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Arcandor-Pleite: Experte sagt Kaufhaussterben voraus

Deutsche Kaufhäuser stehen möglicherweise vor einer düsteren Zukunft. Einer Studie zufolge werden zwei Drittel der Karstadt- und Kaufhof-Filialen schließen. Unterdessen versucht Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg die Angestellten zu motivieren.

Nach der Pleite der Karstadt-Mutter Arcandor erwartet ein Experte ein großes Warenhaussterben: Zwei Drittel der rund 200 Karstadt- und Kaufhof-Warenhäuser werden laut einer Studie des Handelsexperten Jörg Funder in den nächsten fünf Jahren schließen müssen. "60 bis maximal 70 Warenhäuser in 45 Städten werden überleben", sagte Funder der "WirtschaftsWoche". In der Untersuchung kommt Funder zu dem Ergebnis, dass die meisten Warenhäuser in Städten mit weniger als 200.000 Einwohnern auf der Kippe stehen.

Lediglich in Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern sehe er noch Chancen, dass sich Warenhäuser gegen Spezialisten und Billiganbieter behaupten können, berichtete das Magazin. Vor allem Doppelstandorte in kleineren Städten hätten auf Dauer keine Chance. Funder ist Professor am Institut für Internationales Handels- und Distributionsmanagement an der Fachhochschule Worms. Er hat bis 2008 selbst für mehrere Handelsunternehmen, darunter Arcandor, gearbeitet.

Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg will unterdessen die 28.000 Karstadt-Mitarbeiter mit einer Leistungsprämie motivieren. Gleichzeitig fordere er einen Gehaltsverzicht von ihnen, berichtet "Der Spiegel" ohne Angabe von Quellen. Demnach sollen die Beschäftigten bei Karstadt künftig bis zu 20 Prozent mehr verdienen können, wenn ihr Haus oder ihre Abteilung höhere Umsätze als vergleichbare Einheiten mache. Ein Sprecher von Görg kommentierte die Angaben mit den Worten: "Wir führen die Gespräche mit den Gremien der Arbeitnehmervertreter und nicht in der Öffentlichkeit."

Die Gewerkschaft Verdi hatte am Dienstag Klarheit für die Beschäftigten gefordert. Die Investorensuche für die Karstadt- Warenhäuser müsse mit Nachdruck vorangetrieben und vor dem Weihnachtsgeschäft abgeschlossen werden, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane. Nach großen finanziellen Opfern in den vergangenen Jahren könne es einen Sanierungsbeitrag der Mitarbeiter nur mit einem soliden Geschäftsplan und Sicherheiten für die Beschäftigten geben. Görg hält laut "Spiegel" weitere Einbußen der Mitarbeiter für vertretbar, weil er mit ihrer Hilfe möglichst viele der verbliebenen 126 Karstadt-Häuser retten will.

DPA/AP / AP / DPA
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