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Börsen: Die großen Kapitalvernichter

Eine Technologiefirma und zwei IT-Unternehmen sind laut der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die größten Kapitalvernichter unter den börsennotierten deutschen Unternehmen. Dabei sind DAX-30-Firmen besser als ihr Ruf.

Wie DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker am Montag in Berlin berichtete, findet sich auf der von der Schutzvereinigung erstellten "Watchlist" der 50 größten Kapitalvernichter in diesem Jahr erstmals kein DAX-30-Unternehmen mehr. Im vergangenen Jahr waren mit Allianz, Bayer, Deutsche Telekom, HypoVereinsbank, Münchner Rück und TUI noch sechs der größten deutschen Aktiengesellschaften auf der Liste vertreten. Die "rote Laterne" ging in diesem Jahr an das Frankfurter Unternehmen Augusta Technologie: Wer Ende 1999 in Aktien dieser Gesellschaft 10.000 Euro investierte, hatte Ende 2004 gerade noch 4.390 Euro. Anleger, die Ende 2003 auf die Idee kamen, Papiere der Frankfurter Firma zu kaufen, mussten sogar 85,7 Prozent ihres Geldes in den Wind schreiben. Bewertet wurde der Kursverlauf im Ein-, Drei- und Fünfjahresvergleich bei 372 Firmen im "Prime Standard", der höhere Anforderungen an die Transparenz stellt.

Die Großen wittern Morgenluft

Die Großen der ersten Börsenliga mit ihrem internationalen Geschäft bekämen den Rückenwind der anspringenden Konjunktur früher zu spüren als kleinere Firmen, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker in Berlin. Die im Vorjahr als Kapitalvernichter geführten DAX-Mitglieder Allianz, Bayer, Deutsche Telekom, HypoVereinsbank, Münchener Rück und TUI stünden daher nun nicht mehr auf der Liste. Aus dem M-DAX der mittelgroßen Gesellschaften seien erneut fünf Firmen darunter, nämlich WCM, KarstadtQuelle, SGL Carbon, MLP und Medion. Nicht mehr genannt wurde dagegen Douglas.

Platz zwei der Kapitalvernichter hält laut DSW die Hamburger Pandatel AG, die nach eigenen Angaben zu den weltweit führenden Anbietern von professioneller Netzwerktechnologie gehört. Wer allerdings ihre Papiere Ende 2003 kaufte, hatte ein Jahr später ein Minus von 76,1 Prozent. Auf dem dritten Platz der Liste kam die Mosaic Software AG aus Meckenheim bei Bonn. Für die Aktionäre war der "führende Anbieter von universell einsetzbaren Lösungen für den elektronischen Daten- und Dokumentenaustausch" kein gutes Geschäft: Minus 55,6 Prozent im Fünfjahres-, minus 39 Prozent im Dreijahres- und minus 74 Prozent im Einjahresvergleich.

Nagelprobe: Musterverfahren gegen die Telekom

Nach Angaben von Hocker wird das am Frankfurter Landgericht anhängige Verfahren gegen die Deutsche Telekom die erste Nagelprobe für das neue Kapitalanlegermusterverfahrensgesetz. Der zuständige Richter wolle das Verfahren nach dem neuen Recht durchführen. Rund 15.000 Kläger sind der Ansicht, dass der Prospekt zum dritten Börsengang der Telekom auf Grund fehlerhafter Immobilienbewertung falsch war. Nach dem neuen Gesetz kann ein Musterverfahren beantragt werden. Dann gilt die Entscheidung für alle 15.000 Kläger.

Hocker warf der Bundesregierung vor, bei der gesetzlichen Verankerung einer direkten Haftung von Vorständen und Aufsichtsräten gegenüber ihren Aktionären gekniffen zu haben. Sie habe das geplante Kapitalmarktinformationshaftungsgesetz von der Agenda genommen. Nach dem Gesetz sollten Manager Schadensersatz zahlen, wenn sie Anleger vorsätzlich oder grob fahrlässig falsch informieren. Damit bleibe es bei der alten Rechtslage, die den fast unmöglichen Beweis eines kausalen Zusammenhangs zwischen Falschinformation und Kaufentscheidung erfordere.

DPA/AP / AP / DPA