer Meinung mit Katja Kipping. "Und damit die Leute das nicht merken, haben Sie die Sendung abgesagt; man will sich dabei ja nicht erwischen lassen vor der Wahl." Er sei sich sicher, dass Walter-Borjans und Kipping bei Lanz, also vor laufender Kamera, einen neuen Spitzensteuersatz festgelegt hätten.

Viel Spott um Spots, aber keine "echte Ekstase" 

Nächstes Thema. Wissen Sie, Herr Walter-Borjans, es fällt auf, dass Ihr eigener Kanzlerkandidat nicht mehr auf schwierige Fragen antwortet. Wovon sprechen Sie, Herr Lanz? Der Matroschka-Spot. Ja, den habe ich gesehen, als er fertig war. Und? Was, und? Na, hat Herr Scholz den auch gesehen? Das weiß ich nicht. Hören Sie doch auf. Ich weiß es nicht. Das sei ein Online-Meeting gewesen, als der Spot vorgeführt worden sei, führte Walter-Borjans weiter aus. Lanz ließ nicht locker. Olaf Scholz weicht seit Wochen der Frage aus, ob er den Spot gesehen hat, und zwar vor Veröffentlichung. Walter-Borjans: "Ich kann nicht ausschließen, dass Scholz den vorher kannte." Es sei zwar innerparteilich darüber diskutiert worden, aber mit Scholz hab er sich dazu nicht ausgetauscht. Wie auch immer: "Wir haben diesen Spot gemeinsam zu verantworten."

Im sogenannten Matroschka-Spot der SPD sorgte die Matroschka-Figur von Nathanael Liminski für große Aufregung. Der Leiter der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei wird dort als "erzkatholischer Laschet-Vertrauter" bezeichnet, für den "Sex vor der Ehe ein Tabu ist". Macht man so Wahlkampf, indem man religiöse Überzeugungen angreift? "Da haben sie völlig daneben gegriffen", urteilte Julius van de Laar über die SPD. Ohnehin, "Negative Campaigning" sei im deutschen Wahlkampf nicht üblich. Walter-Borjans deutete an, dass es sich um "mehr als eine persönliche Geschichte" handle, wenn der Chef der Staatskanzlei "Verbindungen zu Opus Dei" habe. Was? Wie? Opus Dei? Lanz war fassungslos, Journalist Robin Alexander auch. Unruhe, Schnappatmung. Bekannt dürfte sein: der Vater von Nathanael Liminski war Mitglied der ultrakonservativen katholischen Organisation. Inwiefern aber Opus Dei sich in die Belange der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei einmischen würde, diese Beweisführung machte Walter-Borjans nicht.

Eine empörte Lucia Puttrich nannte den Spot "skrupellos". Derlei Vorgehen lasse "ganz tief blicken". Und überhaupt: "Haben Sie es nötig, Personen persönlich anzugreifen?" Wer im Glashaus sitzt. Na, Sie müssen gerade reden: Walter-Borjans beschwerte sich, dass die Union doch ständig "Angstmache vor einem Linksrutsch" betreibe; als gäbe es mit der SPD nur noch Verbote. Was will die CDU überhaupt? "Die Union hat immer noch nicht ihre Strategie gefunden", befand van de Laar. Sie probiere jeden Tag was Neues, jeden Tag "einen Teller Spaghetti an die Wand". Wer aber keine Strategie habe, so Walter-Borjans, sei "ein Risiko für Deutschland". Laschet bestehe ohnehin in "jeder Stresssituation den Stresstest nicht". Wie solle der auf internationaler Bühne bestehen? Wenn er sich vorstelle, dass man Laschet zu Putin schicke, also bei dem Gedanken "würde ich nicht ruhig schlafen".

Auch die Union hat ja einen Spot, um den es viel Wirbel gibt. Ohne Matroschka. Aber mit einem radikalen Protagonisten aus der Querdenker-Szene. Journalist Alexander verriet, den Original-Spot zu kennen – allerdings ohne die Passage, in der Armin Laschet mit dem Querdenker spricht: "Die haben das umgeschnitten." Die Union wolle so aus einem bestimmten Bereich Stimmen holen. CDU-Politikerin Puttrich nannte die Theorien der Querdenker "obskur", betonte aber, die Szene zeige einen Armin Laschet, der für den Dialog stehe. Es sei wichtiger denn je, sich mit kritischen Meinungen auseinanderzusetzen: "Wenn wir nicht zuhören, drängen wir sie nur noch weiter in ihre dunklen Räume." Nur in der Diskussion könne man sie und ihre Argumentationen "enttarnen".

Ein blutleerer Wahlkampf geht seinem Ende zu. Und was kommt dann? Wie rekrutieren wir politisches Spitzenpersonal? Wollte Lanz wissen. Und kritisierte: "Momentan löst keiner echte Ekstase aus." Echte Ekstase? Ob das die Deutschen in der Politik überhaupt bräuchten? Walter-Borjans hatte so seine Zweifel. Gehe es nicht viel mehr darum, zu vermitteln, ob jemand "Pro Cura", also Sorge tragen könne? Allein: wer wird's denn werden? Lanz: "Alle gehen davon aus, dass die CDU auf Platz Zwei kommt." Walter-Borjans: "Es wird knapp."


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