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Ausverkauf bei Schlecker Alles muss raus


Den Schlecker-Beschäftigten steht die Kündigung ins Haus, doch vorher wird es noch einmal richtig stressig: Bundesweit ist der Ausverkauf bei der insolventen Drogeriemarktkette gestartet - Kunden winken satte Rabatte.

In Tausenden Schlecker-Filialen haben die Beschäftigten am Freitag mit ihrer letzten Arbeit begonnen: dem Ausverkauf. In bundesweit rund 2800 Schlecker-Märkten gab es Preisnachlässe zwischen 30 und 50 Prozent. Nach Auskunft eines Sprechers der insolventen Drogeriekette lief die Rabattaktion gut an. In den nächsten Tagen sollen dem Plan zufolge die Preise weiter reduziert werden - je nach Fortschritt des Abverkaufs.

Die gut 13.000 Mitarbeiter der Kette sollen ihre Kündigung zum Monatsende erhalten. Schlecker veröffentlichte eine Liste im Internet, aus der alle Ausverkaufsadressen hervorgehen.

Unklar ist bislang, wie es für die etwa 5000 Beschäftigten bei IhrPlatz und Schlecker XL weitergeht. Sie haben - anders als die Mitarbeiter des Mutterunternehmens Schlecker - eine Zukunftschance. Der Münchner Investor Dubag will IhrPlatz und die XL-Märkte übernehmen und fortführen, doch die Verhandlungen darüber waren ins Stocken geraten.

Die Nachrichtenagentur DPA berichtet, dass weiter mit dem Investor gesprochen werde. Aber wann die erwartete Einigung zustande komme, sei unklar. Zuletzt wollte der große Schlecker-Gläubiger Euler Hermes - ein Hamburger Kreditversicherer - noch offene Fragen geklärt haben. Allein bei ihm hat Schlecker 300 Millionen Euro Schulden.

25.000 Mitarbeiter von der Pleite betroffen

Derweil richtet die Agentur für Arbeit aus Ulm in der Ehinger Schlecker-Zentrale ein spezielles Beratungs- und Vermittlungsbüro ein, das am 25. Juni seine Arbeit aufnehmen soll. Ein Sprecher der Regionaldirektion in Stuttgart sagte, von dem Aus für die Drogeriemarktkette seien in Ehingen mehr als 600 Menschen betroffen.

Es handele sich um Mitarbeiter der einstigen Hauptverwaltung und des dortigen Lagers. Rund 25 Vermittler und Berater der Agentur für Arbeit wollen sich darum kümmern, dass die Betroffenen auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen. Es werde alles getan, um sie schnellstmöglich wieder in Beschäftigung zu bringen.

Insgesamt sind rund 25.000 Schlecker-Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen. Die gekündigten Mitarbeiter, vor allem Frauen, sollen nach dem Willen von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Arbeitsagenturchef Frank-Jürgen Weise Fachkräftelücken in anderen Branchen füllen. Besonders gesucht würden Erzieher und Altenpfleger. Die Arbeitsagenturen wollten ihnen vollwertige Umschulungen in diese Mangelberufe anbieten, hatten von der Leyen und Weise am Donnerstag angekündigt. Im Frühjahr waren bereits in einer ersten Welle 11.190 Schlecker-Beschäftigte entlassen worden. Von ihnen haben den Angaben zufolge bislang rund 5000 entweder einen neuen Job oder werden weiterqualifiziert. Allerdings hätten weniger als 2500 eine vollwertige neue Stelle angetreten.

Ein Datum für das endgültiges Ende der Schlecker-Läden gibt es noch nicht. Zuletzt war von Ende Juni die Rede gewesen. Die Abwicklung des Konzerns - der Ausverkauf der restlichen Ware sowie etwa der Verkauf von Immobilien und Auslandsgesellschaften - könnte laut Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz zwischen 500 und 700 Millionen Euro bringen. Dem stehen bislang Forderungen in Höhe von 665 Millionen Euro entgegen.

mlr/DPA DPA

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