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Angst vor neuer Finanzkrise: Amerikas gefährlichste Zocker zündeln wieder

Mit riskanten Finanzwetten setzen US-Hedgefonds gigantische Summen um. 2013 verdienten die 25 erfolgreichsten Chefs 21,5 Milliarden Dollar. Zwingen die Zocker die Weltwirtschaft erneut in die Knie?

Von Norbert Höfler, New York

Es gibt Nachrichten, deren Tragweite erst nach Monaten oder gar Jahren verstanden wird. Das sind dann die Momente, in denen es heißt: "Ach, hätte man damals doch..."

Eine solche Nachricht verbreitete Anfang Mai der US-Informationsdienst "Alpha", ein Spezialdienst für millionenschwere Investoren. Danach verdienten die 25 erfolgreichsten Manager US-amerikanischer Hedgefonds im vergangenen Jahr 21,5 Milliarden Dollar. 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Unvorstellbar viel Geld.

Auf Platz eins steht David Tepper. Auf seinem Konto landeten 3,5 Milliarden Dollar. Oder anders gesagt: Eine Summe für die ein gut verdienender Angestellter 35.000 Jahre lang arbeiten müsste. Oder Daimler-Chef Dieter Zetsche mehr als 300 Jahre. Kein Wunder, dass junge Frauen und Männer, die auch ganz schnell reich werden wollen, lieber erst bei Tepper vorsprechen, bevor sie sich um Jobs bei Großbanken wie Goldman Sachs oder JP Morgan bewerben.

Tepper ist angesagt. Sein Motto lautet: " No risk, no fun!" Alles auf eine Karte.

Typen wie Tepper gewinnen immer

So kaufte er Aktien von US-Fluggesellschaften, Autofirmen und Banken, als kaum einer an eine schnelle Erholung dieser Firmen glaubte. Er trennte sich von teuren Apple-Papieren, um günstige Google-Anteile zu kaufen. Die waghalsigen Spekulationen gingen gut. Tepper spielt mit dem Geld reicher Leute. In seinen Fonds liegen 20 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr machte er 40 Prozent Gewinn. Seine Verträge sehen vor, dass er 20 Prozent vom Gewinn kassiert und zwei Prozent vom angelegten Kapital, egal wie gut oder schlecht es läuft. Das bedeutet: Tepper gewinnt immer.

Das Geschäftsmodell ist simpel und gefährlich: Die Fonds sammeln Millionen und Milliarden bei den Reichen und Superreichen ein und spekulieren damit. Dabei müssen sie besser sein als die durchschnittliche Entwicklung des Marktes. Steigt zum Beispiel der US-Aktienindex Dow Jones um 25 Prozent, müssen Tepper und Co. deutlich darüber liegen. Das geht aber nur mit besonders riskanten Deals.

Kaum kontrollierte Geschäfte

Je mehr Kapital die Fonds einsetzen, je riskanter ihre Wetten ausfallen, je mehr Geld sie sich bei Banken oder anderen Fonds leihen, desto gefährlicher werden sie für das gesamte Finanzsystem. Denn wehe es bildet sich wieder eine Spekulationsblase und nur ein wichtiger Marktteilnehmer, wie damals die US-Bank Lehman Brothers, geht in die Knie. Dann könnte es erneut zum Desaster kommen.

Regierungen in den USA und in Europa verbieten inzwischen ihren Großbanken, Spekulationsgeschäfte auf eigene Rechnung zu betreiben. Zigtausend Investmentbanker verloren bereits ihre Jobs. Eine Finanzkrise wie 2008 soll sich nicht wiederholen. Die Deals werden trotzdem gemacht - und zwar von weltweit mehr als 800 Hedgefonds oder sogenannten Schattenbanken. Dazu zählen Finanzmakler, Geldmarktfonds, Beteiligungsunternehmen oder auf einzelne Branchen spezialisierte Finanzfirmen. Ihr gemeinsames Kennzeichen ist, dass ihre Geschäfte von der Finanzaufsicht kaum oder gar nicht kontrolliert werden.

Wie gefährlich sind die Zocker? Die Diskussion darüber hat erst begonnen.

"Bankähnliche Fonds an die Kette legen"

Anat Admati lehrt an der US-Universität in Stanford. Sie gilt als couragierte und hartnäckige Kritikerin der Finanzwelt. Im Gespräch mit dem stern nennt sie drei Punkte an denen es gefährlich werden könnte: "Wenn die Fonds sehr groß sind. Wenn sie hoch verschuldet sind und wenn sie mit dem Bankensystem eng verbunden sind." Vor allem Fonds, die Kredite an Firmen vergeben und damit faktisch wie Banken arbeiten, müssten an die Kette gelegt werden, sagte Admati.

An der Frankfurter Goethe-Universität befasst sich Reint Gropp mit der drohenden Gefahr. In einer Studie zeigt der Finanzprofessor, dass von Hedgefonds eine große Ansteckungsgefahr für das Bankensystem ausgeht. "In Krisenzeiten wächst ihr Einfluss auf Banken und Versicherungen massiv. Sie spielen eine wichtige Rolle dabei, Schocks in den Rest des Finanzmarktes zu übertragen."

Auch bei der US-Notenbank Federal Reserve ist die Sorge groß. Die neue Fed-Chefin Janet Yellen sagt, bereits in der Finanzkrise hätten die Schattenbanken eine große Rolle gespielt. Das Problem sei erkannt, meint sie. "Wir arbeiten daran."

Die Lösung? Viel Eigenkapital

Standford-Professorin Anat Admati wirbt für eine einfache und radikale Lösung. Sie plädiert dafür, dass Banken und Hedgefonds gezwungen werden, ein großes Polster an eigenem Kapital anzulegen. Nach der Finanzkrise müssen Banken die Eigenkapitalquote von vier auf sieben Prozent erhöhen. Admati fordert 25 bis 30 Prozent. Der Vorteil dieser Lösung: David Tepper und Co. könnten weiter ihre wilden Spekulationen betreiben. Wenn es schief geht, würden sie nicht das ganze Finanzsystem gefährden. Und das allerbeste: Die Steuerzahler müssten nie wieder mit ihrem Geld für die Gier der Reichen gerade stehen.

Die zehn Hegdefonds-Topverdiener

  • David Tepper (Appaloosa Management): 3,5 Milliarden Dollar
  • Steven Cohen (SAC Capital Advisors): 2,4 Milliarden Dollar John Paulson (Paulson & Co.): 2,3 Milliarden Dollar
  • James Simons (Renaissance Technologies): 2,2 Milliarden Dollar
  • Kenneth Griffin (Citadel): 950 Millionen Dollar
  • Israel Englander (Millennium Management): 850 Millionen Dollar
  • Leon Cooperman (Omega Advisors): 825 Millionen Dollar
  • Lawrence Robbins (Glenview Capital Management): 750 Millionen Dollar
  • Daniel Loeb (Third Point): 700 Millionen Dollar
  • Raymond Dalio (Bridgewater Associates): 600 Millionen Dollar
  • Paul Tudor Jones II (Tudor Investment): 600 Millionen Dollar

(alle Angaben laut des Branchenblattes "Institutional Investor's Alpha").