Angeschlagener Modekonzern Escada bereitet sich auf Insolvenz vor


Der ums Überleben kämpfende Damenmodekonzern Escada hat bereits erste Vorbereitungen für eine mögliche Insolvenz getroffen. Die Liquidität reicht noch bis August. Noch besteht aber Hoffnung, den Konkurs abzuwenden.

Der angeschlagene Luxusmodekonzern "Escada" bereitet sich mitten in den letzten Bemühungen um eine Rettung vorsorglich auch auf eine Insolvenz vor. "Es gab Gespräche mit Leuten, die sich mit so etwas auskennen, vor allem mit Plan-Insolvenzen", sagte Vorstandschef Bruno Sälzer der "Welt am Sonntag". Er hoffe weiterhin, dass Escada keinen Insolvenzverwalter brauche. "Aber wir sind auch nicht blauäugig. Selbstverständlich gibt es einen Plan B", wurde Sälzer weiter zitiert. Die Liquidität des Unternehmens reicht nach Angaben des Konzernchefs noch bis August.

Um eine Pleite zu verhindern, müssen mindestens 80 Prozent der Zeichner einer Unternehmensanleihe auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten und ihre Anteile gegen eine deutlich niedriger dotierte Anleihe umtauschen. "Ohne die ausreichende Zustimmung ist die Insolvenz für Escada unausweichlich. Wir haben kein zusätzliches Fangnetz", sagte Sälzer. Zur Rettung des Unternehmens seien bereits 98 von 99 Schritten getan. "Nur der Letzte fehlt noch. Ich gebe aber zu, dass es der Schwierigste ist", erklärte der Manager. Eine Prognose wollte Sälzer nicht abgeben: "Es wird spannend. So viele Beispiele in dieser Richtung hat es in Deutschland ja noch nicht gegeben. Wir erwarten, dass sich die Investoren erst in den letzten Tagen vor dem 31. Juli entscheiden."

Mittelfristig auch Interesse an Herrenmode

Aus Sicht des Konzernchefs würde eine Insolvenz zwar nicht zwingend das Ende für Escada bedeuten. "Dann hätten wir die weitere Entwicklung aber nicht mehr in unserer Hand", sagte der Manager. Zudem sei eine Insolvenz schlecht für das Image der Marke. Und das zu einer Zeit, in der es modisch zuletzt endlich wieder aufwärts gegangen sei. "Die Reaktionen der großen Kunden auf die neue Kollektion sind sehr gut, und die Besprechungen in der Branche auch", sagte Sälzer dem Blatt zufolge.

Zwar würden die Umsätze noch nicht wieder wachsen. "Aber wir verlieren weniger als der Wettbewerb und gewinnen das Vertrauen der Kunden zurück", meinte der Escada-Chef. Für den Fall einer erfolgreichen Sanierung will er die jüngere Linie Escada Sport ausbauen. Zudem denkt Sälzer über das Thema Herrenmode nach: "Escada wäre auch auf Männer übertragbar. Wer das schwierige Geschäft mit Damenmode beherrscht, kann auch Herrenmode anbieten. Aktuell ist das noch kein Thema. Wenn uns die Rettung gelingt, kann es mittelfristig aber eins werden."

AP


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