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Podcast "Wickert trifft" AKK überrascht mit leidenschaftlichem Plädoyer gegen rechts

Ulrich Wickert und Annegret Kramp-Karrenbauer
Ulrich Wickert hat in der dritten Folge seines Podcasts die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer besucht.
© Steffen Böttcher
Er möchte in seinem Podcast den Menschen hinter dem Politiker kennenlernen. Das ist Ulrich Wickert im Gespräch mit Annegret Kramp-Karrenbauer gelungen. Und doch bleibt vor allem ein leidenschaftliches Plädoyer in Erinnerung.

Es wurde von vielen Beobachtern und auch Bürgern als "Dammbruch" wahrgenommen: Am 5. Februar ließ sich der FDP-Politiker Thomas Kemmerich in Thüringen zum Ministerpräsidenten wählen - dabei stimmte die CDU gemeinsam mit der AfD. Der Vorgang löste ein politisches Beben aus, in dessen Folge die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Verzicht auf den Parteivorsitz erklärte. Wie es dazu kam - darüber spricht Ulrich Wickert mit der saarländischen Politikerin in der dritten Ausgabe seines Podcasts "Wickert trifft".

In gewohnter Manier geht es zunächst darum, den Menschen hinter dem Politiker kennenzulernen. AKK erzählt ein wenig aus ihrem Privatleben, schildert, wie sie ihren Ehemann im Turnverein kennengelernt hat.

Doch richtig spannend wird das Gespräch immer dann, wenn es um inhaltliche Positionen geht. AKK wirbt noch einmal für die Frauenquote - und begründet das mit ihren eigenen Biografie: Als junger Mensch sei sie noch der Meinung gewesen, keine Quote zu brauchen. Mittlerweile verfüge sie über mehr Lebenserfahrung. Heute nennt sie sich offensiv "Quotenfrau" und erkennt die Wichtigkeit dieses Steuerungsinstruments an - dem sie selbst viel in ihrer politischen Karriere verdankt.

AKK begründet Forderung nach allgemeiner Dienstpflicht

Klare Positionen bezieht die Politikerin auch, als Wickert die von dem früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gefällte Entscheidung zur Aussetzung der Wehrpflicht anspricht. Sie selbst habe die Entscheidung "bedauert", sagt sie. Denn das Signal sei fatal gewesen: "Wir reden immer mehr über die Rechte, die jemand in einem Staat hat, und immer weniger über die Pflichten, die dazugehören", so Kramp-Karrenbauer. Aus dieser Überlegung begründe sich auch ihr Vorschlag einer allgemeinem Dienstpflicht, mit dem sie eine Debatte angestoßen hat. 

Wickert spricht nun offen jene Ereignisse an, die zu ihrem angekündigten Rückzug als Parteivorsitzende führten: die Wahl Thomas Kemmerichs zum thüringischen Ministerpräsidenten mit den Stimmen von CDU und AfD. Der frühere "Tagesthemen"-Moderator kritisiert AKK für ihr Verhalten in der Angelegenheit: Sie hätte als Parteivorsitzende diese Wahl verhindern müssen. Kramp-Karrenbauer selbst bezeichnet den Wahlvorgang zwar als "Ungeheuerlichkeit" - gibt aber zu bedenken, dass das innerhalb der thüringischen CDU anders gesehen werde.

Kramp-Karrenbauer über Thüringen

So habe sie letztlich gar keine Möglichkeit gehabt, das Abstimmungsverhalten der CDU-Fraktion zu beeinflussen. Tatsächlich habe sie bei einer offenen Konfrontation die Gefahr einer Abspaltung der ostdeutschen Landesverbände gesehen. "Das wollte ich auf keinen Fall zulassen." Ihr sei es darum gegangen, den Laden zusammenzuhalten, so Kramp-Karrenbauer.

Doch wie will die CDU die zur AfD abgewanderten Wähler zurückholen, möchte Wickert wissen. AKKs Strategie: "Man muss sehen, dass die Leute in die Mitte kommen." Das Problem sei aber doch nicht die Mitte, sondern dass die CDU zu viel Platz am rechten Rand gelassen habe, wendet der Moderator ein. Und bringt damit seinen Gast zu hochinteressanten Aussagen: "Der harte Kern der AfD war nie CDU-nah und den möchte ich auch nicht in der CDU haben", sagt Kramp-Karrenbauer in einer selten vernommenen Deutlichkeit.

Die Politikerin möchte vielmehr diejenigen Wähler zurückgewinnen, die sich in der CDU zuletzt nicht wiedergefunden hätten. Doch auch denen will die Parteivorsitzende nicht einfach nachlaufen. Im Gegenteil: Sie kritisiert abgewanderte konservative Wähler. Die müssten sich fragen, ob ihr Widerstand gegen den Euro und die Flüchtlingspolitik es rechtfertigt, "mit Kräften in einer Partei zusammenzuarbeiten, die ganz erkennbar rechtsextrem sind".

Abgrenzung nach rechts

Diese eindeutige Abgrenzung zum rechten Rand begründet Kramp-Karrenbauer auch mit Erfahrungen, wie sie beispielsweise CSU-Chef Markus Söder in Bayern gemacht habe: Wer versucht, die Worte und Positionen der AfD zu übernehmen, werde vom Wähler abgestraft. "Das ist die Lektion, die alle christdemokratischen Parteien in Europa gelernt haben, die versucht haben, Rechtspopulisten rechts zu überholen." 

Als Beispiele nennt die CDU-Vorsitzende die konservativen Parteien in Frankreich und Italien, die politisch kaum noch eine Rolle spielten. "Deswegen darf die CDU diesen Weg nicht gehen." Ihr Angebot: starker Staat, Recht und Ordnung. "Dafür", so Kramp-Karrenbauer, "braucht man kein Mitglied der AfD zu sein."

Derart leidenschaftliche Plädoyers sind selten geworden. Solange es noch Politiker gibt, die dazu in der Lage sind, muss man sich über die Zukunft der Volksparteien keine Sorgen machen.

Die neue Folge des Podcasts "Wickert trifft" mit Annegret Kramp-Karrenbauer ist ab dem 27. August auf Audio Now und anderen bekannten Podcast-Plattformen abrufbar.

che

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