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Bankenfusionen: Wie sieht die Zukunft der Postbank aus?

Die Übernahmeschlacht ist eröffnet: Nach der Deutschen Bank hat auch die Commerzbank Interesse an der Postbank gezeigt. Aber: Was macht die Postbank überhaupt so attraktiv und wie genau würde ein Verkauf aussehen? Die wichtigsten Fragen rund um die Fusion beantwortet stern.de.

Von Lisa Louis

Die Postbank ist heiß begehrt. Erst bekundet Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann eindeutig sein Interesse an dem Geldinstitut: "Die Postbank als größte Filialbank in Deutschland würde den Wert des Privatkundengeschäfts deutlich steigern." Jetzt meldet sich auch Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller zu Wort: Das Institut habe "stets betont, dass wir uns mit dem Thema Postbank beschäftigen werden, falls diese zum Verkauf gestellt werden sollte".

Die jüngsten Unternehmenszahlen bestätigen die Attraktivität der Bank: Der Gewinn vor Steuern kletterte im vergangenen Jahr um 6,7 Prozent auf über eine Milliarde Euro. Unter dem Strich stand sogar ein Plus von rund einem Viertel auf 871 Millionen Euro. Der Kurs der Postbank-Aktie hat sich seit den Fusionsgerüchten auf knapp 60 Euro verdoppelt.

Hauptaktionär Deutsche Post AG zeigt sich bis jetzt zwar zurückhaltend, was konkrete Verkaufspläne angeht: Ende des vergangenen Jahres hatte Chef Klaus Zumwinkel zwar Fusionsabsichten verkündet. Nur: Auf einen Partner direkt zugegangen ist er offiziell noch nicht.

Jedoch treibt die Bundesregierung den Verkauf der Bank voran: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und das Kanzleramt wollten durch eine Fusion von Postbank und Commerzbank neben der Deutschen Bank einen neuen Bankenriesen schaffen, verlautet es aus Regierungskreisen.

Trotzdem drängen sich schon jetzt Fragen rund um den Verkauf der Postbank auf: Warum ist die Bank überhaupt so attraktiv, wie viel müsste ein Käufer denn bezahlen und warum soll sie überhaupt verkauft werden? stern.de findet Antworten.

Wieso steht die Postbank zum Verkauf?

Ende vergangenen Jahres hatte Klaus Zumwinkel, Chef des Logistikkonzerns Deutsche Post AG, angekündigt, er plane die Fusion der Postbank mit einem anderen großen Geldinstitut. Ein Bankenriese solle entstehen. Dieter Hein, Bankenexperte beim unabhängigen Analyseunternehmen Fairesearch, sieht darin persönliche Gründe des Postchefs: "Zumwinkel hat die Post operativ nicht weitergebracht", sagt er. "Jetzt möchte er sich einen guten Abgang verschaffen und verscherbelt das Tafelsilber, das etwas wert ist und so die Post mitziehen kann."

Ist eine Fusion unter Gleichen oder eine Übernahme wahrscheinlicher?

Postchef Zumwinkel redet bis jetzt von einer Fusion unter Gleichen. Bankenanalyst Hein hält dieses Szenario jedoch für unwahrscheinlich: "Die Deutsche Post AG muss ihre Mehrheit an der Postbank abgeben", meint er. Sonst sei das Unternehmen für Käufer nicht interessant. Bis jetzt hat die Post 50 Prozent der Stimmanteile plus eine Aktie inne.

Der Grund für eine Übernahme liegt für Dieter Hein, Bankenexperte beim unabhängigen Analyseunternehmen Fairesearch, im "Vertriebsproblem" der Postbank: "Damit die Bank gut läuft, müssen die Postfilialen aus dem System rausgeschmissen werden", meint er. "Und mit der Post AG im Boot funktioniert das nicht, die wehrt sich dagegen."

Was macht die Postbank so attraktiv?

Mit rund 14,5 Millionen Kunden ist die Postbank Marktführer bei Girokonten. Wolfgang Gerke, Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg, sieht genau darin den Vorteil: "Es macht einfach Sinn, die Postbank zu kaufen: Wenn man den deutschen Markt erschließen will, verfügt man sofort über einen großen Kundenstamm", meint er. "Kleinkunden sind vielleicht prinzipiell nicht ganz so attraktiv, dafür ist die Bank aber sehr gut geführt."

Dass die Postbank durch ihren potentiellen Kundenstamm attraktiv ist, meint auch Bankenexperte Dieter Hein. Allerdings hält er die Euphorie für übertrieben: "Die Postbank hat zwar kein Produkt-, jedoch ganz klar ein Vertriebsproblem." So sei das Konzept, Postdienste neben Bankprodukten anzubieten, verfehlt. Außerdem gebe die Bank immer nur Bruttozahlen an. Neukunden würden so zwar vermerkt, Kündigungen aber nicht. Viele der Postbank-Kunden seien zudem Karteileichen, sagt Hein. Die Ergebnisse der Bank seien deshalb nicht so gut, wie sie aussähen.

Käufer verschreckt das offensichtlich nicht: Die Deutsche Bank hat bereits Interesse an der Postbank bekundet, mit der Dresdner Bank und der ING soll die Investmentbank Morgan Stanley Sondierungsgespräche führen.

