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"Wickert trifft" Kevin Kühnert liebt Fußball, Kneipen und Schlager – doch bei einem Thema wird er leidenschaftlich

Ulrich Wickert trifft Kevin Kühnert
Ulrich Wickert hat für die neue Folge seines Podcasts Kevin Kühnert getroffen, den Bundesvorsitzenden der Jusos.
© Max Neudert
Er spielt Geige, besucht im ganzen Land Fußballstadien und ist leidenschaftlicher Kneipengänger: In Ulrich Wickerts Podcast entpuppte sich der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert als Mann mit vielen Interessen – der bei einem Thema besonders leidenschaftlich wurde.

Von diesem Mann werden wir in Zukunft noch viel hören: Kevin Kühnert gehört trotz seiner jungen Jahre bereits zu den markantesten Politikern innerhalb der SPD. Der Juso-Vorsitzende hätte 2018 mit seiner #NoGroko-Kampagne beinahe das Zustandekommen der Großen Koalition verhindert und gilt seither als einflussreichste Stimme des linken Parteiflügels.

Ulrich Wickert hatte ihn als Gast für die neue Folge seines Podcasts gewählt und wollte - wie bei "Wickert trifft" üblich - zunächst etwas über den Menschen und weniger über den Politiker erfahren. Und da gab es reichlich zu erzählen, denn der 31-Jährige hat zahlreiche Interessen. 

So entpuppte sich Kühnert im Gespräch mit Wickert als passionierter Kneipengänger, der gerne Schlager hört und in seiner Stammkneipe Dart spielt. Über Politik redet der Roland-Kaiser-Fan dort eher weniger - stattdessen lieber über Fußball, wie er verriet.

Ein wichtiges Thema im Leben des Mannes, der seinen Vornamen dem englischen Fußballer Kevin Keegan verdankt. Keegan wurde 1979 mit dem HSV Deutscher Meister. Kühnerts eigenes Fußballerherz schlägt allerdings für drei andere Mannschaften: Tennis Borussia Berlin, den FC Bayern München und - etwas überraschend - für Arminia Bielefeld.

Darum mag Kevin Kühnert Arminia Bielefeld

Zu letzterem Verein kam er auf Umwegen: Bei einer Umfrage wurde die Arminia 2007 zum unbeliebtesten Club der Bundesliga gewählt. Weil sein Herz für die Kleinen und Schwachen schlage, habe er sich daraufhin mit den Ostwestfalen beschäftigt und dabei festgestellt, dass es ein "dufter Verein" sei.

Seine Fußballleidenschaft geht sogar noch weiter: Kühnert ist ein sogenannter Groundhopper. Er gehört damit zu einer Gruppe von Fans, die Spiele in möglichst vielen verschiedenen Stadien besuchen.

Auf der anderen Seite ist Kevin Kühnert aber auch ein musischer Mensch, wie er im Podcast verriet. So spielte er 14 Jahre lang Geige und besuchte ein musisches Gymnasium. Auch das hätte man von dem Juso-Vorsitzenden nicht unbedingt erwartet.

Viele Interessen

Keine Frage: Kühnert präsentierte sich in dem knapp 90-minütigen Gespräch als ausgesprochen vielseitigen Talkgast, der sich für viele Dinge außerhalb der Politik interessiert. Doch so richtig leidenschaftlich wurde er erst, als Wickert auf das Thema Gerechtigkeit zu sprechen kam. Da lief der Juso-Vorsitzende zu Hochform auf - und verdeutlichte seine Position mit Verve.

Er wehrte sich gegen den immer wieder geäußerten Vorwurf, er habe ein Problem mit reichen Menschen. Das entkräftete Kühnert mit einem plausiblen Argument: "Wen will die politische Linke von ihren Idealen begeistern, wenn Bild von ihrer Utopie eine Verelendungsgesellschaft ist, in der alle gleich in ihrer Armut und Eintönigkeit sind." Es gebe genug Ressourcen, damit alle gut leben könnten - man müsse sie nur gerechter verteilen.

Die Debatte werde in Deutschland aber oft falsch geführt, so Kühnert. Man solle nicht die Armen gegen die Mittelreichen ausspielen. Ihn interessierten nicht Menschen mit 100.000 Euro Jahreseinkommen, sondern die mit Milliardenvermögen.

Ärger über BMW

Zur Verdeutlichung nennt der Juso-Chef ein Beispiel: die Familien Klatten und Quandt, Eigentümer von BMW. Einer Firma, die bereitwillig das Kurzarbeitergeld für Zehntausende Beschäftigte annehme, aber keine Manschetten habe, im selben Moment dreistellige Millionendividenden auszuzahlen. "Anstatt zu sagen, wir sehen mit offenen Augen, was in dieser Welt gerade los ist", empört sich Kühnert. Für ihn "eine Frage des Anstands".

Wo Ulrich Wickert seinen Gast gerade so erfolgreich auf politisches Terrain gelockt hat, versucht er es mit einer vertrackten Frage: Ob er sich vorstellen könnte, dass die SPD nach der nächsten Wahl einen Kanzler von den Grünen akzeptieren werde. 

Für Kühnert ein Problem: Sagt er nein, würde er eine mögliche Option für den Machtwechsel 2021 ausschließen. Sagt er ja, könnte man ihm vorwerfen, die SPD unnötig klein zu reden. Doch Kevin Kühnert ist Profi genug, um nicht in die Falle zu tappen.

Lieber Scholz oder Baerbock als Merz

Nach 16 Jahren unionsgeführter Regierung halte er einen Wechsel für geboten. Zumal nicht zu erwarten sei, dass ein Nachfolger die Geschäfte "auf eine so schnodderig-sympathische Art fortführen würde, wie Angela Merkel das gemacht hat". Somit seien die Angebote der linken Mitte besser als das, was von der Union geboten werde, so Kühnert. Und bringt es auf die Formel: Lieber Scholz oder Baerbock als Merz.

Keine Frage: Das Spiel mit den Medien beherrscht der junge SPD-Politiker bereits meisterhaft. Und so verwundert es kaum, dass ihm bereits in der Abi-Zeitung vorausgesagt wurde, er werde einmal Kanzler - wie Wickert genüsslich erwähnte. Auch wenn Kevin Kühnert abwiegelte: Nicht auszuschließen, dass der Tag kommen wird.

Die neue Folge des Podcasts "Wickert trifft" mit Kevin Kühnert ist ab dem 26. Oktober auf Audio Now und anderen bekannten Podcast-Plattformen abrufbar.


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