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Business-Tipps per Popsong: Internetmilliardär versucht Karriere als Rockstar

Groupon-Gründer Andrew Mason machte Start-up-Karriere - dann wurde er vor die Tür gesetzt. Nun will er Popstar werden. In seinen Songs verarbeitet er die Kündigung und gibt Interna der Webszene preis.

Von Lutz Meier

Nachdem der junge Internetmilliardär Andrew Mason spektakulär von der Spitze des Rabattanbieters Groupon vertrieben wurde, ging er erst einmal auf Reisen. Er nahm ein paar Kilos ab und las Bücher - was man so treibt als Arbeitsloser, wie Mason selbst erklärte. Dann aber war das Leben als Pensionär dem 33Jährigen nicht mehr genug, und er beschloss Popstar zu werden und zudem Management-Lehren weiterzugeben. Jetzt ist es so weit: Seit Dienstag ist Mason der wahrscheinlich erste Manager aus dem US-Börsenoberhaus, der Ratschläge zur Betriebsführung per Pop-Album gibt. Auf "Hardly Working", der Compilation, die Mason über Musikanbieter wie itunes oder Spotify vermarktet, sorgt er mit gedrechselten Reimen aus Business-Sprache für Aufsehen. Zum Beispiel in dem Song "It’s Up to Us", den Mason Managern ans Herz legt, um mit ihm Konferenzen zu beenden: "We've got the customer Critical mass/The market positioning", ("Wir haben die kritische Kundenzahl, die Marktpositionierung") trällert Mason da zu Gitarrenrock. "Top-Entscheider, mittleres Management und Angestellte im Kundenkontakt werden alle wertvolle Ratschläge mitnehmen", wirbt Mason für sein Album. Eingespielt hat er es in den bekannten Chicagoer Electrical Audio Studios mit dem Produzenten Steve Albini, der schon Bands wie Nirvana, die Pixies und PJ Harvey produziert hat.

In Unterhose bei Youtube

Schon als Groupon-Chef eilte Mason der Ruf voraus, einer der schillerndsten Internetunternehmer zu sein. Er wurde über Konferenzen gereicht, von Staatschefs wie Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy empfangen, war auf den Titelseiten der großen Businessmagazine. Gleichzeitig stellte er Youtube-Videos online, auf denen in Unterhose Yogaübungen machte oder Folgen von "Desperate Hosewives" rezensierte. Einmal ließ er eine Woche einen Baletttänzer mit Röckchen stumm durch die Räume der Firmenzentrale in Chicago spazieren. In deren Foyer ließ er eine Galerie von Titelseiten von Wirtschaftsmagazinen aufhängen, die längst gescheiterte Internetfirmen hochjubelten Napster, Myspace, etcetera. Und ganz am Ende Groupon. Eine Ahnenreihe, die sich als prophetisch erwies: Groupon legte einen Absturz hin, der zu Jahresbeginn schließlich zu Masons spektakulärem Rausschmiss führte.

Als Google acht Milliarden bot, hatte er keine Lust

Aber lange Zeit galt Groupon als der Internet-Senkrechtstarter schlechthin, sammelte Multimilliarden bei Investoren, lockte Nachahmer auf den Plan und machte etablierte Internetkonzerne wie Google oder Amazon nervös. Als Mason vor zweieinhalb Jahren eine angeblich acht Milliarden Dollar schwere Kaufofferte von Google mit dem Argument ausschlug, er habe keine Lust zu verkaufen, brachte ihm das so viel Spott wie Bewunderung ein. Später schaffte er trotz aufkeimender Zweifel und bemerkenswerter Verplapperer einen Börsengang, bei dem Groupon mit rund 18,5 Milliarden Dollar bewertet wurde. Dabei war Groupon nur nebenbei entstanden, eigentlich wollten Mason und seine Kumpel eine Plattform für Gesellschafts- und Polit-Aktivisten gründen. Eine gute Idee sei schnell da, sie umzusetzen sei das was Mühe kostet, sagte Mason später. In seinem Song "Look No Further" beschreibt er die Gründung in seiner unnachahmlichen Reimkunst so: "I was climbing Machu Pichu/As I beheld the splendid view/An idea came for 100 million/of shareholder value".

Er erhielt 378 Dollar Abfindung

Doch irgendwann nach dem Börsengang begannen selbst euphorische Anleger die Frage zu stellen, ob Groupon nur ein Hype war, oder auf Dauer Geld verdienen könnte. Die Aktie verlor mehr als drei Viertel ihres Werts. Erst als Mason Ende Februar diesen Jahres seinen Posten räumen musste, ging der Börsenkurs wieder etwas nach oben. Dass sein Abschied über die Webszene hinaus bekannt wurde, dafür sorgte der Google-Boss auch mit seiner Abschiedsmail, die auf der ganzen Welt bekannt wurde: "Nach viereinhalb anstrengenden und wunderbaren Jahren als CEO von Groupon, habe ich entschieden, dass ich mehr Zeit mir meiner Familie verbringen möchte", begann sie eher klassisch, um dann wie folgt weiterzugehen: "Nur ein Spaß - Ich wurde heute rausgeschmissen. Wenn ihr euch fragt warum, dann habt ihr einfach nicht aufgepasst", fuhr er fort. Die Zahlen seien schlecht, der Börsenkurs niedrig. "Als CEO bin ich dafür verantwortlich." Die Abfindung für Mason lag übrigens bei 378 Dollar und 36 Cents, vier Monatsgehälter, welches er sich selbst zwei Jahre zuvor auf knapp 200 Dollar gesenkt hatte.

"Kein Mensch mit Selbstachtung würde das veröffentlichen"

Nach den ersten Rezensionen bei itunes zu urteilen, kommt Masons Album dort nicht besser an, als seine Chefqualitäten, für die er immerhin 2012 den Titel "schlechtester CEO des Jahres" im Fernsehsender CNBC bekommen hatte. Über Masons Musik schreibt der itunes-Kunde gpanger: "Ich bin sicher, dass kein Mensch mit Selbstachtung diese Musik ernsthaft veröffentlichen würde." Mason selbst sagt, es sei nötig, Managementweisheiten heute auf andere Weise zu verbreiten. Bei Groupon habe er festgestellt, dass keiner der jungen Manager jemals den Blick in ein Betriebsführungshandbuch geworfen habe. Vielleicht hat die Entwicklung seiner Firma ja auch damit zu tun.