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BANKEN: Commerzbank in Turbulenzen

Knapp 120 Mio. ? Miese im dritten Quartal, zwei Vorstände und 3.400 Stellen weg - stellvertretend für die gesamte Branche wir die Commerzbank ordentlich durchgeschüttelt.

Die Commerzbank hat nach eigenen Angaben im Juli und August einen Verlust von insgesamt rund 120 Millionen Euro nach Steuern erwirtschaftet. Auch für den September rechnet die Bank mit einem Verlust. Damit würde die viertgrößte deutsche Bank das gesamte dritte Quartal mit einem Verlust abschließen. Für das Jahr 2001 rechnet die Bank jedoch mit einem Jahresüberschuss, der die Zahlung einer Dividende erlaubt. Zum Halbjahr hatte die Bank einen auf 262 (Vorjahreszeitraum 1.095) Millionen Euro deutlich gesunkenen Überschuss ausgewiesen. Die Bank kündigte wie erwartet den Abbau von rund 3.400 Arbeitsplätze bis 2003 an. Zudem sollen die Vorstände Heinz Hockmann und Norbert Käsbeck zum 1. November ausscheiden. Der Kurs der Commerzbank-Aktie fiel Montag Nachmittag um sieben Prozent und war der größte Verlierer im Dax.

Kreditvorsorge belastet Ergebnis

Neben der schwachen Ertragsentwicklung trägt zu den negativen Prognosen auch eine Erhöhung der Kreditrisikovorsorge bei. Im Zuge eines Sofortprogramms zur Ergebnisverbesserung wird die Commerzbank bis zum Jahr 2003 rund 3.400 ihrer konzernweit rund 40.000 Stellen abbauen. Dies entspricht einem Abbau von 8,5 Prozent. Analysten waren von einer Reduzierung um bis zu 4.000 ausgegangen. Der Stellenabbau soll sozialverträglich und so weit als möglich im Rahmen von natürlicher Fluktuation und mit flexiblen Arbeitszeitmodellen umgesetzt werden, hieß es aus dem Unternehmen.

Verwaltungsaufwand senken

Insgesamt will die Bank den Verwaltungsaufwand mit rund 5,5 Milliarden Euro auf das Niveau von 2000 zurückführen. Uwe Foullong, der für die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di im Commerzbank-Aufsichtsrat sitzt, warnte: »Stellenstreichungen können sich mittelfristig als kostenträchtige Maßnahme erweisen, wenn nämlich bei einer Belebung der Bankgeschäfte die qualifizierten Mitarbeiter.« Bereits Ende September hatte Bankchef Klaus-Peter Müller von einer »Rosskur« für sein Unternehmen gesprochen und Stellenstreichungen nicht mehr ausgeschlossen.

Die deutschen Großbanken leiden angesichts der Abkühlung der Weltkonjunktur und den schwachen Märkten unter sinkenden Erträgen bei gleichzeitig weiter hohen Kosten. Neben der Commerzbank hatten auch die anderen deutschen Großbanken Entlassungen angekündigt. Als erste der deutschen Großbanken hatte die zum Allianz-Konzern gehörende Dresdner Bank Mitte September bekannt geben, dass sie über das bereits bekannte Maß hinaus rund 1.300 Stellen abbauen will. Damit würden bis 2003 rund 7.800 der weltweit 50.000 Arbeitsplätze der Dresdner abgebaut. Die Deutsche Bank will nach bisherigen Angaben 2.600 der konzernweit 97.000 Stellen bis 2003 streichen. Allerdings hatte Konzernchef Rolf Breuer am vergangenen Mittwoch auch darüber hinausgehende Stellenkürzungen nicht mehr ausgeschlossen. Die Hypovereinsbank plant bisher, 5.500 der insgesamt 72.000 Arbeitsplätze bis 2003 abzubauen.

Personalkarussell dehrt sich

Hockmann scheidet aus dem Vorstand »in gegenseitigem Einvernehmen« aus. Käsbeck verlässt das Führungsgremium aus gesundheitlichen Gründen. Neu im Vorstand sind den Angaben zufolge Martin Blessing, bis August 2001 Vorstandssprecher der Advance Bank sowie Mehmet Dalman, bislang Leiter des Zentralen Geschäftsfelds Securities der Commerzbank.

Aus Frankfurter Bankenkreisen verlautete am Montag, dass Hockmann wegen der schwachen Cost-Income-Ratio der unter seiner Verantwortung stehenden Vermögensverwaltung gehen musste. »Diese Leute haben Geld verloren«, hieß es. Von Blessing wird dagegen offenbar vor allem erwartet, dass er das Privatkundegeschäft der Commerzbank auf Fordermann bringt.

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