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Podcast "Wickert trifft" "Ohne gutes Herz geht es gar nicht" - Olaf Scholz spricht über das Thema Kanzlerschaft

Ulrich Wickert und Vizekanzler Olaf Scholz
In der zweiten Folge seines neuen Podcasts hat sich Ulrich Wickert mit Vizekanzler Olaf Scholz gehalten.
© Audio Now
In der zweiten Ausgabe seines Podcasts hat sich Ulrich Wickert mit Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz getroffen - und dem als dröge geltenden Politiker einige interessante Aussagen entlockt.

Mit der Wahl dieses Interviewpartners hat er es sich nicht leicht gemacht: Für die zweite Folge von "Wickert trifft" hat der frühere "Tagesthemen"-Moderator den deutschen Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz besucht. In seinem Podcast möchte Ulrich Wickert eigentlich herausfinden, wie Politiker als Mensch ticken, was sie geprägt hat und womöglich sogar "verborgene Gefühle" finden. 

Mit dem SPD-Politiker, der einst wegen seiner Stanzen als "Scholzomat" bezeichnet wurde, hat sich Wickert allerdings eine besonders harte Nuss vorgenommen. Gleich zu Beginn versucht der Moderator das Eis zu brechen - mit dem Ringelnatz-Gedicht von den Ameisen, die nur bis Altona kamen. Mehr als die Aussage, dass er sich in Altona immer wohlgefühlt habe, ließ sich Scholz jedoch nicht entlocken.

Er taute erst ein wenig auf, als Wickert den Soziologen Max Weber ins Spiel brachte. Scholz durfte nun den Unterscheid zwischen Verantwortungs- und Gesinnungsethik erklären - und geriet dabei für seine Verhältnisse regelrecht in Fahrt.

Darum ist Olaf Scholz in die SPD eingetreten

"Wenn man Sie im Fernsehen sieht, hat man nicht den Eindruck, dass Sie sehr eitel sind", lockte Wickert den früheren Hamburger Bürgermeister nun - und begründete dies mit seiner Beobachtung, Scholz spreche den Interviewer nicht mit Namen an. Doch kaum drehte sich das Gespräch wieder um seine Person, machte der Politiker zu: "Ich verhalte mich im Fernsehen nicht anders als sonst", antwortete er kühl.

Immerhin: Mit klugen Fragen brachte Wickert seinen Gesprächspartner doch noch dazu, sich ein wenig zu öffnen. Weshalb er in die SPD eingetreten sei, wollte der Moderator wissen. "Der Wunsch etwas dafür zu tun, dass es gerecht zugeht, ist ein zentrales Motiv gewesen", antwortete Scholz - und vermied es selbst bei einer so persönlichen Frage, das Wort "ich" zu verwenden.

In den folgenden Ausführungen geriet der Finanzminister dann aber doch ein wenig ins Plaudern und berichtete von seinen Erfahrungen aus der Schulzeit, als nur wenige Mitschüler aus seiner Grundschule aufs Gymnasium kamen, obwohl sie die Fähigkeiten besaßen. Die Herkunft dürfe nicht darüber bestimmen, welche Möglichkeiten man im Leben man nutzen könne und welche nicht, so seine Lehre daraus. Entsprechend formuliert er sein politisches Credo: "Für Gerechtigkeit zu sorgen ist die zentrale Aufgabe der Politik."

Kann er Kanzler?

Doch was heißt das in konkrete Positionen übersetzt? Da wurde es schon wieder unkonkreter, der Vizekanzler lässt sich eben ungern festnageln. So ließ er sich auch nicht in die Karten gucken, ob er für die SPD die Kanzlerkandidatur anstrebt.

Wie die Person gebaut sein müsse, die Kanzler werden kann, lockte Wickert. Es brauche "ein gutes Herz – ohne das geht es gar nicht", antwortete Scholz. "Man braucht politische Zukunftsvorstellungen, die in der Lage sind, unser Land und Europa durch die nächsten Jahrzehnte zu führen. Man muss in der Lage sein, Entscheidungen treffen und über Erfahrung verfügen. Denn das ist keine Aufgabe, die jeder kann."

Deutschland ist "Hoffnungsland"

Immerhin: Zwischen den Zeilen kann man durchaus raushören, dass sich Scholz die Aufgabe zutraut. Der SPD-Politiker formuliert schon mal die Themen, die seiner Meinung nach für den nächsten Regierungschef anstehen: "Es sollte darum gehen, dass wir unser Land solidarischer und gerechter machen und die großen Herausforderungen der Zukunft, insbesondere den Klimawandel, angehen."

Am Schluss gerät Scholz dann noch richtig ins Schwärmen und beendet das Gespräch mit den Worten: "Deutschland ist ein Hoffnungsland geworden. (...) Es ist ein Land, in dem man gut leben kann."

Die neuen Folge des Podcasts "Wickert trifft"mit Olaf Scholz ist ab dem 30. Juli auf Audio Now und anderen bekannten Podcast-Plattformen abrufbar.

che

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