Unterstützt wird das Interesse auch von den jüngsten Unternehmensergebnissen der Postbank: Der Gewinn vor Steuern kletterte um 6,7 Prozent auf mehr als eine Milliarde Euro für das Jahr 2007. Netto stieg das Ergebnis sogar um ein Viertel auf 871 Millionen Euro.

Wieso ist das Privatkundengeschäft so wichtig?

Generell sind Finanzspekulationen für Banken mit einer höheren Rendite auch mit höherem Risiko verbunden. Letzteres steigt umso weiter an, je höher die wirtschaftliche Unsicherheit ist. Und die wird momentan durch die Hypothekenkrise in den USA verstärkt. "Gerade in stürmischen Zeiten wird das Privatkundengeschäft deshalb wichtiger", erklärt Banken-Professor Wolfgang Gerke. "Während Finanzspekulationen sehr volatil sind, sorgt der relativ stabile Erfolg bei Kleinkunden für Geschäftsglättung."

Was würde sich bei der Postbank nach einem Verkauf ändern?

Die zentrale Frage ist hierbei: Werden die Postbank und ihr zukünftiger Partner zu einem Unternehmen mit einem Logo verschmelzen oder wird es weiterhin zwei Marken geben? Banken-Professor Wolfgang Gerke glaubt an eine Fortführung der Zwei-Marken-Strategie: "Die Postbank hat in der Vergangenheit eine hervorragende und eindringliche Werbung für sich gemacht", meint er. "Ein großer Teil des Markenwertes kommt daher von seinem Bekanntheitsgrad - es wäre geradezu leichtfertig, den Markennamen zu ändern." Dabei könnten auch Produkte anderer Banken in den Postbankfilialen angeboten werden - wenn Kunden dann immer noch das "Postbank-Gefühl" vermittelt bekämen.

Was wird mit den Mitarbeitern der Postbank passieren?

"Das hängt vom Partner ab", sagt Banken- und Börsen-Professor Wolfgang Gerke. Je ähnlicher die Geschäftsfelder der Unternehmen seien, desto härter werde die Fusion. "Würde beispielsweise die Deutsche Bank mit der Commerzbank fusionieren, käme es zu einem Blutbad." Ein solches Blutbad ist im vorliegenden Fall aber unwahrscheinlich: Die bisherigen Übernahmekandidaten unterscheiden sich stark von der Postbank und sind gerade im Privatkundengeschäft nicht stark aufgestellt. Eine Fusion der Deutschen Bank oder der Commerzbank mit der Postbank wäre zum Beispiel ein kleineres Problem.

"Unter der Fusion leiden deswegen weniger die Mitarbeiter und mehr eventuelle Konkurrenten wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken", sagt Gerke.

Könnte es rechtliche Probleme geben bei einer Fusion?

Rechtliche Probleme bei Fusionen können entstehen, wenn Unternehmen dadurch zu groß werden und so potentiell ihre Marktmacht ausnutzen könnten. Bei zu großen Marktanteilen werden deshalb die Wettbewerbshüter aufmerksam. Die heißen im Bankensektor Bankenaufsicht von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und Bundesbank.

Was den Postbank-Verkauf angeht, sieht Professor Wolfgang Gerke jedoch keine Probleme: "Das muss man europa- beziehungsweise weltweit betrachten: Im Bankensektor ist eine Unternehmensgröße, wie sie nach dieser Fusion entstünde, gang und gäbe."

Wer von den Bewerbern hätte die größten Chancen?

Zentral bei einer Fusion ist der Preis. "Letztendlich wird in einem Bieterprozess entschieden, mit wem sich die Postbank verbindet", sagt Bankenexperte Hein. Deswegen ist für Bankenprofessor Dieter Gerke die Deutsche Bank nach ihrem Rekordgewinn auch gut aufgestellt.

Bislang werde bei potenziellen Interessenten nur vorgefühlt, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Verkaufsprozess habe noch nicht begonnen. "Wenn jemand uns ansprechen würde, wären wir gesprächsbereit", sagt der Chef der Deutsche Bank, Josef Ackermann.

Wie viel würde die Postbank denn kosten?

In der Regel entspricht der Preis dem Börsenwert - momentan bei 10 Milliarden Euro - plus einen Paketzuschlag. Der hängt von dem zusätzlichen Nutzen ab, den das gekaufte Unternehmen dem Käufer bringt. "Ein Zuschlag von 25 Prozent wäre bei der Postbank durchaus realistisch", meint Analyst Hein. "Eigentlich müsste sich aber das Vertriebsproblem der Postbank negativ im Preis niederschlagen", fügt er hinzu. Zentral sei die Frage, wie man den Altaktionär Deutsche Post loswerden könnte. Deswegen dürfte der Verkauf auch gar nicht so einfach sein, wie es scheint.

Banken-Professor Dieter Gerke ist eher überzeugt von dem Wert der Postbank und hält die Vertriebskanäle für den großen Verteil der Bank: "Die sind ja gerade so interessant." Deswegen dürfte der Bieterkampf auch spannend werden.