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Bildband, CD, Shop im Kaufhaus "Barneys": Der Ausverkauf der Lady Gaga

Millionen Internetfreunde, Millionen Klicks, Millionen auf dem Konto. Dazu einen frischen Fotoband, eine neue CD und eine ganze Etage im New Yorker Kaufhaus "Barneys" - für Lady Gaga könnte es momentan nicht besser laufen. Doch die Menschheit droht an einer Gaga-Überdosis zu kollabieren.

Von Ann-Charlott Karsten, New York

Ja, sie kann sich inszenieren. Und ja, sie weiß auch, wie sie sich vermarkten muss. Lady Gaga erfreut sich derzeit einer Aufmerksamkeit wie sonst wohl nur der Weihnachtsmann. Anstatt Rauschebart und Zipfelmütze zieren ihr Gesicht, inklusive überdimensionaler Schleife und Sonnenbrille, die großen und wichtigen Plätze in den Innenstädten. Und welcher Star kann schon von sich behaupten, dass der amerikanische Kaufhausgigant Barneys in New York bis Anfang Januar eine gesamte Etage sperrt, um dort Fanartikel von ihm in jeglicher Form und Farbe verkauft?

Aber nicht nur Presseaufmerksamkeit, sondern auch Selbstreflektion gehört zum Geschäft. Nach der Anfangseuphorie um den sogenannten Gaga's-Holiday-Workshop bei Barneys ist es ruhig geworden zwischen den Kaufhausregalen. Nur wenige Touristen und einige hartgesottene Fans tummeln sich um die angefertigten Skulpturen, die bunt und planlos in den Raum reinragen. Sie ziehen vorbei an Tischen mit Schmuck aus Süßigkeiten, Shirts mit Aufdruck und Schneekugeln, die für 100 Dollar über den Ladentisch gehen. Alles ist zu bunt und zu teuer. Nach Schnäppchen kann man lange suchen und wird am Ende doch nicht fündig. Der von Barneys erhoffte Besucherandrang bleibt aus. Es wundert nicht, wenn aus den Lautsprechern überlaute Songs der Popsängerin tönen und man sein eigenes Wort und die Begrüßungsworte der Verkäufer nicht verstehen kann.

Zwischendurch verirrt sich immer wieder die Stimme von Frank Sinatra in die unwirkliche Kaufhauslandschaft und erinnert mit Weihnachtslieder daran, dass hinter den schwarzen Wänden und den fantasieartigen Farbklecksen die Winterzeit mit dazugehörigem Geschenkeshoppen lauert. Doch das Wechselspiel aus übermäßigem Angebot und mittelmäßiger Nachfrage im Gaga Workshop geht in eine neue Runde.

Fanartikel als Gewehrsalven

Seit wann ist die Lady zu gaga geworden? Langsam, aber merkbar schleicht sich eine Übersättigung ein. "Schon hundert mal gesehen" oder "Ach, die schon wieder" sind die Reaktionen auf Stefani Joanne Angelina Germanotta. Kein Schock, kein Entsetzen, kein Skandal. Lady Gaga feuert mit Fanartikeln als wären es Maschinengewehrmunition. Sie erschlägt und überfordert die Kunden mit ihrem Angebot. Die 25-Jährige droht zum Ed Hardy der Popmusik zu werden. Gaga Federtaschen, Duftbäume und Autositzbezüge sind der Anfang vom Ende.

Der Bildband, den sie in Kooperation mit dem Fotografen Terry Richardson auf den Markt brachte, ist dabei das i-Tüpfelchen Gagamanie. Beide Künstler sind Meister der Selbstinszenierung. Aber auch an seinen ungeschönt überbelichteten Fotos hat man sich genau so satt sehen, wie an ihren Outfits und Auftritten. Weder Terry Richardson noch Lady Gaga können mit ihrer Arbeit schockieren - und die Sängerin nur noch mit Wenigem, außer ihrer Stimme, begeistern. Normalerweise reicht diese Gabe einer Sängerin auch, hätte Lady Gaga sich nicht selbst zur Modeikone ausgerufen. Von einer solchen erwartet man nicht nur die Auswahl des perfekten Outfits für die nächste Preisverleihung oder den Look für das neue Musikvideo, sondern eben das richtige Maß für die Vermarktungsmaschinerie.

Einzig und allein die Tatsache, dass 25 Prozent des Erlöses aus dem Gaga-Workshop an ihre Stiftung "Born this Way Foundation" gehen, passt in die vorweihnachtliche Stimmung.

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