Autosparte Mercedes und Chrysler mit vertauschten Rollen


Während sich beim langjährigen Erfolgsgaranten Mercedes-Benz die Probleme häufen, glänzt das einstige Sorgenkind Chrysler mit hohen Gewinnen.

Lange wurde DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp von Analysten und Aktionären für die Übernahme des maroden US-Autobauers Chrysler gerügt. Was die Stuttgarter mit ihrer Marke Mercedes erwirtschafteten, fraß der Umbau der US-Tochter zum Teil wieder auf. Jetzt haben sich die Vorzeichen offenbar umgekehrt.

Branchenexperten gehen davon aus, dass Chrysler im Schlussquartal 2004 mehr verdient hat als dass Flaggschiff Mercedes-Benz. Der "gute Stern auf allen Straßen", so ein alter Daimler Werbespruch, hatte die Autofahrer zuletzt immer häufiger in die Werkstatt geführt. Kostspielige Qualitätsmängel, mehrere Modellwechsel, schleppende Autokonjunktur und der starke Euro hätten dem deutschen Konzern erheblich zugesetzt, sagen Analysten.

Dennoch: Einen Gewinn wird DaimlerChrysler ausweisen, so die Experten. Wie von Schrempp angekündigt werde der operative Gewinn 2004 bei 6,40 Milliarden Euro liegen. Diese wichtige Kennziffer für den Geschäftsverlauf eines Unternehmens hatte 2003 bei 5,69 Milliarden Euro gelegen. Die vorläufigen Zahlen wird der Konzern am kommenden Donnerstag zur Jahrespressekonferenz in Sindelfingen vorlegen.

Im laufenden Jahr wird nach Einschätzung von Experten viel davon abhängen, dass der neue Mercedes-Pkw-Chef Eckhard Cordes die Qualitätsmängel in den Griff bekommt. "Die Mercedes-Pkw-Sparte wird die Richtung vorgeben, in die sich die Erträge und die Stimmung für DaimlerChrysler 2005 entwickeln werden", erwarten die Analysten von Morgan Stanley. Auch der Sanierung der Kleinstwagenmarke Smart messen sie eine wichtige Rolle zu.

"Rettungswagen Mercedes steht mit Panne am Straßenrand"

Die Schwäche bei Mercedes-Benz lässt manche Experten zweifeln, ob der Konzern ausreichend vor Krisen geschützt ist. "Der Rettungswagen Mercedes steht jetzt selbst mit einer Panne am Straßenrand und kann bei einem Unfall nicht gerufen werden", sagt Michael Raab vom Bankhaus Sal Oppenheim. Zumindest im ersten Halbjahr werde Mercedes weiterhin mit schwachen Erträgen zu kämpfen haben, glauben Analysten. Mit einer Besserung sei erst zu rechnen, wenn die neuen Modelle auf dem Markt seien.

Dazu gehört neben dem neuen Geländewagen, der M-Klasse, und dem Aushängeschild S-Klasse auch die neue B-Klasse, die oberhalb der A-Klasse angesiedelt ist. Die B-Klasse kommt zunächst aber nur in Europa auf den Markt. Es sei unproblematisch, dass Mercedes-Benz den Verkaufsstart in den USA wegen des anhaltend schwachen Dollar auf unbestimmte Zeit verschoben habe, sagt Raab. Eine Verschiebung sei allemal besser, als Währungsverluste hinzunehmen. Der Kompakt-Van wird wie die A-Klasse im badischen Rastatt gebaut und von dort exportiert.


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