Cabrio-Spezialist Karmann ist noch nicht am Ende


Nach dem Insolvenzantrag am Mittwoch schien die Traditionsmarke Karmann unrettbar verloren, einen Tag später gibt es wieder Hoffnung. Der Insolvenzverwalter will das Unternehmen zahlungsfähig machen. Unsicher ist, wie viele Arbeitsplätze der Pleite zum Opfer fallen werden.

Der vorläufige Insolvenzverwalter des Traditionsautobauers Karmann hat sich optimistisch zur Zukunft des Unternehmens geäußert. Er habe den Eindruck gewonnen, dass Karmann ein Unternehmen sei, "das auf jeden Fall weiterbestehen sollte", sagte der Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer Ottmar Hermann am Donnerstag in Osnabrück. Zuvor hatte er die Mitarbeiter informiert. Erster Schritt sei es, schnell die Zahlungsfähigkeit zu sichern, sagte Hermann. Wie groß der Finanzbedarf des Unternehmens sei, könne er aber noch nicht sagen.

Wegen des Insolvenzrechts seien die Löhne für drei Monate gesichert, betonte Herrmann. Das gelte auch für die Mitarbeiter, die dem Übergang in eine Transfergesellschaft zugestimmt hätten. Von der Insolvenz sind 3470 Mitarbeiter betroffen, darunter 1300 im Fahrzeugbau. Wie viele der Arbeitsplätze zum Schluss übrigbleiben werden, wisse er noch nicht. Grundsätzlich sei bei einer Insolvenz jeder Arbeitsplatz bedroht. Er wolle aber mit Lieferanten, Kunden und der Belegschaft reden, damit der Betrieb fortgesetzt werden könne.

Die Firma, die unter anderem für Mercedes und Audi Autos baute, hatte am Mittwoch einen Insolvenzantrag gestellt. Nun bangen insgesamt rund 3500 Beschäftigte um ihre Jobs. Karmann hatte erklärt, im Kern sanierungsfähig und "praktisch frei von Bankkrediten" zu sein. Bekannt wurde das Unternehmen vor allem in der Wirtschaftswunderzeit mit dem legendären "Karmann Ghia", einem Coupé auf der Basis des VW Käfers.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff appellierte in einem Zeitungsgespräch an die Eigentümer des angeschlagenen Cabrio-Spezialisten, alles für eine Sicherung der Arbeitsplätze zu tun. Zugleich stellte der Regierungschef staatliche Hilfe für das Unternehmen in Aussicht, sofern eine Transfergesellschaft zustande kommt. Der CDU-Politiker verwahrte sich zudem gegen den Vorwurf mangelnden Engagements für den Autobauer. Die niedersächsischen Sozialdemokraten werfen der Landesregierung im Fall Karmann Versäumnisse vor.

Das Unternehmen begründete den Insolvenzantrag mit der weltweiten Autokrise und den Sozialplankosten. Karmann will den Bau von Autos komplett aufgeben, weil seit Jahren keine neuen Aufträge mehr eingegangen sind. Die Firma will künftig nur noch Dachsysteme liefern und sich auf die Entwicklung konzentrieren. Von der für den Mai geplanten Schließung des Fahrzeugbaus sind mehr als 1300 Mitarbeiter betroffen. Karmann erwirtschaftete im Jahr 2007 mit knapp 7000 Mitarbeitern weltweit einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro.

DPA/AP AP DPA

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