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Berliner Bank: Deutsche Bank shoppt in Berlin

Nach einem monatelangen Übernahmepoker um die Berliner Bank hat nun die Deutsche Bank den Zuschlag erhalten. Dies wird als deutliches Signal für einen weiteren Wachstumskurs im Privatkundengeschäft gesehen.

Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat den Kauf der Berliner Bank als deutliches Signal für einen erfolgreichen Wachstumskurs im Privatkundengeschäft bezeichnet. "Dabei ist es wichtig, dass wir hier in Deutschland - und insbesondere in der Hauptstadt Berlin - investieren und wachsen", erklärte Ackermann in einer am Mittwoch in Berlin verbreiteten Mitteilung.

Keine Stellenstreichungen

Mit dem Zukauf in Berlin nutzt der Branchenprimus eine der seltenen Chancen, seinen Marktanteil im extrem hart umkämpften deutschen Markt zu steigern. Mit der Übernahme kommt die Deutsche Bank in der Bundeshauptstadt auf rund 770.000 Kunden, die in 119 Filialen betreut werden. Überlappungen gebe es kaum, durch die Verbindung beider Häuser ließen sich Ertragssynergien heben, hieß es. Insgesamt wird die Deutsche Bank künftig 3.800 Mitarbeiter in Berlin beschäftigen.

Die Deutsche Bank kauft für 680,5 Millionen Euro die Berliner Bank, die als Marke mit allen Arbeitsplätzen und Filialen an 60 Standorten fortgeführt werden soll. Die Berliner Bank betreut nach eigenen Angaben 307.000 Privat- und 13.000 Geschäftskunden. Im Zuge des Verkaufs wird sie aus dem Bankgesellschaft-Konzern ausgegliedert und mit einem Eigenkapital von 172 Millionen Euro ausgestattet. Allerdings müssen dem Kauf noch die Aufsichts- und Kartellbehörden zustimmen.

Verkauf auf Druck der EU

Die Bankgesellschaft musste die Berliner Bank auf Druck der EU verkaufen, nachdem das Land Berlin den Mutterkonzern 2001 mit milliardenschweren Beihilfen vor dem Zusammenbruch gerettet hatte. Bis Ende 2007 muss sich das Land Berlin in einem weiteren Schritt von seinem 81-prozentigen Anteil an der Bankgesellschaft trennen.

"Wir freuen uns über ein gutes Verhandlungsergebnis", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Berlin, Hans-Jörg Vetter. Die Berliner Bank habe jetzt Klarheit und gute Aussichten für eine erfolgreiche Zukunft. Das große Interesse an der Berliner Bank sei zudem ein deutliches Zeichen für den Standort Berlin für Banken.

Preis ist gerechtfertigt

"Strategisch ist das ein sehr guter Schritt", sagte Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). "Es gibt in Deutschland kaum Möglichkeiten, im Privatkundengeschäft zu wachsen, deshalb ist der Preis auch hoch." Die Berliner Bank verfüge aber über Kunden von hoher Qualität, deshalb sei der Preis gerechtfertigt. Ihn zu stemmen, sei für die Deutsche Bank kein Problem. Andreas Weese von der HVB ergänzte, er habe eher mit einem Preis von 400 bis 500 Millionen Euro gerechnet. "Ich glaube, dass man hier auch ein Signal setzen wollte, dass man den Heimatmarkt nicht vernachlässigen will", ergänzte er.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters