HOME

Börsencrash: Von der Krise profitieren

Während die große Mehrheit der Investmentfonds im Börsencrash schmerzliche Verluste einstecken musste, gelang einigen Managern trotz fallender Kurse ein dickes Plus. Einer von ihnen ist Hans-Wilhelm Brand. stern.de hat mit ihm über seine Krisenstrategie gesprochen.

Von Olaf Wittrock

Immobilienkrise, Bankenskandal, Börsenkrach: Für Investoren hat das Jahr 2008 bisher nur schlechte Nachrichten gebracht. Die Aktienindizes brachen in den USA, in Europa und in Asien ein und rissen bei Aktienbesitzern und Fondsanlegern weltweit große Löcher ins Depot. Wer nicht zufällig auf Goldfonds gesetzt hatte, die einzige Nische, die die Krise nahezu komplett unbeschadet überstand, konnte mit Aktien in diesen Wochen nichts gewinnen. Es sei denn, er wettete auf die Kapitalverluste. Nur mit dieser Methode, im Fachjargon "Shorten" genannt, ließen sich Verluste am Aktienmarkt vermeiden - oder sogar hohe Gewinne einfahren.

Genau das ist Hans-Wilhelm Brand im Januar gelungen, und der Chef der Trierer Vermögensverwaltung HWB steht mit diesem Erfolg derzeit ziemlich alleine da: Seine aktiennahen Mischfonds "HWB Victoria Strategie Plus" und "HWB Portfolio Plus" haben in den ersten vier Wochen dieses Jahres um elf beziehungsweise acht Prozent zugelegt, während die Konkurrenz in der jeweiligen Vergleichsgruppe nach Auswertungen der Fondsratingagentur Morningstar im Schnitt rund sieben beziehungsweise zwölf Prozent verlor. Die Fonds liegen derzeit in ihren Vergleichsgruppen zudem als einzige überhaupt nennenswert im Plus. Und das, obwohl hauptsächlich Aktien in den Portfolios stecken.

Computer statt Magie

Wie dieses Kunststück gelang? Hans-Wilhelm Brands Erklärung klingt simpel: "Wir haben uns schon im November gegen Kursverluste bei den Titeln in unseren Portfolios abgesichert." Dazu handelt Brand mit so genannten Futures, die ihm das Recht zusichern, an bestimmten Terminen in der Zukunft Aktien entweder zu einem festen Kurs kaufen oder verkaufen zu können. Je schlechter die Marktaussichten, desto stärker sichert er seinen Aktienbestand auf diese Weise ab. Fallen die Börsen dann wie vorausgesehen, kann er die Kauf- oder Verkaufsoptionen nutzen, um Verluste auszugleichen. "Und bei den zuletzt heftigen Kurseinbrüchen konnten wir über solche Optionsgeschäfte sogar zusätzlich verdient", erklärt Brand.

Dahinter steckt keine Magie - sondern vor allem eine gute Prognose. Und diese wiederum lässt Brand sich aus dem Computer liefern: Der Manager, der einst in Diensten der US-Fondsgesellschaft Merrill Lynch stand, vertraut zwar bei der Aktienauswahl seinem Gespür. Das setzt auf Kriterien wie schnelles Wachstum, steigende Gewinne und sehr hohe Eigenkapitalquoten, weshalb Brand nie in reine Banktitel investiert - was ihn vor manchen Abstürzen bewahrte.

Von der Krise profitieren

Vor allem aber hat er zur Absicherung ein rein technisches Trendfolgemodell entwickelt: Eine Software, die Marktdaten analysiert und daraus Signale für die kurz-, mittel- und langfristige Entwicklung der Aktienmärkte prognostiziert. Stehen die Ergebnisse fest, ist Disziplin gefragt: "Wir wissen aus Erfahrung zwar, dass etwa 15 Prozent der Trendsignale falsch sind. Trotzdem führen wir die Empfehlungen jederzeit aus", sagt Brand. "Man darf da niemals auf den Bauch hören."

Ende des vergangenen Jahres seien die kurzfristigen Signale immer schneller hin- und hergewechselt, erzählt der Manager - der entsprechend oft auf die Käufer- und Verkäuferseite wechselte. "Zu Jahresanfang sind dann langfristige Trends gekippt. So etwas passiert nur alle vier, fünf Jahre." Brand folgte den Computerstimmen, investierte massiv in die Kursabsicherung - und gewann.

Als Krisenprofiteur fühlt sich der Manager mit seinem System aber nicht - anders als reine "Short"-Investoren, die nur auf fallende Märkte setzen, will er seinen Anlegern nämlich stets gute Erträge liefern. Und das möglichst unabhängig vom Gesamtmarkt: "Allerdings fühlen wir uns wie die meisten Aktieninvestoren in steigenden Märkten noch ein bisschen wohler", sagt Brand. Wer sich die Entwicklung des Fonds in den Jahren vor der Immobilienkrise anschaut, nimmt ihm das ab. Denn auch im Boom gehörten die HWB-Fonds regelmäßig zu den Spitzenangeboten im Markt. Der Manager heimste dafür schon diverse Sterne, Spitzennoten und Medaillen ein.