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Podcast "Wickert trifft" Als Kind war er dick und wurde gehänselt - Christian Lindner gibt Einblicke in sein Leben

Christian Lindner im Gespräch mit Ulrich Wickert
Christian Lindner im Gespräch mit Ulrich Wickert
© Audio Now
So nah ist man dem FDP-Chef selten gekommen: Ulrich Wickert entlockt Christian Lindner in seinem Podcast einige private Einsichten - und spricht auch politisch heikle Themen an.

Zu Beginn der vierten Folge "Wickert trifft" menschelt es kräftig: Der frühere "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert hat Christian Lindner zum Gespräch getroffen. Und dem FDP-Chef gleich zu Beginn die Frage gestellt, die er selbst von seinem kleinen Sohn oft zu hören bekommt: Was er morgens früh als erstes mache?

"Einen Kaffee", antwortet Lindner - doch so einfach lässt ihn Wickert nicht davonkommen: Vorher müsse doch bestimmt der Wecker klingeln. Das Nachhaken hat sich gelohnt: Lindner nimmt den Hörer nun buchstäblich mit in sein Schlafzimmer und erzählt, dass nach dem Klingeln des Weckers ein "Griff zu meiner Lebenspartnerin" folge. Dabei verrät er auch, dass die morgens oft um 3.30 Uhr aufstehen müsse - weil sie als Journalistin manchmal Frühdienst habe.

Anschließend schnappt sich der Politiker sein Smartphone und macht sich dann einen Kaffee - den er schwarz trinkt - "vielleicht mit einem Tropfen Sojamilch". Bei der Gelegenheit bezeichnet sich Lindner als "Flexitarier".

Christian Lindner zeigt sich von einer anderen Seite

Gleich in den ersten Minuten bekommt man ein sehr lebendiges Bild des FDP-Vorsitzenden, der im Fernsehen oft verbissen und unnahbar rüberkommt. Es wird noch besser: Wickert kommt auf die Kindheit Lindners zu sprechen - und auch hier zeigt sich der Politiker recht offenherzig. 

Er sei als Schüler stark übergewichtig gewesen und dafür gemobbt worden, erzählt der 41-Jährige - und verrät, wie er das Problem mit typisch liberalem Denken angegangen ist. Seine Figur habe ihm "Wettbewerbsnachteile bei den Mädchen" gebracht, so Lindner in typischem FDP-Sprech. So sei er zu der Einsicht gekommen, sein Leben ändern zu müssen. Denn: "Die Dinge, die man ändern kann, über die darf man nicht jammern, sondern die muss man angehen." Er habe auf Essen verzichtet und sei jeden Tag in den Wald zum Laufen gegangen.

Es geht aber auch inhaltlich zur Sache. Lindner legt unter Bezugnahme auf Immanuel Kant und Adam Smith sein politisches Wertesystem offen: "Verantwortung bedeutet für mich, dass man Gründe für seine in Freiheit getroffene Entscheidung angeben kann, die man dann im Diskurs prüfen kann, ob sie standhalten", so Lindner.

Wickert spricht das Debakel von Thüringen an

Würde und Freiheit sind dabei für den liberalen Politiker die zwei wichtigsten Werte: "Die Würde und Freiheit des Einzelnen sind der Ausgangspunkt jeder Form von staatlicher Gemeinschaft." Beide seien untrennbar, denn ein Leben in Würde sei ohne Freiheit nicht möglich. Aus der Paarbildung ergebe sich eine Konsequenz: Diejenigen, so Lindner, die sich auf die Freiheit berufen, um die Würde anderer infrage zu stellen, fallen heraus, so Lindner. "Das kann zivilisatorisch nicht funktionieren."

Einen Satz, den man vor dem FDP-Chef gerne gehört hätte, bevor sich ein Mitglied seiner Partei mit den Stimmen Björn Höckes zum Ministerpräsidenten Thüringens wählen ließ. Wickert legt den Finger in die Wunde und wirft Lindner vor, er hätte das Debakel verhindern müssen.

Lindners Ausflucht, dazu habe seine Macht nicht ausgereicht, lässt der Moderator nicht gelten. Denn nachdem das Kind in den Brunnen gefallen war, habe er ja eingegriffen und Kemmerich dann doch zum Rücktritt bewegt. "Das heißt", schlussfolgert Wickert: "Sie haben schon die Macht gehabt."

In dieser Frage kann Lindner ebenso wenig überzeugen wie beim neuerlichen Versuch, seinen Abbruch der Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition 2017 zu erklären. 

Bekenntnis zum Tierschutz

Dafür überrascht der Liberale aber mit einem deutlichen Bekenntnis zum Tierschutz. Lindner spricht sich für ein Verbot des Kükenschredderns ebenso aus wie für ein Verbot der betäubungslosen Kastration von Ebern. Lebendtiertransporte möchte er drastisch einschränken, wenn nicht gar verbieten. Er plädiert dafür, Anforderungen zu bestimmen, die beim Tierwohl eingehalten werden müssen. "Am Ende kommt hinten ein Preis raus, den wir dann alle zahlen müssen. Dann wird Fleisch tendenziell teurer."

Zum Schluss befragt Wickert seinen Gast zur Frauenquote. Die Frage stelle sich zwar nicht, so Lindner, weil diese von den Frauen der Partei strikt abgelehnt werde. Der Parteichef zeigt sich aber optimistisch, dass beim bevorstehenden Parteitag am Wochenende vier von neun gewählten Plätzen von Frauen besetzt werden – damit käme die Parteispitze auf einen Anteil von 44 Prozent bei Frauen. 

Die neue Folge des Podcasts "Wickert trifft" mit Christian Lindner ist ab dem 18. September auf Audio Now und anderen bekannten Podcast-Plattformen abrufbar.

che

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